Bezirksliga Schwarzwald

TuS Bonndorf und SV Grafenhausen weiter in Topform

Johannes Bachmann

Von Johannes Bachmann

Mo, 21. Oktober 2019 um 16:52 Uhr

Bezirksliga Schwarzwald

Aus den eigenen Schwächen Stärke zu ziehen, gelingt den Fußballern des TuS Bonndorf und SV Grafenhausen derzeit exzellent. Beide finden sich in der Tabelle weit oben wieder.

Wer die eigenen Schwächen kennt und sie richtig einordnet, kann wachsen. An sich selbst. Und mit den Aufgaben, die es im Alltag oder bei einer der schönsten Nebensachen der Welt zu meistern gilt. Bescheidenheit kann dabei ein Antrieb sein. Wie das funktioniert, zeigen derzeit die Fußballer des Bezirksligisten TuS Bonndorf, die nach fünf Siegen in Serie nur einen Schritt unter dem Gipfel stehen und die Aufsteiger-Elf des SV Grafenhausen, die gegen Tabellenführer Königsfeld einmal mehr über sich hinauswuchs.

Es ist noch keine sechs Wochen her, da stand die TuS-Elf nach stetig wiederkehrenden zehnminütigen kollektiven Blackouts, mit denen jeweilige 2:0-Führungen verspielt wurden, so tief unten in der Tabelle, dass sie dort schon von A-Kreisligisten wahrgenommen wurde. Bonndorfs Trainer Björn Schlageter stellte sich nach dem misslungenen Saisonstart souverän der externen Kritik und demonstrativ vor seine Mannschaft. "Wir wussten, dass wir was können, wir haben es nur nicht auf den Platz gebracht", blickt er heute auf diese schwierige Phase zurück. Es habe sich gelohnt, ruhig zu bleiben und konzentriert weiterzuarbeiten. Jetzt stehen fünf Siege in Folge auf der Habenseite. "Wir sind auf dem richtigen Weg", sagt Schlageter nach dem 3:0-Heimerfolg gegen Ligaschlusslicht DJK Villingen. Es war eine Partie, die Geduld erforderte, zur Pause hieß es 0:0 "und das ist immer gefährlich", so Schlageter. Mit dem Wiederanpfiff und Jochen Kesslers Treffer zur 1:0-Führung war der Bann gebrochen. Dass die Tabellenführung nach zehn Saisonspielen jetzt nur einen Punkt entfernt ist, sei für ihn absolut zweitrangig, erklärt Schlageter. "Wir brauchen Beständigkeit und müssen bereit sein für ein bisschen Demut."

Nils Boll, Trainer des Bezirksliga-Aufsteigers SV Grafenhausen, ist am Tag danach immer noch ein bisschen baff, obwohl er mit seiner konsequenten taktischen Ausrichtung und einer aufrüttelnden Rede vor dem Anpfiff maßgeblichen Anteil hatte an dieser kleinen Sensation: Mit 3:1 besiegte der SVG Tabellenführer Königsfeld. "Das ist der Hammer", sagt Boll nach dem begeisternden Auftritt seiner Elf. Nach der herben 0:4-Heimniederlage gegen Obereschach, bei der Boll seine Kicker der "Lahmarschigkeit" bezichtigt hatte, waren die Grafenhausener nicht wiederzuerkennen. Auf dem engen, kleinen Hartplatz ging, wie von Boll erhofft, "jeder ans Limit. In den Zweikämpfen waren wir einfach präsenter als der FCK." Nach einer starken Stunde führte der SVG mit 2:0, kassierte dann aber durch ein Eigentor der Kategorie "doof" das 1:2. Als Daniel Eichhorn fünf Minuten vor Schluss einen Strafstoß vergab, wurde es aus Bolls Sicht "noch einmal richtig kitzlig". Die Erlösung gab es mit extremer Verzögerung: Schiedsrichter Vallone zeigte nach der regulären Spielzeit acht (!) Minuten Verlängerung an, die Silvan Aselmann in letzter Sekunde mit dem Treffer zum 3:1 beendete. Nach zehn Spieltagen stehen die Grafenhausener auf Rang vier. "Das ist kein Zufall mehr", gibt Boll zu, es sei ermutigend zu sehen, dass seine Mannschaft, wenn sie alles gebe, "gegen jeden Gegner etwas holen kann".

