Ein Vergleich, über den sich viele freuen

Rolf Obertreis und dpa

Von Rolf Obertreis & dpa

Mi, 24. November 2021

Wirtschaft

Streit um Telekom-Aktien.

. Fast 20 Jahre lang hatten sich beide Seiten in einem der größten Anlegerprozesse in der Geschichte der Bundesrepublik heftig gestritten bis hoch zum Bundesgerichtshof (BGH). Dann war es am Dienstagvormittag vor dem Frankfurter Oberlandesgericht (OLG) nach nur 35 Minuten vorbei. Das Verfahren steht vor dem Ende. Die Telekom und die Anwälte von mehreren tausend Klägern einigten sich auf einen Vergleich. Er wird den rund 16 000 Geschädigten angeboten, die geklagt haben. Er kompensiert deren Verluste nach dem dritten Telekom-Börsengang 2000 nahezu komplett.

Die Anwälte erwarten, dass nahezu alle 16 000 Geschädigten die Offerte annehmen werden. Bis Mitte 2022 sollen sie ihr Geld erhalten, die ersten wahrscheinlich noch 2021. Der Vergleich dürfte die Telekom Schätzungen zufolge zwischen 80 und 90 Millionen Euro kosten.

Telekom hatte Beteiligung falsch dargestellt

Im Detail erhalten die Kläger, die zwischen 27. Mai 2000 und 19. Dezember 2000 beim dritten Börsengang der Telekom und in den Monaten danach Aktien gekauft haben, den im Jahr 2000 geleisteten Kaufpreis von 66,50 Euro pro Aktie zurück, von dem zwischenzeitlich gezahlte Dividenden und Teilverkäufe abgezogen werden. Auch der heutige Wert der Aktie wird mit 16,50 Euro verrechnet sowie die nachträglich verteilten Bonusaktien des Bundes, weil sämtliche Papiere bei den Käufern bleiben sollen. Aufgeschlagen werden dann noch 70 Prozent der angefallenen Prozesszinsen, die seit Einreichung der Klagen aufgelaufen sind.

Beim dritten Börsengang der Telekom im Juni 2000 waren die Aktien zu 66,50 Euro ausgegeben worden, nachdem der Kurs zuvor schon auf bis zu 103,50 Euro gestiegen war. 2001 und 2002 ging es mit dem Kurs nur noch nach unten – bis auf 7,70 Euro. Aktionäre klagten. Es ging hoch bis zum BGH, der 2014 entschied, dass die Telekom im Prospekt für den dritten Börsengang die Beteiligung an der amerikanischen Tochter Sprint falsch dargestellt und die Risiken nicht ausreichend beschrieben hatte.