Ein sorgenvoller Blick auf die größte Volkswirtschaft

dpa/bür

Von dpa & Ronny Gert Bürckholdt

Fr, 31. Juli 2020

Ausland

Anders als hierzulande hat sich in den USA die Arbeitslosenquote verdreifacht / Corona-Neuinfektionen bremsen Aufschwung.

Auch in den USA ist die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal wegen der Corona-Pandemie trotz gewaltiger Konjunkturpakete dramatisch eingebrochen. Von April bis Ende Juni schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der weltgrößten Volkswirtschaft aufs Jahr hochgerechnet um 32,9 Prozent, teilte die US-Regierung in einer ersten Schätzung mit. Das war der tiefste Einbruch seit Beginn der Aufzeichnungen. In den USA werden die Wachstumsraten des BIP annualisiert angegeben, das heißt: Die Daten eines Quartals werden auf das ganze Jahr hochgerechnet. Nach der in Europa gebräuchlichen Berichtsweise im Vergleich zum Vorquartal entspräche der Rückgang einem Minus von fast zehn Prozent – also in etwa wie in der Bundesrepublik.

"Wir erwarten, dass es Jahre dauern wird, bis der Schaden wieder ganz behoben wird", schreibt Analyst Andrew Hunter von Capital Economics. Im ersten Vierteljahr war die US-Wirtschaft aufs Jahr hochgerechnet bereits um fünf Prozent geschrumpft. Die Zuspitzung der Pandemie ab Mitte März stürzte die USA dann in eine schwere Wirtschaftskrise.

Zwar kamen in der zweiten Maihälfte und im Juni aus dem auch für deutsche Unternehmen wichtigen Absatzmarkt in Übersee erste Zeichen einer wirtschaftlichen Erholung. Seit Ende Juni nimmt die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus allerdings wieder drastisch zu, was zu neuen Einschränkungen des Wirtschaftslebens geführt hat, und was das Wachstum ausbremsen dürfte.

Auch vom US-Arbeitsmarkt kommen schlechte Nachrichten. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe bleiben auf historisch hohem Niveau. In der Woche bis 25. Juli stellten 1,434 Millionen Menschen einen Neuantrag, so das Arbeitsministerium. Die Neuanträge spiegeln die kurzfristige Entwicklung des Arbeitsmarkts wider. Vor der Pandemie gab es pro Woche selten mehr als 100 000 Anträge auf Hilfe. Die US-Arbeitslosenquote lag im Juni bei 11,1 Prozent – und damit mehr als drei mal so hoch wie vor der Pandemie.

Die anhaltend hohe Zahl der Neuanträge auf Arbeitslosenhilfe ist auch deswegen von Bedeutung, weil eine zusätzlich gezahlte Arbeitslosenhilfe des Bundes in Höhe von 600 Dollar pro Woche aus einem Corona-Hilfspaket diese Woche ausläuft. Millionen Amerikanern steht ein enormer Einkommensverlust bevor. Bislang haben sich die Regierung und die beiden Parteien im Kongress noch nicht auf eine Fortsetzung der Zahlungen einigen können. Weil der Konsum in den USA einen sehr hohen Anteil am BIP hat, würde ein Wegfallen der Hilfe das Wachstum erheblich bremsen. Der US-Kongress hat seit Beginn der Krise Konjunkturpakete von fast drei Billionen Dollar beschlossen. Das entspricht mehr als zehn Prozent der US-Jahreswirtschaftsleistung.

Notenbankchef Jerome Powell sagte: "Der Verlauf der Wirtschaft wird in sehr großem Ausmaß vom Verlauf des Virus abhängen." Ohne Sars-CoV-2 einzudämmen, sei eine vollständige wirtschaftliche Erholung "unwahrscheinlich".