Der "Don Bosco" von Baden

Hans-Jürgen Günther

Von Hans-Jürgen Günther

Fr, 04. September 2015

Emmendingen

Vor 150 Jahren starb Johann Baptist von Hirscher, Theologe, Kunstsammler und Stifter des Herlin-Altars in der Pfarrkirche St. Bonifatius Emmendingen.

EMMENDINGEN. Vor mehr als zwei Jahrhunderten und noch lange Zeit danach leisteten Bauernfamilien Schwerstarbeit. Eine Entlastung durch Maschinen oder einen "Ernteerfolg" durch den Einsatz von Kunstdünger gab es noch nicht. In eine solche Welt wurde Johann Baptist Hirscher am 20. Januar 1788 im oberschwäbischen Bodnegg hineingeboren. Der Theologe, Kunstsammler und Stifter des Herlin-Altars in der katholischen Pfarrkirche St. Bonifatius Emmendingen, starb vor 150 Jahren.

Obwohl der Bauernbub körperlich eher schwächlich war, wurde er wie seine fünf Geschwister zur Hofarbeit herangezogen. Dem kleinen Johann Baptist konnte damals die Not der "Schwabenkinder" nicht entgangen sein, die auf vielen Höfen seiner Heimatregion anzutreffen waren. Im benachbarten Ravensburg hielt man regelrechte Kindermärkte ab, noch bis 1915. Jeweils an "Josephi" (19. März) wurden dort 5- bis 14-jährige Bauernkinder vor allem aus Tirol und Vorarlberg "vermarktet". Als kostengünstige Mitarbeiter waren diese Jungen und Mädchen bis "Martini" (11. November), also fast ein Dreivierteljahr, schutzlos fast jedweder Ausbeutung durch die Hofbesitzer preisgegeben. Solche Beobachtungen werden bei dem sensiblen Knaben Eindrücke hinterlassen haben.

Das Studium
Hirscher besuchte zunächst die heimatliche Volksschule. Hier fiel dem Ortspfarrer die überdurchschnittliche Begabung des Jungen auf. Er erteilte ihm den ersten Lateinunterricht, sodass der Junge an Klosterschule der Prämonstratenserabtei Weissenau (bei Ravensburg) und später am Konstanzer Lyzeum seine Gymnasialzeit absolvieren konnte. In Konstanz lernte Hirscher den Generalvikar Ignaz Heinrich Freiherr von Wessenberg (1774-1860) kennen und wertschätzen. Diesen hatten die Strömungen der Aufklärungszeit zum kircheninternen Reformer werden lassen. Am Herzen lag Wessenberg unter anderem eine Liturgiereform, welche die Gläubigen mehr mit einbezog. Freiburg war Hirschers nächster Studienort. Hier waren seine Lehrer der Exeget Leonhard Hug sowie der fortschrittlich denkende Moraltheologe Ferdinand Geminian Wanker, ein priesterliches Vorbild für den jungen Studenten.

Die Lehrtätigkeit
Nach der Priesterweihe des erst 22-Jährigen und einer Vikariatszeit war Hirscher ab 1812 für ein Jahrfünft Dozent am Ellwanger Priesterseminar. Als 1817 in Tübingen die Theologische ...

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