Martin Luther

Ein mutiger Kopf

Sonja Zellmann

Von Sonja Zellmann

Sa, 21. Januar 2017 um 05:33 Uhr

Neues für Kinder

Habt ihr schon mal von Martin Luther gehört? Alle Welt redet dieses Jahr von ihm. Denn Luther ist ganz schön berühmt. Er hat mit dafür gesorgt, dass es heute mehrere christliche Kirchen gibt. Und zwar indem er vor genau 500 Jahren, im Jahr 1517, eine Entwicklung ins Rollen brachte, die sich Reformation nennt.

95 Thesen

Vor 1517 gab es in Mittel- und Westeuropa nur eine christliche Kirche: die römisch-katholische. Auch Martin Luther war ein gläubiger Christ, ja sogar ein Mönch, der die Bibel genau studierte. Mit einigen Dingen in der katholischen Kirche war er aber gar nicht einverstanden. Zum Beispiel mit dem Ablasshandel (siehe unten) und damit, dass der Papst, das Oberhaupt der Kirche, und seine Bischöfe bestimmten, was geglaubt werden sollte. Luther fand das falsch, da seiner Meinung nach alles über den Glauben bereits in der Bibel stand. Er fand, dass die Christen allein danach leben sollten. Weil er so unzufrieden mit der Kirche war, schrieb er seine Gedanken in 95 Punkten (Thesen) auf. Am 31. Oktober 1517 soll er sie in der Stadt Wittenberg an ein Kirchentor genagelt haben. Dort, im heutigen Sachsen-Anhalt, lebte er zu der Zeit.

Ablasshandel

Zur Zeit Luthers war die Kirche viel mächtiger als heute. Die Menschen waren sehr gläubig und glaubten, was Pfarrer und Bischöfe sagten. Diese erzählten den Leuten, sie kämen in die Hölle und müssten im Fegefeuer schmoren, wenn sie etwas falsch machten und Sünden begingen. Gleichzeitig boten sie ihnen an, sich von ihren Sünden freizukaufen, um so Gott gnädig zu stimmen. Dafür konnten die Menschen so genannte Ablassbriefe von der Kirche kaufen. Aus Angst machten das viele. Von dem Geld ließ die Kirche prächtige Bauten errichten. Das verurteilte Luther scharf. Er war der Meinung, dass Gottes Gnade nicht zu kaufen ist, sondern dass der Glaube an Gott ausreicht, um seine Gnade zu erhalten. Luther war sich sicher, dass Gott ein gütiger Gott ist, kein strafender.

Bann und Bibel

Dass Martin Luther die Kirche so sehr kritisierte, fand diese gar nicht gut. Luther sollte seine Thesen zurücknehmen – doch er weigerte sich. Deshalb wurde er 1521 aus der Kirche ausgeschlossen, und der damalige Kaiser Karl V. verhängte eine Reichsacht über ihn. Damit hatte er keine Rechte mehr und hätte von einem Feind getötet werden können, ohne dass dieser bestraft worden wäre. Doch Kurfürst Friedrich der Weise, ein Anhänger von Luther, half ihm und versteckte ihn in der Wartburg bei Eisenach im heutigen Bundesland Thüringen. Dort übersetzte Luther die Bibel, die es bis dahin vor allem auf Hebräisch und Griechisch gegeben hatte, erstmals in ein gut verständliches Deutsch. Nun konnten sie viele Leute endlich auch selbst lesen.

Reformation

Martin Luthers Ideen verbreiteten sich rasch in ganz Europa und fanden viele Fans. Luther selbst wollte mit seinen Thesen die Kirche reformieren, also verändern. Deshalb heißt die Entwicklung, die Luther mit angestoßen hat, Reformation. Da sich der Papst und die Bischöfe aber so gegen Veränderung wehrten, gründeten die Anhänger der Reformation schließlich eigene Kirchen: in verschiedenen Ländern unterschiedliche evangelische beziehungsweise protestantische. Evangelisch, weil sie streng nach dem Evangelium, der Bibel, lebten. Protestantisch, weil sie gegen die bisherige Kirche protestierten.



Mehr Infos: www.kids.martinluther.de