Wenn der Schnee die Leidenschaft bedroht

Johannes Bachmann

Von Johannes Bachmann

Do, 14. März 2019

Kreisliga Schwarzwald

FUSSBALL-KREISLIGA A II: Zuversicht in Lenzkirch, Hinterzarten und Grafenhausen, Gelassenheit in Eisenbach, Frust in Gündelwangen, Hoffnung bei FCL und TuS.

FUSSBALL-KREISLIGA A II. Winterpause. Das klingt nach Entspannung. Für Fußballer im Schwarzwald ist diese vermeintliche Zeit der Ruhe zwischen Ende Januar und Anfang März eine harte, meist unlustige, mit vielen Laufeinheiten ohne den geliebten Ball gespickte Zeit der Vorbereitung. Es bedarf enormer Willensstärke, sich zwei-, dreimal pro Woche unter Flutlicht bei Wind und Wetter zu quälen. Am Wochenende beginnt für sieben Hochschwarzwälder Kreisliga-A-Teams die Frühjahrsrunde. Die BZ hat bei den Trainern nachgefragt. Ein Ausblick.

FC Lenzkirch

Ganz oben ist es doch am schönsten, auch wenn Zeljko Cosic, der mit seiner Mannschaft auf dem Tabellengipfel überwinterte, von einer "miserablen Vorbereitung" spricht. Viele im FCL-Umfeld träumten vor und nach Weihnachten ein bisschen vom Aufstieg. Doch warum wollen die Lenzkircher nicht mit Zeljko Cosic in die Bezirksliga? "Gute Frage", sagt der Übungsleiter, der zum Saisonende seinen Abschied nimmt, "drei Jahre sind genug, da waren der Vorstand und ich uns einig". Wie in den vergangenen Spielzeiten will sich Cosic auch in der Frühjahrsrunde für sein Team reinhängen "und dann will ich aufhören, auf dem Höhepunkt, wenn es am schönsten ist". Ein Nachfolger ist beim FCL noch nicht in Sicht, Cosic selbst hat dagegen für Offerten ein offenes Ohr und wünscht sich "einen Klub mit Ambitionen". Was die Lenzkircher eine Liga höher erwarten dürfte, das erlebten die FCL-Kicker in fünf mehr oder minder deutlich verlorenen Testspielen gegen Bezirksligisten. "Da wurden uns klar die Grenzen aufgezeigt", erinnert sich Cosic an das 1:2 in Bräunlingen, ein 0:4 in Weilheim, 1:4-Rückschläge in Zell und Bonndorf und eine 0:4-Klatsche bei Sonntagssauwetter gegen den SV Hölzlebruck. Niederlagen, die charakterbildend wirken sollen, wie Cosic hofft, "die Jungs sind viel gelaufen und haben erkannt, woran es uns noch fehlt". Die Tabellenführung wolle sein Team mit Zähnen und Klauen verteidigen. Zum Auftakt der Frühjahrsrunde erwartet den FCL um den neuen Abwehrrecken Steffen Hönig, der vom Hochrhein-Bezirksligisten FC Erzingen kam, eine knackige Herausforderung: beim SV Öfingen, dem besten Heimteam der Liga. "Wir drücken jetzt gedanklich den Reset-Knopf", so Cosic "und dann geht’s los".

