Kitas und Schulen

Ein erbärmliches Schauspiel

Wolfgang Glaeser

Von Wolfgang Glaeser (Freiburg)

Mo, 08. Februar 2021

Leserbriefe

Zu: "Land öffnet Grundschulen und Kitas wohl ab Montag" und "Mutiertes Virus in Freiburger Kita – Land rudert bei Schulöffnung zurück", Beiträge von Axel Habermehl und Jens Schmitz (Politik, 27./28. Januar)

"Wir können alles außer Hochdeutsch". Was ursprünglich mal als witzig gemeinter Spruch für die Spezialitäten des Landes werben sollte, entwickelt sich allmählich zu einer gefährlichen Mischung aus Arroganz, Starrsinn und Verantwortungslosigkeit. So wollte die Landesregierung, auf Betreiben der um Profilierung bemühten Kultusministerin, zunächst über die auf Hochdeutsch verfassten Beschlüsse zur Bekämpfung der Corona-Pandemie hinweggehen und die Grundschulen und Kitas öffnen. Dies trotz nach wie vor hoher Infektionszahlen und der Ungewissheit über die Entwicklung der Virus-Mutationen.

Diese Entscheidung hätte das Bemühen von uns allen, durch weitgehenden Verzicht auf unser soziales Leben die Pandemie in den Griff zu bekommen, konterkariert. Sie stützte sich allein auf die von Fachleuten wie Christian Drosten deutlich in Frage gestellte Behauptung einiger baden-württembergischer Ärzte, dass Kinder kaum zur Verbreitung des Virus beitragen würden. Traurig, dass es des Corona-Ausbruchs in einer Freiburger Kita mit über 20 Infektionen (wie geht so etwas überhaupt während des Lockdowns?) bedurfte, um diese Behauptung zu widerlegen und den irrsinnigen Beschluss noch einmal abzuwenden. An anderer Stelle zeigt man dagegen übertriebene Strenge und gängelt die Bevölkerung durch das Festhalten am unsinnigen Verbot, nach 20 Uhr spazieren zu gehen – auch das eine baden-württembergische Spezialität. Was die Landesregierung hier aufführt, ist wirklich ein erbärmliches Schauspiel. Wolfgang Glaeser, Freiburg