Krawalle und Kritik

dpa, bz

Von dpa & BZ-Redaktion

Sa, 05. Oktober 2019

Fussball International

Europa-League-Abend hinterlässt abseits des Platzes Spuren / Basel spielt unentschieden.

FRANKFURT (dpa/BZ). In Guimarães flogen Sitzschalen, in Istanbul sprach Max Eberl von "einer Polizeidiktatur" und in Saint-Etienne konnte sich Wolfsburgs Lukas Nmecha an den gesamten Fußballabend nicht mehr erinnern: Die ersten Auswärtsreisen der deutschen Europa-League-Vereine sind an einem turbulenten Donnerstagabend von unangenehmen Begleiterscheinungen überschattet worden. Sportlich dürfen die Bundesligisten Eintracht Frankfurt und VfL Wolfsburg nach erfolgreichen Resultaten allerdings optimistisch nach vorne blicken.

Die Eintracht-Freude nach dem wichtigen 1:0-Erfolg bei Vitoria Guimarães wurde von den Krawallen der Fans vor dem Anpfiff aber mächtig getrübt. "So etwas will keiner sehen. Fliegende Sitze, das passt hier nicht her. Das ärgert mich, denn wir sind unter Beobachtung und haben in der großen Überzahl total gute Fans", schimpfte Sportvorstand Fredi Bobic nach dem mühevollen Sieg. Nach den Ausschreitungen von Rom und Mailand in der Vorsaison und den Vorkommnissen beim Playoff-Rückspiel gegen Racing Straßburg droht dem derzeit auf Bewährung spielenden hessischen Bundesligisten eine weitere Strafe durch die Uefa – diesmal könnte es sogar zu einem Fan-Ausschluss kommen. Sportlich hatte der zuletzt häufig als Reservist verweilende Abwehrspieler Evan Ndicka mit einem Kopfballtor für das Siegtor des Abends gesorgt. So eine Erlösung bleibt Borussia Mönchengladbach bei der so sehr herbeigesehnten Europa-Rückkehr weiter verwehrt. Auf das peinliche 0:4 gegen Wolfsberg folgte ein glückliches 1:1 beim türkischen Vertreter Basaksehir Istanbul, das erst Patrick Herrmann mit seinem ganz späten Ausgleichstreffer herbeiführte.

Das Thema des Abends war trotz der sportlichen Enttäuschung aber ein anderes: Am Rande des Spiels hatten Polizisten den Gäste-Fans Fahnen abgenommen, weil diese christliche Symbole gezeigt hätten. Dabei handelte es sich um das Stadtwappen Mönchengladbachs, in dem unter anderem ein Kreuz abgebildet ist. "Das macht mich extrem traurig, dass wir 2019 in Europa solche Zustände haben, dass die Polizei diktieren kann, welche Fahnen mit ins Stadion kommen. Diese Regel gibt es nicht", schimpfte Eberl, der die eigenen Anhänger ausdrücklich lobte: "Unsere Fans bereichern diesen Totentanz hier." Er habe im Stadion "bizarre und groteske Bilder" gesehen.

Einen Blackout erlitt U-21-Nationalspieler Nmecha, der nach Wolfsburgs 1:1 beim AS Saint-Etienne mit Verdacht auf Gehirnerschütterung zunächst in Frankreich blieb. "Er kann sich an nichts mehr erinnern vom Spiel", sagte Trainer Oliver Glasner. Sportlich hat der VfL mit vier Zählern die bislang beste deutsche Bilanz vorzuweisen. "Ich nehme mit, dass es schwierig ist, gegen uns zu gewinnen. Wir sind auf dem richtigen Weg", sagte Glasner nach der Punkteteilung, bei der William eine Führung von Timothée Kolodziejczak ausglich.

Der FC Basel hält in der Europa League Kurs. Nach einem 5:0-Heimsieg gegen Krasnodar aus Russland verdiente sich der Schweizer Liga-Spitzenreiter nun in der Türkei bei Trabzonspor ein 2:2 (1:1)-Remis. Im Hexenkessel des Medical-Park-Stadions trafen Silvan Widmer (20.) und Noah Okafor (80.) für die Gäste. Abdulkadir Parmak (26.) und José Sosa (78.) hatten das Blatt zwischenzeitlich zugunsten des Tabellenvierten der Süper Lig gewendet.