Austausch

Beim Krebstag gab es zahlreiche Informationen zu Krankheit und Therapie

Ansgar Taschinski

Von Ansgar Taschinski

So, 19. Mai 2019 um 19:00 Uhr

Lörrach

500.000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich an Krebs. Beim Lörracher Krebstag im Burghof konnten sich die Besucher mit Experten austauschen.

Gelegenheit, sich über Krebs zu informieren und mit Expertinnen und Experten ins Gespräch kommen, bot am Samstag der dritte Lörracher Krebstag des onkologischen Schwerpunkts Lörrach-Rheinfelden (OSP) im Burghof. Es gab zahlreiche Vorträge und Infostände, außerdem konnten die Besucher in überlebensgroßen, begehbaren Modellen auch mehr über die Gebärmutter und den Darm erfahren.Man wolle mit dem Krebstag der Krankheit ein Gesicht geben, so Richard Fischer vom OSP. Jedes Jahr erkrankten 500 000 Menschen in Deutschland an Krebs, die Hälfte sterbe daran. Zugleich seien 40 Prozent aller Tumorerkrankungen vermeidbar, etwa durch Früherkennung und einen gesunden Lebensstil. Auch wenn der Krebstag erst zum dritten Mal stattfinde, so habe er doch bereits eine Tradition in Lörrach, so Landrätin Marion Dammann. 2002 sei der OSP gegründet und bereits 2004 der erste Patiententag organisiert worden. Es sei wichtig, die Krankheit nicht zu tabuisieren, schließlich könne jeder von uns daran erkranken, so Dammann. Der OSP leiste, was man sich auch für das neue Zentralklinikum wünsche – eine Bündelung von Expertise und einen interdisziplinären Austausch. An vielen Ständen konnten sich die Besucher im Foyer rund um das Thema Krebs informieren. Vertreten waren Selbsthilfegruppen, Hospize sowie das Darmkrebs- und das Brustkrebszentrum. Etwas weiter hinten stand, nicht, wie man auf den ersten Blick denken konnte, das neueste Kunstwerk von Jeff Koons –, sondern ein überdimensionales Modell einer Gebärmutter. Eigentlich sei die Gebärmutter gerade einmal so groß wie eine Faust und wiege zwischen 80 und 100 Gramm, so Alexandra Sallmann, Leitende Ärztin im Brustzentrum des St. Elisabethen-Krankenhauses.

Früherkennung verbessert die Heilungschancen

Sie betonte die Bedeutung der Früherkennung durch Abstriche am Muttermund. Dabei erklärte sie die zahlreichen Veränderungen, die an diesem Organ vorkommen können, von gutartigen wie Muskelknoten oder Polypen bis hin zum Gebärmutterkrebs. Davor konnte man den Dickdarm in einem begehbaren Modell näher kennen lernen. Gastroenterologe Holger Weiß versuchte, Ängste vor einer Darmspiegelung zu nehmen. Jeder 15. bis 16. bekomme im Laufe seines Lebens Darmkrebs, erklärte er. Seien enge Familienverwandte bereits an Darmkrebs erkrankt, sei das Risiko zwei bis dreimal so hoch. Zugleich liege die Heilungsrate, wenn der Krebs früh entdeckt werde, bei 90 bis 95 Prozent. "Es lohnt sich immer, nachzuschauen", so Weiß. Für Männer empfehle sich die Vorsorgeuntersuchung ab 50 Jahren, bei Frauen ab 55 Jahren. Die Darmspiegelung sei dabei nach wie vor der Goldstandard, da sie nicht nur diagnostiziere, sondern gegebenenfalls auch gleich therapieren könne. Dies sei mittlerweile ein unkomplizierter und schmerzfreier Eingriff. So erhielten die Patienten ein gut verträgliches Narkosemittel, das nicht allzu lange nachwirke. Einzig mit dem Auto dürfe man nicht nach Hause fahren. Auch die Risiken der Darmspiegelung seien äußerst gering. Der anstrengendste Teil für die Patienten sei die Einnahme der Spülungslösung. Im Obergeschoss gab es den ganzen Tag über zudem zahlreiche Vorträge über die unterschiedlichen Krebsarten und Vorsorgemöglichkeiten.