Circolo

Engagement, Können, Überzeugung, Freude: das Circolo-Orchester Interview mit Dirigent Martin Glönkler

So, 20. Oktober 2019 um 11:33 Uhr

Anzeige Martin Glönkler leitet seit 2005 das Circolo-Orchester und arbeitet als Pianist, Keyboarder, Sänger, Arrangeur und Komponist. Hier erklärt er, was live gespielte Zirkusmusik ausmacht.

Sie leiten seit 15 Jahren das Circolo-Orchester. Woher holen Sie sich Ideen für Ihre Arrangements zur Begleitung der Artisten und Artistinnen?

Martin Glönkler: Die Ideen kommen von den Artisten und Artistinnen selbst oder vom Orchester. Ca. zwei Drittel der Künstler und Künstlerinnen bringt die Musik selber mit. Diese arrangiere ich dann für unsere Besetzung. Für die anderen überlegen wir, welche Musik ihren Auftritt am besten begleitet.

Worin besteht die besondere Herausforderung eines Zirkusorchesters? Gibt es ein "Geheimrezept" für die Mixtur?

MG: Die Musik sollte die besondere und klassische Atmosphäre eines Zirkus unterstützen. Deshalb haben wir eine klassische Zirkusband mit Schlagzeug, Bass; Trompete, Saxophon und Keyboard. Das "Geheimrezept" sind unsere Musiker, die mit großem Engagement, Können, Überzeugung und Freude bei der Sache sind.

Welche Rolle spielen Rhythmus und Tempo?

MG: Bei manchen Auftritten benötigt es eine sekundengenaue Abstimmung zwischen der Darbietung der Artisten und Artistinnen und der Musik. Da spielen Rhythmus, Tempo und Timing eine große Rolle. Wir müssen immer mit einem Auge bei den Künstlern und Künstlerinnen in der Manege sein. Bei manchen Darbietungen läuft die Musik eher im Hintergrund ab.

Wann "steht" das Programm, sodass Sie sich mit dem Ablauf beschäftigen können?

MG: Obwohl die Künstler und Künstlerinnen schon früh bekannt sind, bringen sie ihre Musikwünsche immer sehr kurzfristig nach Freiburg mit, sodass das Programm für die Zirkusband zum Großteil tatsächlich erst in den drei Tagen vor der Premiere entsteht – in intensiven Proben und der einen oder anderen Nachtschicht.

Sicher müssen Sie hin und wieder improvisieren?

MG: Ja, klar: Wenn z.B. ein Trick mehrere Male nicht funktioniert und die Band dann länger als geplant spielen muss. Wenn ein Umbau nicht so schnell klappt wie vorgesehen, wenn die Technik streikt… Ich lasse mir dann eine Zwischenmelodie o.ä. zur Überbrückung einfallen. Da ich 20 Jahre lang Improvisationstheater gemacht habe, sind solche Situationen kein Problem für mich bzw. für die Band. Das Publikum darf ruhig merken, dass alles live ist…