Zukunft mit vielen Fragezeichen

Michael Dörfler

Von Michael Dörfler

Sa, 18. Mai 2019

1. Bundesliga

DER GEGNER: Der 1. FC Nürnberg muss nach nur einem Jahr wieder zurück in die Zweite Liga.

NÜRNBERG/FREIBURG. Man muss nicht bösartig veranlagt sein, um den 1. FC Nürnberg als Rekordhalter zu bezeichnen. Es ist aber eine zweifelhafte Höchstleistung, die das kickende Aushängeschild aus Franken zu Buche stehen hat. Zum neunten Mal schon muss der nur unter dem Synonym Club bekannte Verein in diesem Sommer aus der Fußball-Bundesliga absteigen. "Das ist das Schlimmste, was du als Fußballer erleben kannst", hat der aus dem österreichischen Schruns stammende Profi Georg Margreitter gesagt, der seit 2015 bei den Franken spielt.

Den Nürnberger Kickern scheint ein gewisses Talent dafür innezuwohnen, sich selbst übertölpeln zu können. So sind sie bis heute die einzige Mannschaft, die es geschafft hat, als amtierender Deutscher Meister (1968/69) abzusteigen. Eigens für sie könnte der Begriff Fahrstuhlmannschaft erfunden worden sein. Wie in einem Aufzug geht es seit dem Ende der 1990er-Jahre für das Team zwischen der Bundesliga, der zweiten Liga und sogar der Regionalliga wild hin und her. In Franken erfreut sich bei vielen Fans deshalb der Aphorismus "Der Glubb is a Depp" großer Popularität.

Völlig unbeleckt von jedwedem Können hat die Mannschaft in dieser Spielzeit dennoch nicht aufgespielt. Freiburgs Trainer Christian Streich hatte unter der Woche viele wohlmeinende Worte parat, als er den sportlichen Werdegang der Nürnberger beschrieb: "Wenn sie nur ihre Elfmeter alle genutzt, und ein paar von den Spielen gewonnen hätten, in denen sie ihren Gegner ebenbürtig waren, müssten sie nicht absteigen."

In Freiburg geht es für die Nürnberger um die Ehre

Auf irgendwelche Wunder muss das Team von Trainer Boris Schommers in Freiburg nicht mehr zu hoffen. Der Club hat zwar die weitere Zusammenarbeit mit dem Fußballlehrer bereits abgelehnt, resignativ und lustlos dürften die Nürnberger im Badischen aber nicht aufspielen. Der Mannschaft geht es, wenn man so will, um die Ehre. Man möchte etwas Zählbares aus Freiburg mitnehmen – schon der mehr als 2000 Fans wegen, die den vorerst letzten Auftritt ihres Teams im Fußballoberhaus feiern möchten.

Wie in solchen Fällen üblich, steht hinter der Zukunft der Nürnberger ein dickes Fragezeichen. Gerne wird der Begriff Umbruch bemüht, wobei heute noch niemand weiß, welcher Trainer den Club in Liga zwei anleiten wird. Damir Canadi (Atromitos Athen) gilt als Favorit. Doch hinter dem Österreicher sind auch andere Klubs her. Als Außenseiter wird Daniel Meyer (Erzgebirge Aue) gehandelt.

Neuer Technischer Direktor soll Peter Herrmann werden, ein ausgewiesener Fachmann, der zur Zeit als einer der Assistenten von Trainer Niko Kovac auf der Bank des FC Bayern München sitzt.

Noch mehr zu tun bekommen wird Sportvorstand Robert Palikuca. Der Nachfolger des im Februar beurlaubten früheren Freiburgers Andreas Bornemann, wird sich mit dem neuen Technischen Direktor um den Spielerkader kümmern müssen. Viele Akteure um Kapitän Hanno Behrens sollen gehalten werden, darunter auch der Ex-Freiburger Sebastian Kerk, der nach langer Anlaufzeit zur Stammkraft reifte.