SV Hinterzarten

Der Winter, das ist der Normalfall in der Skisprunghochburg. Schnee ist auf den Schanzen hochwillkommen, die Fußballer am Rande des weltweit bekannten Adlerhorsts sind Hobbyisten ohne Lobby. Und so bleibt das Weiß im Winter halt liegen auf dem Kunstrasenplatz des HSV. Immerhin: vor zwei Wochen wurde der Platz geräumt, seither rollte der Ball. Am Montag dominierte wieder das Weiß. Das Tauwetter vom Dienstag soll am Donnerstag durch neue Schneefälle beendet werden. "Ist halt so", sagt Kay Ruf, Spielertrainer des Tabellenvierten SV Hinterzarten. Trotz der Wetterkapriolen ist er überzeugt, "dass wir am Samstag gegen Möhringen daheim spielen werden, weil wir spielen wollen". Die Vorbereitung auf die Frühjahrsrunde gestaltete sich schwieriger als vor einem Jahr, die seit Wochen fast rund um die Uhr von diversen Fußballteams belagerte Soccer-Halle in Hinterzarten sahen die HSV-Fußballer nur selten von innen. "Wir waren dezent unterwegs", fasst Kay Ruf, der im Frühjahr auf Weltenbummler Dominic Ristic und Levin Straub, der jetzt in Stuttgart studiert, verzichten muss, die Vorbereitung zusammen. Viel gelaufen sind seine Kicker. Geschmeckt hat das nicht jedem, genützt hat es schon: der Kondition. "Das Teamgefüge ist gut", so Ruf, das Zusammengehörigkeitsgefühl wachse. In häufig wechselnder Besetzung gab es fünf Testspiele. Den Siegen gegen Buchenbach (4:3) und in Reute (2:0) folgte ein 1:3 in Simonswald, eine kurioses 6:7 gegen Teningen und eine 1:2-Niederlage beim Bezirksligisten SV Hölzlebruck. Der Wille zur Leistung sei unverkennbar, so Ruf, die Trainingsbeteiligung sei gut, "die Jungs wollen Gas geben".

SV Grafenhausen

Die wilden Wetterkapriolen der vergangenen Tage mit reichlich Frühjahrsschnee und glatten Straßen bringen Nils Boll nicht aus der Fassung. "Der Winter ist vorbei", sagt der SVG-Trainer. Es klingt nach einer endgültigen Wahrheit. Ende Oktober hatte Boll, damals Übungsleiter des Tabellenführers, erklärt: "Wir wollen nicht aufsteigen." Der Weg an die Spitze ist dank zweier Nachholspiele nicht allzu weit, bis zum Saisonende wolle er mit seiner Mannschaft "auf jeden Fall vorne mitspielen", so der Trainer, auch wenn der Aufstieg frühestens in der kommenden Saison eingeplant ist. Die Lust an der Ballarbeit ist in Grafenhausen ungebrochen, die Kameradschaft nennt Boll vorbildlich, die Bereitschaft, sich auch abends bei Sauwetter weiterzuentwickeln, sei groß. Zwölf bis 16 Mann zählt der Coach derzeit bei den Trainingseinheiten, sechs Wochen Vorbereitung hätten die Mannschaft vorangebracht. Ein Trainingslager in Hausen an der Möhlin diente der taktischen und spielerischen Weiterentwicklung, "weil es beim Teambuilding ja nichts zu verbessern gilt", so Boll. Durchwachsen nennt er die Testspielergebnisse. Beim A-Kreisligisten Nöggenschwiel gab es einen 2:1-Sieg, gegen Hausen II und Riedöschingen ein 2:2, in Krenkingen zum Ende der Testspielserie eine 0:2-Niederlage. Zurück im Team und nach sechs Monaten Fußballabstinenz hochwillkommen, ist Andreas Stritt. Am Samstag erwartet die Grafenhausener eine vermeintlich lösbare und deshalb schwere Aufgabe beim abgeschlagenen Kreisliga-A-Schlusslicht Oberbaldingen. "Läuferisch passt es", so Boll, der Spielaufbau seiner Mannschaft sei gut, "nur die Genauigkeit am Ball fehlt noch".

