Mahnwache

Emmendinger setzen Zeichen gegen Terror und Naziparolen

Patrik Müller

Von Patrik Müller

Mi, 26. Februar 2020 um 09:05 Uhr

Emmendingen

Mehr als 300 Bürger haben sich an der Mahnwache der Stadt Emmendingen beteiligt. Hintergrund waren die Morde in Hanau, aber auch die Schmierereien an der Emmendinger Moschee.

Ein kalter Wind weht über den Emmendinger Marktplatz, viele Menschen vergraben die Hände in den Taschen. Einige nicht. Sie halten Transparente in die Luft: "Für Vielfalt und Zusammenhalt", steht in bunten Buchstaben auf einem Karton, "Rechte Hetze tötet" auf einem anderen. Auf dem Pflaster stehen sechs Kerzen. "Es wird höchste Zeit, gemeinsam aufzustehen gegen Spalter und Hetzer", spricht Oberbürgermeister Stefan Schlatterer ins Mikrofon.

Er hat am Montagvormittag zu dieser Mahnwache eingeladen, 24 Stunden später hatten sich knapp zehn Redner gemeldet. Darunter ist auch eine Bürgerin, die für sich selbst sprechen will, nicht für eine Partei, nicht für einen Verband. Ursula Kodjoe redet kurz vor dem Ende der 40-minütigen Mahnwache. "Wir brauchen einen inneren Klimawandel im Umgang miteinander", sagt sie. "Diskriminierung beginnt mit abschätzigen Blicken. Beobachten Sie das einmal."

Der erste Redner nach Schlatterer ist Ömer Yanik, Sprecher des türkisch-islamischen Kulturvereines. Es sei traurig, sagt er, dass der Verein solch eine hässliche Tat über sich habe ergehen lassen müssen. Emmendingen sei eine Vorzeigestadt, was das Miteinander der Religionen und Kulturen angehe. "Ein Dank an die Bürger, die uns nie im Stich gelassen haben", schließt er.

Rednerin: Im kleinen Emmendingen Gesicht zeigen

Oberbürgermeister Schlatterer geht auf die Bedrohung durch rechten Terror ein. "Man stelle sich vor, dass vor katholischen oder evangelischen Kirchen Polizeipräsenz notwendig wäre", sagt er. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Weiß zitiert das Grundgesetz, spricht über die Würde des Menschen und sagt, dass es schlimm sei, wenn Menschen diese Würde aufteilen wollten. Die SPD-Landtagsabgeordnete Sabine Wölfle lobt die Mahnwachenteilnehmer: "Sie zeigen Ihr Gesicht, Sie zeigen Ihre Haltung."

Rüdiger Tonojan spricht für den Kreisverband der Grünen: "Wer jetzt sagt, wehret den Anfängen, der hat nicht begriffen, dass es dafür schon zu spät ist." Margarete Hansen vom FDP-Kreisverband erzählt, wie sie jemand gefragt habe, warum sie eigentlich zu dieser Mahnwache gehe. "Wenn wir im kleinen Emmendingen nicht anfangen, Gesicht zu zeigen – wo sollen wir es sonst machen?"

Die Mahnwache endet mit Schweigen

Meinhardt Schamotzki, Sprecher der Liga der Freien Wohlfahrtspflege, greift ein Wowereit-Zitat auf."Wir sind bunt und unterschiedlich und das ist gut so", sagt er. Konrad Meicher von der Kolpingsfamilie in Emmendingen betont, wie wichtig es sei, rechten Tendenzen offen und klar entgegenzutreten.

Jana Bührer, Schulleiterin in Mundingen, zitiert den Brecht-Text "Anmut sparet nicht noch Mühe" mit der Textzeile "Und nicht über und nicht unter andern Völker woll’n wir sein." Carmen Gökdemir singt, begleitet von ihrem Mann Attila an der Gitarre, den eigenen Song "Sagt es laut, sagt es ehrlich" und schließlich noch das Simon and Garfunkel-Stück "Sound of Silence" an. Das passt: Die Mahnwache auf dem Marktplatz endet mit einer Schweigeminute.

Am Montag äußern sich auch die jüdische Gemeinde, der Verein für jüdische Geschichte, der Freundeskreis Asyl und der Verein Movement sowie einige Bürger per Mitteilung an die BZ. Die Schmierereien an der Moschee und anderen Orten, heißt es darin, "beleidigen und bedrohen uns alle."