Klassik

Eröffnungskonzert: In Freiburg findet das Bläserfestival "Spektrum" der Musikhochschule statt

Christine Adam

Von Christine Adam

Do, 14. Februar 2019 um 20:05 Uhr

Klassik

Große Bandbreite an Repertoire und Besetzungen, viele Spieltechniken: Beim Freiburger Bläserfestival "Spektrum" kann man das erleben. Die Hochschule will sich der Stadt öffnen.

Ein würdiger Beginn: Mit Pauken und Trompeten wurde das zweite Bläserfestival der Freiburger Musikhochschule eröffnet. Posaunen, Hörner und Tuba komplettierten in Franz Schmidts Königsfanfare die majestätische Truppe: Wiener Spätromantik, vom studentischen Ensemble mit angemessen warmem, weichem Klang präsentiert. Die kriegerische Vergangenheit dieser Instrumente war da weit entfernt. Agnes Dorwarth, Professorin für Blockflöte, erinnerte bei der Begrüßung im Konzertsaal an Militärmusik des 16. und 17. Jahrhunderts, als Blechbläser und Paukisten hohe Dienstgrade bekleideten.

"Spektrum", der Titel des Festivals, ist Programm: Die Konzerte bieten eine große Bandbreite an Repertoire und Besetzungen, zeigen vielfältige Spieltechniken. Da wurde sogar ein Flügel ohne eigenen Spieler zum Klingen gebracht. Hornist Filippo Cainero schob den Klavierhocker aufs Haltepedal, ehe bei "Appel Interstellaire" von Olivier Messiaen das mit geöffnetem Deckel neben dem Solisten platzierte Tasteninstrument zum kosmischen Klangraum avancierte. Vom Hornsignal, dessen Schall die Saiten des Flügels ins Schwingen brachte, bis zur Klangrede: Cainero interpretierte das technisch anspruchsvolle Werk souverän.

"Das Konzerterleben soll im Vordergrund stehen", betonte Kilian Herold, der Organisator des Festivals, im BZ-Gespräch. Von ihm, dem Klarinettenprofessor, war die Initiative ausgegangen. "Die Kollegen haben gesagt: ‚Finden wir super, machen wir mit‘", berichtet er. 2017 fand das Festival erstmals statt. Studierende und Professoren treten gemeinsam auf. Herold unterstreicht: "Wir wollen uns als Lehrende selbst mit einbringen." Wie sein Kollege Diego Chenna es tat, der mit Studenten ein von ihm arrangiertes Madrigal Claudio Monteverdis ("Ch’io t’ami") aufführte: empfindsamer Gesang und sublime Linienführung des Fagott-Oktetts. Man meint, beim Hören den italienischen Text oder zumindest die Farben der Vokale mit zu vernehmen.

Minimal Music dominierte dann die zweite Programmhälfte des Eröffnungskonzerts. Hakon Stene führte mit Studierenden "Mallet Quartet" von 2009 des Amerikaners Steve Reich auf. Tonwiederholungen erinnern an Fernöstliches, die Vibraphone sind auch mit Melodischem betraut. Die Marimbas waren hinten, die kürzeren Vibraphone quer dazu vorn positioniert. Nicht nur bei diesem "Schlägel-Quartett" wurde die Aufführung auch zu einem visuellen Ereignis. Mit Fagotten und Klarinetten besetzte Gruppen standen bei Terry Rileys "In C" auf und vor der Bühne des Konzertsaals, in welchem das Crescendo der Perkussionisten zuweilen fast eine Klangdecke über die Holzbläser breitete.

"Windmaschine" von Johannes Schöllhorn wurde 1987 uraufgeführt. Schöllhorn studierte einst an der Freiburger Musikhochschule, wo er jetzt Komposition lehrt. Bei dem Stück für vier Sopranblockflöten erinnert "Sackpfeife" an Dampflokomotiven, "Mundharmonika" traut dem Instrument keine intellektuellen Höhenflüge zu. Musik mit Augenzwinkern. Die Hochschule will sich mit "Spektrum" erklärtermaßen der Stadt öffnen – das Festival kommt daher auch in die Stadtteile.

Bläserfestival: Festkonzert, Sa, 16. Feb., 19 Uhr, Oratorium des Klosters St. Lioba, FR-Günterstal. Windmaschine II, So, 17. Feb., 18 Uhr, Glashaus, FR-Rieselfeld.