Ein Meister atmosphärischer Musik

Thomas Steiner

Von Thomas Steiner

Fr, 20. Mai 2022

Rock & Pop

Zum Tod des Filmkomponisten und Elektro-Pioniers Vangelis.

Seine beste Musik gab es lange nicht auf Platte, sondern nur im Kino. Als 1982 Ridley Scotts visionäres Science-Fiction-Drama "Blade Runner" mit Harrison Ford eine dunkle, dystopische Welt mit hyperurbanen Landschaften und künstlichen Menschen zeigte, war sie kongenial untermalt mit den Synthesizerklängen von Vangelis. Einen Fluggleiter auf seinen Sounds durch verregnete Häuserschluchten dahinschweben zu sehen, war ein überwältigender Eindruck. So lange aber der Film brauchte, um zum Kult zu werden, so lange suchte man den Soundtrack dazu vergeblich auf LP oder später CD. Erst zwölf Jahre später wurde die Musik eigenständig veröffentlicht.

Evangelos Odysseas Papathanassiou hieß der griechische Komponist bürgerlich. Als Tastenmann der Band Aphrodite’s Child hatte er seine Karriere Ende der 60er Jahre begonnen, als Solokünstler, Großmeister elektronischer Musik und vor allem als Filmkomponist wurde er weltberühmt. Seine zahlreichen Synthesizer setzte er stets orchestral ein, seine Leitmotive waren romantische Melodien. Am bekanntesten wurde sein Titelstück zum Film "Chariots of Fire" ("Die Stunde des Siegers"), für den Soundtrack bekam er 1982 einen Oscar.

Für fast 30 Filme hat er komponiert. Daneben veröffentlichte er zahlreiche Soloalben, auf denen er sich auch dem Synthiepop (etwa zusammen mit dem Yes-Sänger Jon Anderson), neoklassischen Kompositionen oder minimalistischer Elektronik zuwendete. Gerne widmete er sich jeweils einem Thema, etwa dem Maler El Greco, den Ozeanen oder einer Weltraumreise zum Jupiter. Stets aber hatte er es mit seiner Musik auf atmosphärische Wirkung abgesehen. So schuf er nicht nur Soundtracks für Filme, sondern auch für andere Phantasien. Jetzt ist Vangelis im Alter von 79 Jahren gestorben, wie der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis am Donnerstag auf Twitter mitteilte.