"Da fehlte offensichtlich die geistige Frische."

Trainer Heinrich über Gegner Saig
Die Saiger in Lenzkirch – was für ein Derby! Die von da oben spielten gegen die von weit unten. Doch Geografie zählt auf dem Fußballplatz nichts. Und so waren die aus dem Dorf unterm Himmel angereisten Saiger beim Vergleich innerhalb der Gemeindegrenzen im Lenzkircher Atmosstadion nahezu chancenlos. Am 4:0-Erfolg des FCL gab es nichts zu deuteln, obwohl sich beide Teams aus gegenseitigem Respekt in Durchgang eins betont vorsichtig aneinander herangetastet hatten. Zwar gingen die Lenzkircher durch Harald Juchum mit dem Pausenpfiff in Führung, doch zu Beginn des zweiten Durchgangs hatten die Saiger den Ausgleich auf dem Fuß. "Bis zur 60. Minute war das eine Partie auf Messers Schneide", erinnert sich FCL-Trainer Mario Heinrich. Dann ging bei den Saigern plötzlich nichts mehr. Die Schritte der SVS-Kicker wurden schwerer, "da fehlte offensichtlich die geistige Frische und der Tank war leer", so Heinrich. Juchum mit seinem zweiten Treffer, Fabian Gamp und Felix Jägler erhöhten locker auf 4:0 gegen die Saiger, die ihre schwindenden Energiereserven mit gegenseitigen Schuldzuweisungen vergeudeten.

Kay Ruf, seit zweieinhalb Jahren Spielertrainer des A-Kreisligisten SV Hinterzarten, zeigt auf dem Platz enorme Präsenz, als habe er nur diese einzige Aufgabe und ist damit ein Vorbild. Dabei hat der Produktmanager eines großen Messgeräteherstellers kaum Zeit, die Heimat zu genießen. Vor einer Woche war er in China, danach in Indien, jetzt folgt eine Präsentation in der Türkei. Zeit, um mit der BZ zu reden, hat deshalb aktuell nur Co-Trainer Lars Mundinger. "Im zweiten Durchgang hätten wir den Sieg erzwingen müssen", blickt er auf das 0:0 im Heimspiel gegen den SSC Donaueschingen zurück. Nach dem stetigen Auf und Ab der vergangenen Wochen zeige die Leistungskurve der HSV-Elf nach oben, die jüngst mit einer bunten Mischung aus erster und zweiter Mannschaft krachend im Bezirkspokal-Achtelfinale gescheitert war. Die Intensität bei der Ballarbeit und die Bereitschaft, sich zu quälen, sei bisweilen zu gering, um ganz vorne mitzuspielen. "Wenn wir zu viele Ausfälle haben, wird es eng", so Mundinger. Daniel Martin ("das ist eine Rakete") wird seit seinem Innenbandriss zum Saisonstart ebenso schmerzlich vermisst wie Jona Schuler. Doch jammern helfe nicht weiter. "Wir wollen jetzt noch einen gescheiten Rest-Herbst spielen", sagt Mundinger.

Gerade einmal fünf Spieler, die in der Relegation gegen Gütenbach den Aufstieg in die Kreisliga A erzwungen hatten, standen am Sonntag in der von einer beispiellosen Verletzungsmisere geplagten Elf der SG Schluchsee/Feldberg. SG-Trainer Andreas Zimmermann füllte die Lücken mit Kickern aus der Reserve. Zu gewinnen gab es in dieser Besetzung nichts. Der SV Eisenbach gewann hochverdient mit 5:1. Dennoch lobt Zimmermann sein Team. "Die Jungs haben gut gekämpft, spielerisch war das in Ordnung." Dem Schiedsrichter bescheinigt der SG-Trainer eine einwandfreie Leistung, "auch wenn er einen Elfer gegen uns gepfiffen hat. Der war halt berechtigt."