SV Eisenbach

Es war zum närrisch werden. Statt sich zu schonen, hatten sich etliche Eisenbacher Fußballer, die mit Inbrunst Fasnet feiern, seit Anfang Dezember fast täglich um die Vorbereitung des legendären Narrentreffens auf dem Höchst gekümmert. Am 10. Februar erlebten die SVE-Kicker ihren Saisonhöhepunkt. Danach gab es Ermattung. "Wir hatten nach der Fasnet einen erwartbaren Krankenstand", blickt Trainer Mario Heinrich fatalistisch zurück. Wirklich schlimm sei das nicht, an Fußball war seit Silvester in Eisenbach nicht zu denken, "wir waren kein einziges Mal auf unserem Platz". Der Ball rollte trotzdem – in der Hinterzartener Soccerhalle und auf dem Kunstrasenplatz in Reiselfingen. Der Vereinsführung des FCR gebühre deshalb "ein großes Dankeschön", so Heinrich. Nicht wirklich prickelnd waren dagegen eine Handvoll abendlicher Läufe auf Asphalt über die diffus ausgeleuchteten Eisenbacher Straßen. Mehr gebracht als sieben Mal Training bei miesen Bedingungen habe dagegen ein Mannschaftsfindungstag im Dreisamtal. "Wir sind da morgens runter gefahren nach Kirchzarten", so Heinrich, dann wurde fleißig trainiert und abends gab es ein Testspiel gegen die Verbandsliga-A-Junioren des SV Kirchzarten mit einem Ergebnis, das laut Heinrich "geheim" bleiben soll. Kein Geheimnis ist dagegen, dass es um die Mittagszeit neben gutem Essen viel Zeit für offene Worte gab. Denn neben dem Kader der ersten Mannschaft waren auch zahlreiche Juniorenspieler des SVE mit dabei im intensiven Eintages-Kurztrainingslager. "Es gab jede Menge Visionen und Wünsche der Spieler", so Heinrich, "dieser Gedankenaustausch hat uns alle vorangebracht". Mit 23 Punkten aus 16 Spielen haben die Eisenbacher vor dem Start in die Frühjahrsrunde in ihrem dritten Kreisliga-A-Jahr ein ordentliches Punktepolster. "Aber die Tabelle täuscht", so der Trainer, nach hinten sei da nicht viel Luft. Weiterentwickeln will er sein Team, "wir wollen alle mitnehmen und niemanden vergessen". Zum Auftakt erwartet die Eisenbacher beim Tabellenzweiten Kirchen-Hausen ein Kraftakt. Heinrich ist nicht bang. "Wir sitzen am Sonntagmorgen ins Auto, fahren da hin und dann schau’n mer mal."

SV Gündelwangen

"Wahnsinn, dieser Schnee", sagt Jakup Sevimli, seit vergangenem Sommer Spielertrainer des SVG. Aber so sei das nun mal mit dem Winter auf dem Wald, man müsse ihn annehmen. Damit haben Sevimlis Fußballer ein Problem. Die Vorbereitung auf die Frühjahrsrunde gestaltete sich schwierig, "wir haben viele Kranke", so der Übungsleiter. Mehr Sorgen bereitet ihm allerdings die Moral seiner Mannschaft. Kranke werden schließlich wieder gesund, doch wer keine Lust hat, auch bei schlechtem Wetter zu trainieren, sei schwer zu erreichen. Zwischen sechs und bestenfalls acht Spieler konnte Sevimli in den vergangenen Wochen bei den abendlichen Übungseinheiten begrüßen:"Das ist einfach nix". Nicht verstehen könne er, dass viele Gündelwanger Spieler nicht bereit seien, sich ihrem Hobby, dem Fußball, mit hundert Prozent Leidenschaft zu widmen. "Dafür werden wir die Quittung bekommen", fürchtet Sevimli. Die Integration der Neuzugänge gestalte sich schwierig, nur einer habe ihn wirklich überzeugt: Torhüter Kevin Simonowsky wechselte zum Jahreswechsel vom Bezirksligisten FC Erzingen in den Schwarzwald und ist zwischen den Pfosten der erhoffte Rückhalt. Was Leidenschaft bewegen kann, zeige sich derzeit in Bonndorf, so Sevimli. "Da sind jede Menge Jungs im Training und da müssen wir jetzt hin."

