Fasnachtsbrauch

Beim Elzacher Bengelreiten kämpfen 14 junge Frauen um einen Mann

Bernd Fackler

Von Bernd Fackler

Mo, 17. Februar 2020 um 18:43 Uhr

Elzach

Der Sonntag Dieser eigenartige Fasnachtsbrauch findet nur alle sieben Jahre statt: Das Bengelreiten in Elzach. 14 junge Frauen kämpfen um einen Mann. Es wird ein sehr anstrengender Tag für den Auserwählten.

Bengelreiten – was soll denn das sein? Auch mancher (auswärtige) Kenner der Elzacher Fasnet ist da manchmal überfragt. Es ist ein eigenartiger Brauch, am Fasnachtsmontagnachmittag und er findet nur alle sieben Jahre statt: 14 junge Frauen kämpfen um einen Mann – so kann man es mit einem Satz beschreiben.

Bevor nun jemand voreilig neidisch wird: Es wird ein sehr anstrengender Tag für den Auserwählten. Dieser ist derjenige Elzacher, der zuletzt vor der Fasnet geheiratet hat – sofern er einverstanden ist, wird ihm vom Narrenrat die hohe Ehre als Bengelreiter angetragen.

Mit Frack und Zylinder

Am Fasnetmontag wird er, feierlich gewandet mit Frack und Zylinder, mit großem Gefolge zu Hause abgeholt und vor dem Haus mit viel Hallo auf sein schwankendes "Transportmittel" gehievt: Eine schmale Sitzgelegenheit, eine Art Reitersitz zwischen zwei Bengeln und getragen von vier kräftigen Männern. Stadtmusik, Schuttig, Narrenrat und viele Neugierige harren erwartungsfroh dem kommenden Gang der Dinge – und natürlich die, neben dem Bengelreiter selbst, Hauptpersonen dieses Nachmittags: Sieben unverheiratete Frauen werden versuchen, den Bengelreiter mit ihren glatten Holzschwertern vom Sitz zu stoßen, sieben verheiratete Frauen, ausgestattet mit gezackten Holzschwertern, wollen genau dies verhindern.

Heftige Kämpfe sind garantiert. Der Bengelreiter, muss auf gut geschlossene Abwehrreihen (Vierer-Dreier-Kette?) und die Standfestigkeit seiner vier Träger vertrauen – ansonsten ist er, gut gepolstert zwar, gegen Schwertstöße und möglichen Sturz relativ machtlos dem titanischen Kampf der Amazonen ausgeliefert.

"Tri-tra-trallala – fall’ nit über den Bengel ra!"
Los geht’s um 15 Uhr am Georg-Rapp-Brunnen vor der Volksbank in Elzach. Eröffnet und mit jeweiligen kurzen Kampfpausen dazwischen immer mal wieder unterbrochen wird die lustig-heftige Schlacht durch die Trillerpfeife des Zunftmeisters. So geht’s – voran mit Bänderkranz und einem Festbogen samt badischem und (vorder-)österreichsichen Wappen – und dem Spruch "Tri-tra-trallala – fall’ nit über den Bengel ra!" durch’s ganze Städtle bis zum Wendelinusbrunnen in der Vorstadt.

Sitzt der Bengelreiter dann immer noch oben, darf er triumphieren, denn traditionell wird auf dem Rückweg nicht mehr gekämpft. Haben die Angreiferinnen aber es geschafft, ihn von seinem Sitz zu stoßen, dann ist dies so ähnlich wie das entscheidende Tor im Champions-League-Finale: Der Bengelreiter muss zum Abschluss ein Bad nehmen im extra zuvor gut aufgefüllten Nikolausbrunnen von 1620.

Nur ein Erfolg für die Damen seit Kriegsende – und davor?

Nur ganz wenigen Bengelreitern war dieses "Untertauchen" nach heißem Kampf im kaltem Februar bisher "vergönnt" – nach dem Zweiten Weltkrieg bisher nur einem Einzigen.

Wie’s davor war? Dazu sagen die Zunftakten nichts aus. Aktenkundig ist jedenfalls, dass das Bengelreiten anno 1834 und dann auch noch 1841 stattgefunden hat. Es ist wohl ein Brauch der Handwerker gewesen, die in Elzach seit eh und je zahlreich vertreten waren – etwas Ähnliches an Fasnet ist heute das Bräuteln in Sigmaringen, das allerdings jedes Jahr stattfindet.

Nach 1841 ist in Elzach vom Bengelreiten nicht mehr die Rede, womöglich ist es mit den um 1860 allgemein aufgelösten Handwerkerzünften verschwunden. Ein alter Elzacher, der es im 19. Jahrhundert noch selbst miterlebt hatte, erzählte aber davon – sein Freund, der "Glasermichel", ein Glasermeister, hatte als Bengelreiter eine gläserne Krone getragen und diese sogar heil heimgebracht. 1936 nahm die Narrenzunft das Bengelreiten wieder auf, doch schnell kam die nächste Unterbrechung durch den Zweiten Weltkrieg. Seit 1950 findet es wieder regelmäßig statt, das heißt, alle sieben Jahre am "Fasnetmändigs".
Bengelreiten am Fasnachtsmontag, 24. Februar, ab 15 Uhr. Start ist am Georg-Rapp-Brunnen in Elzach(vor der Volksbank), von dort geht es durch’s Städtle bis zum Wendelinusbrunnen und zurück bis an den Nikolausbrunnen.