"Masern werden unterschätzt"

Das Gespräch führte

Von Das Gespräch führte

So, 24. März 2019

Freiburg

Der Sonntag Beim Gesundheitsamt in Freiburg sind die ersten Fälle von Masern gemeldet worden.

Bis vergangene Woche gab es beim Gesundheitsamt Freiburg, das für die Stadt und den Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald zuständig ist, keine gemeldete Masernfälle für 2019 – dann gleich drei – in Münstertal und Freiburg. Die stellvertretende Leiterin des Fachbereichs Gesundheitsschutz, Sigrid Maaßen, erklärt, was nötig ist, um sich nicht anzustecken.

Der Sonntag: Frau Maaßen, haben sich die drei Fälle gegenseitig angesteckt oder warum brechen die Masern jetzt so geballt aus?

Bei allen drei Fällen kennen wir die Infektionsquelle nicht. Es gibt keine Gemeinsamkeiten. Vielleicht haben sie sich in den Fasnachtsferien im Urlaub angesteckt. Wir haben Masernmeldungen aus den Skigebieten in Österreich und Frankreich. Da es ungeimpfte Kontaktpersonen gibt, rechnen wir mit Folgeerkrankungen.

Der Sonntag: Wie haben Sie das ermittelt?

Wenn uns ein Fall gemeldet wird, interviewen wir sofort die Patienten und deren Angehörige. Ob jemand einkaufen war, wollen wir nicht wissen, sondern wer sind Kontakte im engeren Umfeld, also Eltern, Geschwister, Freunde. Das lassen wir uns lückenlos dokumentieren. Masern sind hochansteckend. Wir fragen nach, bis wann ein Kind mit Masern noch zur Schule gegangen ist, und überprüfen, ob die Geschwister geimpft sind. Falls nicht, dürfen die auch keine Gemeinschaftseinrichtung wie Schule oder Kita mehr besuchen. Das ist gesetzlich verboten. Auch Mitschüler, die nicht geimpft oder aufgrund einer durchgemachten Masernerkrankung immun sind, schließen wir zeitweilig vom Schulbesuch aus.

Der Sonntag: Wie merke ich, dass ich die Masern habe?

Masern sind schon ansteckend, wenn ich noch gar nicht weiß, dass ich sie habe. Wenn ich mich anstecke, dauert es etwas, bis ich erste Anzeichen wie Fieber, Husten oder Schnupfen merke. Da denken viele erst an Grippe. Dann kommt aber der Hautausschlag mit roten Punkten, der hinter den Ohren anfängt und sich über den ganzen Körper ausbreitet. Patienten sind da schon fünf Tage ansteckend, haben sich bewegt und andere angesteckt. Deshalb ermitteln wir auch Kontaktpersonen, um sie auf die Symptome hinzuweisen und darauf, wie sie sich verhalten müssen, wenn die Krankheit ausbricht.

Der Sonntag: Wie denn?

Nirgends mehr hingehen, auch nicht zum Arzt, sondern dort anrufen und sagen, dass man die Masern hat, um eine weitere Übertragung zu verhindern.

Der Sonntag: Wie könnte die Verbreitung noch aufgehalten werden?

Möglichst viele versäumte Impfungen nachholen. Wenn ich nicht geimpft bin oder die Masern schon hatte, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich anstecke, bei über 95 Prozent. Und Masern werden unterschätzt. Menschen können zusätzlich Lungen-, Ohr- oder Hirnhautentzündung bekommen und im schlimmsten Fall daran sterben.

Der Sonntag: Sind Masern denn keine Standard-Impfung so wie Tetanus?

Doch, seit 1974 wird in Deutschland empfohlen, sich gegen Masern zu impfen. Seit 1991 wird die zweimalige Impfung empfohlen und seit 2001 empfehlen wir, dass die mit Ende des zweiten Lebensjahrs geschehen sein soll. Trotzdem gibt es noch Leute, die nicht geimpft sind, weil sich die Eltern bewusst dagegen entscheiden oder weil sie nicht wissen, dass ihnen die Impfung fehlt. Auch Säuglinge dürfen frühestens mit neun Monaten gegen Masern geimpft werden. Um die zu schützen, sollte sich das Umfeld impfen lassen.

Der Sonntag: Und wer sollte jetzt vorsichtshalber einen Blick in sein Impfbuch werfen?

Alle unter 50-Jährigen. Finden sie zwei dokumentierte Impfungen, können sie von einem Schutz ausgehen. Wer keine oder nur eine Impfung hat oder nicht weiß, ob er geimpft ist, sollte schleunigst beim Arzt die versäumte Impfung nachholen. Zu viel Impfen ist kein Nachteil. Der Anteil derer, die die Masern schon hatten und deshalb immun sind, ist bei über 50-Jährigen relativ hoch.

Das Gespräch führteRalf Strittmatter
Informationen zu Masern gibt das Gesundheitsamt Freiburg unter Telefon 0761/21 87 32 12.