Personalmangel

Das Emmendinger Freibad verkürzt die Öffnungszeiten mitten im Sommer

Gerhard Walser

Von Gerhard Walser

Di, 25. Juni 2019 um 10:35 Uhr

Emmendingen

Die Temperaturen steigen – aber manche Schwimmbäder müssen ihre Öffnungszeiten verkürzen, weil Personal fehlt. In Emmendingen trifft das jetzt vor allem die Früh- und Spätschwimmer.

Die Sahara-Luft ist im Anmarsch, Abkühlung tut Not. Doch ausgerechnet zum Beginn der ersten sommerlichen Hitzeperiode reduziert das Emmendinger Freibad seine Öffnungszeiten drastisch. Als Grund wird akuter Personalmangel genannt. Besonders betroffen sind Früh- und Spätschwimmer.
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Wer sich auf einen kühlenden Einstieg in den Urlaubs- oder Arbeitstag gefreut hatte oder nach Feierabend wie gewohnt seine Bahnen ziehen wollte, wird enttäuscht sein. Die Tore öffnen im Juli erst um 10 Uhr statt um 8 Uhr und schließen bereits um 19 Uhr – eine Stunde früher als gewohnt. Ausnahmen bilden nach Auskunft der Stadtwerke die Samstage, an denen bereits um 9.30 Uhr geöffnet wird, damit die Aquafitness-Kurse wie geplant stattfinden können. Die Regelung soll vom 1. bis 26. Juli gelten, kündigen die Stadtwerke als Betreiber des Freibads ab.

"Die Sicherheit beim Freibadbetrieb geht vor." Björn Michel
Verkürzte Öffnungszeiten aufgrund von Personalmangel – eine Erfahrung, von der Emmendinger Wasserratten und Sonnenhungrigen bislang anders als Besucher anderer Bäder in der Region noch verschont geblieben waren. Die Entscheidung sei den Stadtwerken "gerade jetzt bei bestem Sommerwetter nicht leicht gefallen", heißt es in einer am Montag verbreiteten Mitteilung des Unternehmens.
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Der Grund: eine unbesetzte Stelle "Fachkraft für Bäderbetriebe", eine langfristig erkrankte Fachkraft, fehlende und verletzte Rettungsschwimmer. "Wir bitten die Badegäste um Verständnis", wird Björn Michel, kaufmännischer Leiter der Stadtwerke und zuständig für den Bäderbetrieb, zitiert. "Doch die Sicherheit beim Freibadbetrieb geht vor – sowohl für die Badegäste als auch für das verbliebene Personal, das bereits seit Wochen an der Belastungsgrenze arbeitet", heißt es weiter.

Michel: "Der Markt ist wie leergefegt"

Erwartungsgemäß würden die verkürzten Öffnungszeiten nicht für Begeisterung sorgen. "Aber wir haben keine Wahl", sagt Michel. Liebend gern würde man Ersatzpersonal einstellen, doch es sei niemand zu finden. Seit Jahren sei die Nachfrage nach Schwimmmeistern oder Fachkräften für Bäderbetriebe viel größer als das Angebot. Ganzjährig sind die Stadtwerke inzwischen auf der Suche nach geeignetem Personal. Man biete eine sehr gute Bezahlung, flexible Arbeitszeitlösungen und suche auf allen verfügbaren Kanälen. "Doch der Markt ist leergefegt", erklärt Michel.

Ab 27. Juli werden Rettungsschwimmer den Personalengpass im Emmendinger Freibad zunächst ausgleichen können. Dann ist wieder wie gewohnt täglich von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Gesucht wird von den Emmendinger Stadtwerken weiterhin eine Fachkraft für Bäderbetriebe (m/w/d) und ein Schwimmmeister (m/w/d) ab 2020.

Nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Schwimmmeister fehlen aktuell mindestens 2500 ausgebildete Schwimmmeister in den deutschlandweit etwa 6000 Bädern von Kommunen und Privatbetreibern. Manche Bäder mussten den Betrieb wegen Fachkräftemangels nicht nur zeitweise einschränken, sondern sogar komplett einstellen. Als Ursache für das mangelnde Interesse an der dreijährigen Ausbildung werden zum einen die Bevölkerungsentwicklung, zum anderen schlechte Bezahlung und unattraktive Arbeitszeiten genannt.

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