Erstaunliche Präzisionsarbeit

Alfred Rogoll

Von Alfred Rogoll

Sa, 13. April 2019

Rock & Pop

The Analogues spielen das "Weiße Album" der Beatles.

Geht das? Die Musik der Beatles-Musik 1:1, exakt nachgespielt? Genau das ist der Ansatz der Analogues, die jetzt im Freiburger Konzerthaus das komplette "Weiße Album" der Beatles spielten.

Was den Zuhörern – das Parkett war gut gefüllt, die Emporen geschlossen – dann in mehr als zwei Stunden geboten wird, ist erstaunliche Präzisionsarbeit. Die niederländische Truppe bewegt sich in hohem Grade nah am Originalklang der Doppel-LP von 1968 – mit großem Aufwand, 15 Akteure inklusive Bläsern und Streichern. Rocksongs wie "Back In The USSR" oder das folknahe "Dear Prudence" gelingen recht gut, abgesehen vom Gesang. Der klingt, allen Bemühungen zum Trotz, selten wie das Original.

Ein paar wenige Freiheiten nimmt sich Band bei den Arrangements. "Happiness Is A Warm Gun" landet instrumental etwas weiter weg vom 68er Albumklang. John Lennons Collage "Revolution No 9" wird in der Präsentation vereinfacht und mit einem wildbebilderten Film illustriert, in dem die Köpfe der Holländer auftauchen – merkwürdig, wie auch das blutleere Video zu "Dear Prudence".

Den stärksten Applaus erntet die Rockballade "While My Guitar Gently Wheeps", auch wenn der strahlende Charme des Originals trotz hart erarbeiteter instrumentaler Ähnlichkeit etwas vermisst wurde. "Good Night" – hier mit starker technischer Unterstützung – markiert das Ende des Weißen Albums und des Auftritts. Den stehenden Ovationen des Publikums folgen flugs als Zugabe das rockende "Hey, Bulldog", das psychedelische "I Am The Walrus", die Ballade "Penny Lane" und ein Abbey-Road-Medley als beeindruckender Abschluss.

Beatles-Tribute-Bands gibt es in Hülle und Fülle. Selten aber sind sie musikalisch so präzise auf Ähnlichkeit getrimmt wie The Analogues. Was kurzzeitig und im Detail erstaunlich wirkt. Aber etwas mehr Interpretationsspielraum wäre wohl doch interessanter, spannender. So ist die Präsentation mit zunehmender Dauer etwas statisch. Manche Musikliebhaber haben Vorbehalte gegen solche Bands. Da die Originale aber bis heute populär sind, dürfte sich der Trend fortsetzen. Ein Publikum für nachgespielte Pop-Klassiker gibt es. The Analogues präsentieren sich dabei als weiteres, hörenswertes Kapitel.