Es gibt Gewinner und Verlierer

Lukas Karrer

Von Lukas Karrer

Mi, 08. April 2020

Tischtennis

Das Ende der Tischtennis-Saison und das Einfrieren der Tabellen auf den Stand vom 13. März trifft auch auf harte Kritik.

LAHR. Noch am Morgen des 1. April hatte der Deutsche Tischtennisbund (DTTB) einen Entwurf veröffentlicht, wonach sich alle Vereine ihre Ligazugehörigkeit in der kommenden Saison aussuchen dürfen – wenig später hieß es: April, April! Am Nachmittag kam der tatsächliche Bescheid: Die Spielzeit 2019/2020 ist für den Mannschaftsspielbetrieb in ganz Deutschland von der untersten Kreisklasse bis zur Bundesliga inklusive der Pokal- und Relegationsspiele mit sofortiger Wirkung aufgrund der Corona-Krise beendet.

In der abgebrochenen Saison wird die Tabelle zum Zeitpunkt der jeweiligen Aussetzung, dem 13. März, als Abschlusstabelle gewertet − mit Auf- und Absteigern. Diese Lösung ließ zunächst nur in einer Hinsicht Spielraum: Was passiert mit den Teams, die aktuell auf einem Relegationsplatz stehen? Der Landesverband Baden-Württemberg hat hierzu am Dienstagmorgen eine Entscheidung präsentiert. Wie es die Experten vermutet hatten, erhalten die Teams, die sich auf einem Relegationsplatz befinden, die Möglichkeit, für die höhere Liga zu melden.

Ungeachtet der Entscheidung des Verbandes war die Ligenzugehörigkeit der beiden hochklassig aktiven Frauenteams der DJK Offenburg bereits geklärt. In den noch ausstehenden drei Partien wäre der DJK Offenburg der Klassenerhalt in der zweiten Tischtennis-Bundesliga nicht mehr zu nehmen gewesen. Der Aufsteiger überzeugte kollektiv und landet in der vorzeitig abgebrochenen Saison auf einem starken fünften Endrang. "Das verschaffte uns frühzeitig Planungssicherheit und so können wir zumindest schon Tendenzen, aber noch nicht immer endgültige Entscheidungen vermelden", sagt Petra Heuberger, langjährige Spielerin der ersten Frauenmannschaft, die mittlerweile für zweite Mannschaft der DJK in der Regionalliga spielt.

Offenburger Frauenteam hatte den Klassenerhalt schon sicher

Der Verbleib der ehemaligen belgischen Einzelmeisterin Nathalie Marchetti steht bereits fest. "Ich freue mich auf die weitere Zeit in Offenburg und bin gespannt, wie sich die jungen Spielerinnen weiter entwickeln. Das ist ein interessanten Projekt und ich bin froh, ein Teil davon zu sein", so die 24-Jährige, die auch in der kommenden Spielzeit aller Voraussicht nach das DJK-Quartett anführen wird. Ob an Position zwei Edina Toth folgen wird, ist aktuell eher unwahrscheinlich. "Im Moment stehen die Zeichen auf Abschied", sagt Heuberger. Mit Jana Kirner und Theresa Lehmann stehen die Gespräche noch aus, hier ist aber fest mit einem Verbleib zu rechnen.

Einen großen Sprung hat die deutsche Kaderspielerin Jele Stortz gemacht. Die 14-jährige soll kommende Saison noch häufiger in der zweiten Bundesliga eingesetzt werden. "Wir wollen sie am liebsten weiter Stück für Stück an die erste Mannschaft heranführen", sagt Heuberger. Ein Aufstieg der zweiten Mannschaft aus der Regionalliga in die dritte Liga sei im Verein kein Thema gewesen. "Wir haben gar nicht für die dritte Liga gemeldet", erklärt Heuberger, die gemeinsam mit Jele Stortz und Co. die Spielzeit auf Rang zwei beendete und deshalb unter Umständen Aufstiegsmöglichkeiten gehabt hätte.

Über einen Aufstieg dürfen sich hingegen die Männer der DJK Offenburg freuen. Als Meister der Badenliga schlagen die Offenburger um Spitzenspieler Nicola Mohler kommende Spielzeit in der Oberliga auf. Dass jenes Unterfangen nicht in Frage steht, verdankt die DJK Offenburg auch seinen verlässlichen Sponsoren. "Wir sind sehr froh, dass wir von einem unserer größten Sponsoren in diesen schweren Zeiten eine positive Rückmeldung bekommen haben", so Heuberger. Der Kader der Offenburger Männer wird sich nur geringfügig verändern. Hier stehen letzte Gespräche noch aus.

Bei den TTSF Hohberg sind personell keine größeren Veränderungen geplant. "Li Shidong wird in der kommenden Runde eher nicht mehr zum Kader der ersten Mannschaft gehören, aber er hat diese Saison kaum mehr bei uns gespielt", berichtet Mannschaftsführer Jonas Degen.

Unverständnis bei den TTSF Hohberg

Wie auch an vielen anderen Orten hat der Entscheid des DTTB auch in Hohberg für reichlich Unverständnis gesorgt: "Ich kann die Entscheidung, die Saison mit dem letzten Stand zu werten, nicht nachvollziehen. Eine Annullierung aber vor allem die Möglichkeit, nur die Hinrunde zu werten, wäre unseres Erachtens deutlich fairer gewesen", so Degen. Hohberg ist einer der Verlierer der Wertung des Verbandes. Der Tabellenvierte der Oberliga, stand in der Winterpause noch auf Rang zwei und war in absoluter Lauerstellung zu den Aufstiegsplätzen. Die Entscheidung des Verbandes hatte vielerorts für Unmut und Unverständnis gesorgt. "Es ist klar, dass jede Entscheidung Verlierer gehabt hätte und es nie ganz fair für alle ablaufen konnte", weißt Petra Heuberger auf eine Problematik hin, die in den kommenden Wochen auch in vielen anderen Sportarten noch für erhebliche Diskussionen sorgen wird.