Kommentar

Das Erfolgsrezept des 1. FC Heidenheim erinnert an das des SC Freiburg

Otto Schnekenburger

Von Otto Schnekenburger

So, 10. Februar 2019 um 13:59 Uhr

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Der Sonntag Der Erfolg hat viel mit Kontinuität und guter solider Arbeit zu tun. Und mit einem Vertrauen in die handelnden Kräfte, wie man es im deutschen Profifußball sonst fast nur vom SC Freiburg kennt.

Für einen Abend stand in dieser Woche eine 50 000-Einwohner-Stadt ganz im Osten Baden-Württembergs im Mittelpunkt des Fußball-Interesses. Mit 2:1 warfen die Kicker von Frank Schmidt die hochfavorisierten Gäste aus Leverkusen aus dem DFB-Pokal. Und das, als das Bayer-Team unter dem neuen Trainer Peter Bosz doch gerade so richtig in Fahrt zu kommen schien und mit einem Sieg über Bayern München im Gepäck auf die Ostalb reiste . . .

Dabei braucht, wer ein Loblied auf den 1. FC Heidenheim singen möchte, diesen Heldenabend gar nicht. Die Leverkusener Niederlage hat vermutlich auch mit den diversen Personalwechseln beim bis Dienstag auf drei Hochzeiten tanzenden Gast, vielleicht auch mit unterbewusster Überheblichkeit zu tun.

Nein, das wirklich Spektakuläre ist, was die Heidenheimer Fußballer seit vielen Jahren leisten. Wer davon erzählt, kommt zwangsläufig um zwei Namen nicht herum: Trainer Frank Schmidt und Mittelfeldstratege Marc Schnatterer. Seit 2008 ist der Mann, dessen Allerweltsnamen mancher Fußballfan ob seines bis zur Unscheinbarkeit zurückhaltenden Gebarens nach außen wohl immer noch ab und an nachschlagen muss, nun schon Coach an der Brenz. Als er kam, war Heidenheim fünftklassig. Schmidt selbst hatte ein paar Jahre zuvor als Spieler des damals noch als SB Heidenheim firmierenden Vereins dazu beigetragen, dass die Ostwürttemberger überhaupt Oberliga spielten. Er ist damit mit Abstand der dienstälteste aktive Coach im deutschen Profifußball.

Nur ein Jahr kürzer ist Marc Schnatterer im Verein, er trug schon zum Aufstieg der Heidenheimer in die 3. Liga mit seinen Toren bei. Marc Schnatterer hat in seinen langen Heidenheimer Jahren ein paar richtig starke Spielzeiten abgeliefert, nach denen es niemand verwundert hätte, wenn er irgendwo in Richtung Liga 1 weitergezogen wäre. Schnatterer blieb und blieb. So lange, dass er mittlerweile sagt, es werde ohnehin niemand mehr bei ihm anrufen, weil alle denken, dass er sowieso nicht aus Heidenheim weggeht.

Akteure wie Marnon Busch, Timo Beermann oder Nikola Dovedan fügen sich in der Spielsaison 2018/2019 um das "ewige Duo" Schmidt/Schnatterer herum zum Kader. Klingende Namen sind in Heidenheim nicht zu finden, hoffnungsvolle Talente wie Niklas Dorsch oder Robert Glatzel schon.

Sie gehören einer Mannschaft an, die vor der heutigen Auswärtspartie bei Darmstadt 98 schon 34 Punkte auf dem Konto hat. Der Klassenerhalt, das ewige Ziel einer Mannschaft vom Schlage Heidenheims, ist damit 14 Spieltage vor Rundenende praktisch erreicht. Sogar der zu den Bundesliga-Relegationsspielen berechtigende dritte Platz ist noch in durchaus erreichbarer Nähe. Die Bilanz auf lange Distanz hin gesehen ist die wahre Leistung, die auf der Ostalb vollbracht wird. Sie hat viel mit Kontinuität und guter solider Arbeit zu tun. Und mit einem Vertrauen in die handelnden Kräfte, wie man es im deutschen Profifußball sonst fast nur vom SC Freiburg kennt.