Ein Neubau zum Geburtstag des ISL

Annette Mahro

Von Annette Mahro

Sa, 29. Juni 2019

Elsass

Deutsch-französisches Forschungsinstitut feiert 60-jähriges Bestehen und eröffnet Gebäudekomplex.

SAINT-LOUIS. Passgenau zum 60. Geburtstag konnte das deutsch-französische Forschungsinstitut Saint-Louis ISL am Donnerstag sein neues Werkstatt- und Bürogebäude einweihen. Der Gebäudekomplex "P2" ersetzt Altbauten des weltweit wohl einzigen binationalen Instituts für Wehr- und Sicherheitsforschung, das seit 1959 im Südelsass arbeitet. Mit dem 4400 Quadratmeter Nutzfläche umfassenden und sieben Millionen Euro teuren Neubau ging auch eine spürbare Modernisierung von Ausstattung und technischer Infrastruktur einher.

Eine Wasserstrahlschneidemaschine, die bis zu dreißig Zentimeter dicke Mettallplatten zerteilen kann und das auf einen tausendstel Millimeter genau, gehört etwa zum besonderen Stolz. Eine große Zeitersparnis verspricht aber auch eine neue Fertigungsmaschine, die nach den Worten des deutschen ISL-Chefs Thomas Czirwitzky in zweieinhalb Stunden erledigen kann, wozu bisher zweieinhalb Arbeitstage nötig waren. Insgesamt verbesserten sich mit dem Neubau, dessen Werkhalle allein 3000 Quadratmeter umfasst, und seiner Ausstattung sowohl die Effizienz als auch die Arbeitsbedingungen deutlich. Weitere 1400 Quadratmeter entfallen auf Büros und Technik.

Höchstes Lob für die gemeinsam betriebene Einrichtung und ihre Arbeit brachte Staatssekretär Benedikt Zimmer in Vertretung von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen aus Berlin mit. Schließlich sei das ISL schon deshalb eine Besonderheit, weil es bereits vor dem ersten deutsch-französischen Freundschaftsvertrag eingerichtet worden war. Zusätzlich zum großen Symbolwert des gemeinsamen Neuaufbruchs nach dem Krieg habe das Institut bis heute aber auch einen großen praktischen Nutzen: "Vieles könnten wir uns allein gar nicht mehr leisten." Auch ohne bisher schon an eine gemeinsame europäische Armee zu denken, sei doch eine gemeinsame Ausrüstung wünschenswert, gab sich Zimmer überzeugt: "Wir hoffen, dass wir demnächst in Europa nur noch einen Panzer und noch eine Fregatte haben."

So sieht es auch Thierry Angel, der seinerseits in Saint-Louis höhere Chargen aus Paris vertrat: "Wenn wir das bis zum Ende durchziehen könnten, wäre das historisch", so der Luftwaffengeneral. Gerade in Zeiten, in denen sich der alte Partner USA verstärkt in Richtung Osten engagiere, sei es für die Europäer umso wichtiger, sich auf sich selbst zu besinnen und enger zusammenzuspannen denn je. Institute, die demjenigen in Saint-Louis vergleichbar wären, gäbe es in Frankreich jedoch nur wenige. Dem ISL käme also eine wichtige Schrittmacher-Funktion zu, die die Forschungsaufgaben der Zukunft löse, so Staatssekretär Zimmer.

Fertiggestellt worden war der Neubau in Rekordzeit, war doch der erste Spatenstich erst Ende Januar 2018 erfolgt. Auch um Nachhaltigkeit war man bemüht, weshalb unter anderem im Zuge der bis 2020 anvisierten Neupflanzung von ebenso vielen Bäumen äquivalent zum Alter des Forschungsinstituts auf dem Areal 60 neue Bäumen gepflanzt werden sollen. Zur Feier der Eröffnung präsentierten in der neuen Halle jetzt ISL-Beschäftigte Beispiele ihrer Arbeit. Aus Sicherheitsgründen blieben die Gerätschaften und vor allem die neue Wasserstrahlschneidemaschine jedoch außer Betrieb.