FC Löffingen II

Er kennt das Land, wo die Zitronen blühen: "Klar, war ich mit dabei", erinnert sich FCL-Spielertrainer Stefan Löffler, der zusammen mit den Kickern der Ersten und Landesligacoach Uli Bärmann die Fahrt ins dreitägige Trainingslager am Gardasee mitmachte. Das habe "unheimlich was gebracht", so der Coach der FCL-Reserve, nur halt nicht seinem Team, "weil neben mir nur drei andere dabei waren". Keine Zeit, keine Lust, kein Urlaub, so lauteten die Argumente der Daheimbleiber. Mit Hallenfußball versuchte Löffler seine Kicker bei Laune zu halten und damit die allfälligen Straßenläufe erträglicher zu machen. Von Kicken unterm Hallendach ist der FCL-Spielertrainer allerdings nicht so recht überzeugt, das sei halt Ballarbeit, "die mit dem Spiel auf dem Platz nicht zu vergleichen ist". Durchwachsen wie die Testspielergebnisse (eine 3:5-Niederlage gegen Tuningen, ein 0:3 gegen die DJK Vilingen und ein 4:1-Heimerfolg gegen B-Kreisligist Ewattingen) war die Vorbereitung. "Es ging schleppend voran", so Löffler "und dann kam auch noch die Fasnet dazwischen". Nach sechs Monaten Pause ist Nico Klein zurück im Team, dazu kam zum Jahreswechsel in Benedikt Rebholz vom SV Göschweiler ein klassischer Sechser. Zwei robuste Kicker, die Löffler brauchen wird, wenn es was werden soll mit dem Klassenerhalt. Der erste Auftritt wartet am Sonntag in Riedöschingen, womöglich auf einem aufgeweichten Hartplatz. "Da müssen wir was holen", so Löffler.

TuS Bonndorf II

Mehr als 500 Spiele hat Peter Fechtig als Aktiver absolviert. Sein Erfahrungsschatz ist enorm, am Ball kann ihm keiner ein X für ein U vormachen. Fechtig kennt die Stärken seiner Spieler. Und die Schwächen, die Ausflüchte, die Sorgen. Abendliche Ballarbeit nach des Tages Müh’ ist mitten im Winter nicht eben prickelnd, wer sich bei Wind, Kälte und Nässe dennoch auf den Platz wagt, hat seinen Schweinehund im Griff. Fechtig kann das Wetter nicht ändern. Aber er kann motivieren. Zwölf bis 14 Mann (darunter etlicher Kicker der TuS-Dritten) zählte er in den vergangenen Wochen bei den Trainingsabenden. In der Herbstrunde musste der Coach angesichts personeller Probleme ständig die Besetzung ändern, mal fiel die komplette Innenverteidigung aus, mal das TuS-Mittelfeld. "Da müssen wir mehr Beständigkeit reinbringen", so Fechtig, eine eingespielte Mannschaft sei der Schlüssel zum Erfolg. Nach Testspielsiegen gegen Unadingen (4:2) und Dillendorf (4:0) freut sich Fechtig auf das Heimspiel gegen Gündelwangen. "Da ist für uns ein Dreier Pflicht."

Erster Kreisliga-A-Spieltag 2019

Samstag, 15.30 Uhr: TuS Oberbaldingen – SV Grafenhausen, SV Hinterzarten – FV Möhringen. 17 Uhr: SSC Donaueschingen – FC Pfohren. Sonntag, 13.15 Uhr: TuS Bonndorf II – SV Gündelwangen. 14.30 Uhr: SG Riedöschingen/Hondingen – FC Löffingen II, SG Kirchen-Hausen – SV Eisenbach, SV Öfingen – FC Lenzkirch. Spielfrei: SV Aasen.