Statuten

Nach Salut-Jubel: Uefa leitet Verfahren gegen Türkei ein

dpa

Von dpa

Mo, 14. Oktober 2019 um 20:11 Uhr

Fussball International

Die Europäische Fußball-Union wird nach dem Wirbel um den Torjubel türkischer Fußball-Nationalspieler ein Verfahren gegen den türkischen Verband einleiten.

Die zuständige Kontroll-, Ethik- und Disziplinarkammer der Uefa tag wohl am kommenden Donnerstag. Ob dann schon mögliche Sanktionen verhängt werden, die von einer Ermahnung über Geldstrafen bis hin zu Platzsperren und Punktabzügen reichen können, ist aber fraglich. Zunächst werden Stellungnahmen von den Beteiligten eingeholt.

Die Türkei-Profis hatten direkt nach dem Siegtreffer zum 1:0 in der EM-Qualifikation gegen Albanien am vergangenen Freitag auf dem Platz und später auch in der Kabine mit der Hand an der Stirn salutiert. Unter ihnen waren auch die beiden Bundesligaprofis Kaan Ayhan und Kenan Karaman von Fortuna Düsseldorf. Das Uefa-Verfahren kann sich gegen den Verband oder aber auch gegen einzelne Spieler richten, sanktioniert werden können auch Äußerungen und Bekundungen außerhalb des Spielfelds.

Der Dachverband verbietet in seinen Statuten politische Bekundungen jeder Art. In der Vergangenheit waren bei entsprechenden Vorfällen, die meist von den Fans auf den Tribünen ausgegangen waren, teils harte Strafen ausgesprochen worden. Vergleichbare Fälle gibt es allerdings kaum, zuletzt musste sich die Uefa-Kammer vor allem mit rassistischen Ausfällen der Fans beschäftigen, bei denen im Wiederholungsfall automatisch ein Geisterspiel verhängt wird.

Der türkische Fußballverband teilte zu den Szenen nach dem Siegtreffer mit: "Die Fußballer haben dieses Tor mit dem Militärgruß den Soldaten geschenkt, die in der "Operation Friedensquelle" dienen." Der türkische Militäreinsatz hatte am Mittwoch begonnen und richtet sich gegen die Kurdenmiliz YPG in Nordsyrien. Der Einsatz wurde international scharf kritisiert.

Wegen der türkischen Militäroffensive in Syrien hat Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian seine Teilnahme am EM-Qualifikationsspiel zwischen Frankreich und der Türkei am Montagabend kurzfristig abgesagt. Aus seinem Umfeld hieß es, der Minister werde sich die Begegnung im Pariser Stade de France am Montagabend anders als geplant nicht anschauen.

Zudem wurden sogar Rufe nach einer Absage des Fußballspiels laut. Der konservative französische Parlamentsabgeordnete Jean-Christophe Lagarde twitterte, Frankreich könne nicht Vertreter einer Nation empfangen, "die das Massaker an unseren kurdischen Verbündeten gutheißen". Auch zahlreiche weitere Twitter-Nutzer forderten, das Match abzusagen. Befürchtet werden Spannungen zwischen türkischen Fans und Kurden.