BZ-Interview

Etgar Keret: "Mein Land war einmal eins der liberalsten der Welt"

Anja Reich

Von Anja Reich

Sa, 26. Mai 2018 um 09:57 Uhr

Literatur & Vorträge

BZ-Plus Der israelische Schriftsteller Etgar Keret über seine typisch untypische Familie: Seine Eltern sind Holocaustüberlebende, sein Bruder kämpft für die Legalisierung von Cannabis und seine Schwester ist ultraorthodox.

Etgar Keret steht vor einem Café in Tel Aviv und fragt: Setzen wir uns rein oder raus? Drinnen lärmt die Kaffeemaschine, draußen brummt der Verkehr. Keret schlägt vor, zu sich nach Hause zu gehen, da sei es zwar ein bisschen chaotisch, aber leise. Fünf Minuten später stehen wir vor einem dieser weißen kastenförmigen Tel Aviver Bauhaus-Häuser. Der Schriftsteller läuft die Treppe hoch, schließt die Tür auf, ruft seiner Frau Shira zu, er habe eine Besucherin mitgebracht und stellt Hanso vor, ein weißes Kaninchen, das sein Sohn Lev vor dem bösen Nachbarjungen gerettet hat. In der Küche steht das Frühstücksgeschirr auf dem Tisch, ein umgeworfener Wischeimer liegt auf dem Boden. Man kommt sich vor, als sei man in eine von Kerets Geschichten geraten, die vom ganz normalen Alltag einer israelischen Familie handeln, deren Leben alles andere als normal ist.
BZ: Herr Keret, die Geschichten, die Sie über Ihre Eltern erzählen, klingen mitunter wie aus einem Drehbuch für eine Gangsterkomödie. Zum Beispiel die, wie Ihr Vater Ihre Mutter kennenlernte. Er zog mit einer rumänischen Kapelle um die Häuser, pinkelte betrunken gegen die Wand der französischen Botschaft und gab sich dann als Polizist aus, um von Ihrer Mutter die Adresse zu bekommen.
Etgar Keret: So war mein Vater. Er hat das Leben nicht so schwer genommen.
BZ: Obwohl er den Zweiten Weltkrieg in einem Erdloch überlebt hat, in dem er wochenlang ausharren musste?
Keret: Gestern habe ich eine Vorlesung an der Tel Aviver Universität gehalten und der Gastgeber sagte in seiner Einführung, die Generationen in Israel seien von den Kriegen geprägt, die sie als Kinder erlebt haben, daraus ziehen sie ihre Lehren ...

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