Eisenbahner Musikverein auf großer Reise rund um die Welt

Norbert Sedlak

Von Norbert Sedlak

Mo, 27. Mai 2019

Weil am Rhein

Dirigent Michael Glünkin feiert mit einem abwechslungsreichen Programm gelungenen Einstand / Mandolinenorchester setzt dem Konzert ein Glanzlicht auf.

WEIL AM RHEIN (nos). Der Eisenbahner Musikverein (EMV) hat bei seinem Frühjahrskonzert mit einem abwechslungsreichen Programm eindrucksvoll sein Können unter Beweis gestellt. Zu dem rundum gelungenen Abend trug auch die Mandolinengesellschaft Weil bei. Unter dem Motto "Mit den Eisenbahnern rund um die Welt" begeisterten die Musiker beider Vereine mit sorgfältig ausgewählten Stücken sowie mit einer sichtlichen Spielfreude am Samstagabend die Gäste im vollbesetzten katholischen Gemeindehaus St. Peter und Paul. "Lehnen sie sich zurück und genießen die musikalische Weltreise" empfahl Vorsitzender Nösel dem Publikum.

Charmant und fachkundig führte Stefanie Thoma durch das Programm und machte die einzelnen Stücke dem Publikum durch sorgfältig recherchiertes Hintergrundwissen schmackhaft. Umrahmt von bunten Blumen entfaltete sich unter Stabführung von Michael Glünkin, der erstmals die Eisenbahner bei dem Frühlingskonzert dirigierte, ein farbenprächtiges Klangerlebnis. Die Reise durch verschiedene Kontinente mit Zwischenhalt in der Schweiz, USA, Brasilien und Schottland startete in der Heimat mit der Marschpolka "Schwarzwaldmusikanten". Weiter ging die Reise nach St. Moritz, wo der niederländische Komponist Jacob de Haan mit seinem lyrischen Stück "Yellow Mountains" die aufgehende Sonne und die kräftig leuchtenden Farben der umliegenden Berggipfel der Rhätischen Alpen trefflich beschrieb. Im "Polar-Express" düste das Blasorchester unter Reiseleiter Glünkin zum Nordpol, und überzeugte mit trefflichem Zusammenspiel der einzelnen Register bei der phantastischen Filmmusik von Alan Silvestri und Glen Ballard. Nicht nur in Europa auch in den USA ist die Polka populär und hat viele Freunde. Bereits 1942 wurde der Titel "Pennsylvania Polka" von Lester Lee veröffentlicht und wurde seitdem in vielen Interpretationen veröffentlicht.

Den beschwingt-feurigen Abschluss des ersten Teils bildete die Samba "Brasil" des Komponisten Ary Barroso. Die versprochenen Sambatänzerinnen sollten mit dem berühmten Karneval von Rio das Katholische Gemeindehaus verzaubern, doch leider waren sie verhindert, bedauerte Dirigent Glünkin. Nach den Ehrungen ging die Reise nach Schottland. Bei der Ballade "Scottish Souvenir" intonierten die Musiker gekonnt die mystischen Klänge und die beiden Solisten Jochen Anders am Tenorhorn und Alexander Schwarzbauer mit dem Bariton glänzten mit perfektem Spiel. Mit "What a Wonderful World" des unsterblichen Louis Armstrong wollte das Orchester einen würdigen Schlusspunkt setzen, aber das Publikum erklatschte sich noch eine Zugabe.

Im zweiten Teil des Abends setzte die Mandolinengesellschaft Weil am Rhein unter Leitung von Santiago Perdomo die Weltreise mit Liedern aus Kanada, Südamerika, Russland, Frankreich, Schottland und Irland fort. Mit großer Spielfreude demonstrierten sie ihr Können und begeisterten die Anwesenden mit ihrem facettenreichen Auftritt. Das Orchester musizierte sich in die Herzen der Zuhörer und Tenor Gérard Perrotin machte es mit seiner kraftvollen Stimme zu einem perfekten Hörerlebnis.

Mit Santiago Perdomo, einem 32-jährige Kolumbianer hat die Mandolinengesellschaft vor einem halben Jahr einen Dirigenten gewonnen, der die Musik lebt und den Spielern sein musikalisches Verständnis übermittelt. Schon sein leidenschaftliches Dirigat inspiriert und spornt die Zupfmusiker an. Beim Publikum ruft er mit seinen beschwingten Gesten und Bewegungen große Begeisterung hervor.

Meisterhaft brachten sie Stücke wie "Aux Arénes", "Whiskey in the Jar", "Kalinka" oder "Viva la Vida" zu ergreifenden Klangerlebnissen. Gérard Perrotin intonierte "Hallelujah" von Leonard Cohen sowie das "Wolgalied" so ergreifend, dass ihm und den Zupfmusikern, die ihn mit beweglichem, präzisem Spiel begleiteten, Bravorufe entgegenbrandeten. Das Publikum war hingerissen und wollte nicht aufhören mit dem Applaus. Als Zugabe stimmte das Orchester "El Condor Pasa" an und der Tenorsänger pfiff die Melodie dazu, es gab aber keine Ruhe im Saal und mit "Devil´s Dreams" ging es noch mal in die Verlängerung.