"Das Besondere ist der strahlende Klang"

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Di, 11. Juni 2019

Ettenheim

BZ-INTERVIEW mit dem Offenburger Organisten Bernhard Klär über die Silbermann-Orgel.

ETTENHEIM/OFFENBURG. Die Silbermann-Orgel in der Wallfahrtskirche St. Landelin im Ettenheimer Stadtteil Ettenheimmünster feiert dieses Jahr ihren 250. Geburtstag. Der Offenburger Organist Bernhard Klär kennt sich aus mit Silbermann-Orgeln und hat schon oft in Ettenheimmünster aber auch im elsässischen Marmoutier konzertiert. Mit ihm unterhielt sich BZ-Mitarbeiterin Juliana Eiland-Jung.

BZ: Herr Klär, was ist das Besondere an den Silbermannorgeln?

Klär: Jede Silbermann-Orgel ist anders. Andreas Silbermann und sein Sohn Johann Andreas, der die Orgel in Ettenheimmünster gebaut hat, haben immer nur hochwertigste Materialien verwendet, zum Beispiel hohe Zinn-Anteile in den Legierungen für die Metallpfeifen. Diese Orgeln waren auch sehr teuer. Das Besondere ist der strahlende Klang durch die vielen Zungenstimmen, die dem Trompeten oder Oboenklang nahekommen. Es gibt weitere Eigenheiten in den Registern, zum Beispiel die Terz- und Quintenregister, die für die helle, festliche Färbung des Klangs sorgen.

BZ: Sie kennen und spielen ja auch auf anderen Silbermann-Orgeln regelmäßig. Was ist in Ettenheimmünster anders?

Klär:
Die Silbermann-Orgeln sind immer hervorragend auf die jeweiligen Räume angepasst. In Ettenheimmünster ist das auch so – obwohl die Orgel ursprünglich für die nicht mehr erhaltene Klosterkirche gebaut worden war. Aber schon dort war wohl das Rückpositiv – also der Teil der Pfeifen, der normalerweise im Rücken des Organisten angebracht ist – hinter der Orgel verbaut. Dadurch kommt der Klang dieser Pfeifen indirekter, lässt sich fast als Echo einsetzen. Das reich verzierte Gitter, übrigens genau wie das Schnitzwerk der Orgel vom Klosterbruder Egidius Butsch geschaffen, kann so den Schwung der Orgelempore ohne Unterbrechung aufnehmen. Und dann gibt es ein paar Besonderheiten wie das hohe Sifflet-Register, das bei Andreas Silbermann nicht vorkommt, wohl aber bei seinem Sohn.

BZ: Wie original ist die jetzige Silbermann-Orgel in der Wallfahrtskirche Ettenheimmünster noch?

Klär: Je nach Zählung wird das unterschiedlich bewertet, aber von den 22 Registern sind noch 15 original erhalten. Den größten Eingriff gab es im 19. Jahrhundert, als sich der Musikgeschmack geändert hatte. Diese Änderungen wurden bei der umfassenden Restaurierung in den 1960er Jahren wieder rückgängig gemacht. Dabei wurde lediglich ein Pedalregister erweitert, weil die barocken Orgeln in Süddeutschland im Pedal üblicherweise nur eine Oktave umfassten.

Zur Person: Bernhard Klär, geboren 1937, war Musiklehrer am Offenburger Schillergymnasium und langjähriger Leiter des Kirchenchors Dreifaltigkeit. Klär ist Komponist und Organist und wurde für seine Verdienste zum Erzbischöflichen Musikdirektor ernannt.