Mal mit und mal ohne Galgenhumor

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 17. Februar 2019

Verbandsliga Südbaden

Der Sonntag Wie sieht es bei den Fussball-Verbandsligisten FC Denzlingen, SV Endingen und FC Waldkirch nach der Winterpause aus?.

Der FC Denzlingen, der SV Endingen und der FC Waldkirch wähnen sich in der Fußball-Verbandsliga bereit für den Abstiegskampf. Alle drei Teams haben personell nachjustiert. Die noch ausstehenden zwölf Spiele nach der Winterpause können kommen. Los geht’s am 9./10. März.

Galgenhumor kennt zwei spezifische Formen. Der Sarkasmus der Ausweglosigkeit kann Unvermeidbares erträglich erscheinen lassen. Einerseits. Anderseits kann Galgenhumor aber auch für Lockerheit sorgen und damit Kräfte freisetzen, das vermeintlich Unvermeidliche letztlich doch noch zu vermeiden. Und so wundert es kaum, dass Michael Kuwert am Freitagnachmittag zur zweiten Version greift: "Die Telefonverbindung bei uns im Glottertal ist so schlecht", scherzt der Vorsitzende des FC Denzlingen, "wie unsere derzeitige Tabellensituation: bescheiden."

Angesprochen auf die Hinrunde seines Vereins nimmt der 63-Jährige kein Blatt vor den Mund: Im Einbollenstadion sind sie nicht zufrieden mit ihrer bisherigen Saisonperformance. Personalprobleme und schwankende Leistungen haben sie in die Abgründe der Tabelle gespült. Tief hinein in den Strudel des Abstiegskampfes auf den 13. Tabellenplatz. Dorthin wo sie eigentlich nach dem Trainerwechsel und dem Last-Minute-Klassenerhalt vorherige Spielzeit gerade nicht mehr kommen wollten.

Als Kernproblem haben sie die Personalsorgen ausgemacht. "Eigentlich hat jeder Mal gefehlt", erinnert sich der Vorsitzende. Ordentliche Trainingsarbeit war für das Trainerduo aus Dino Saggiom und Horst Bühler eigentlich nie möglich. Die Liste der Verletzten ist in etwa so lang wie die gesamte Kaderliste. Schon die Aufzählung der lädierten Stammspieler gibt einen Eindruck über die Misere: Torhüter Dominik Bergdorf konnte bisher kein Spiel machen. Routinier Rino Saggiomo, Stürmer Jan Torres, Mittelfeldmann Christian Dichtel, Kapitän Frank Lengner, Pierre-Christoph Geppert: Alle haben sie mehrere Partien verpasst. "Das war schon außergewöhnlich", findet Kuwert.

Gelitten haben dadurch die Mechanismen in Angriff und Verteidigung. Lediglich 22 Tore hat Denzlingen geschossen, bereits 34 gefangen. "Auch deswegen haben wir nachverpflichtet", sagt Kuwert. Für die Offensive ist der ehemalige Denzlinger Jugendspieler Timo Wehrle vom Bahlinger SC zurückgekehrt. Er soll die Quirligkeit des scheidenden Erdogan Aldemir ersetzen, der sich Kreisligist Türkgücü Freiburg angeschlossen hat. Zudem haben sie nach der Verletzung von Lengner (Kreuzbandriss beim Herbolzheimer Hallenturnier) Yannick Lawson vom SV Endingen abgeworben. Aus dem zweiten Team soll Timo Müller aufrücken. "Damit sehen wir uns gut aufgestellt." Zudem sind die Gespräche fürs kommende Jahr bereits angelaufen. Mit den Trainern steht der Verein kurz vor der Vertragsverlängerung. Es ist viel im Fluss derzeit am Stadion zwischen Glotter und Elz. Sie sind zuversichtlich. "Ich gehe mit einem positiven Gefühl in die Rückrunde", so Kuwert. Der Mann des positiven Galgenhumors.

An positiven Drive steht Benny Pfahler Michael Kuwert derzeit in Nichts nach. Wieso auch? Seine schwer in die Saison gestarteten Kicker stehen mittlerweile ordentlich da. Von den zurückliegenden acht Punktspielen entschied der SV Endingen sieben für sich. Mittlerweile stehen die Kaiserstühler auf Platz neun. Gesichertes Mittelfeld könnte man meinen. Wäre da nicht die extrem enge Tabellenkonstellationen: Platz vier bis elf trennen gerade einmal neun Punkte.

"Wir sind in der Vorrunde gereift", betont Pfahler, der sagt: "Der größte Fortschritt hat im Spiel gegen den Ball stattgefunden." Besonders die Endphase der Hinrunde hat ihnen aber Mut gemacht: "Wir gehen jetzt mit einer neu gefundenen Stabilität in die Rückrunde", vermutet der 34-Jährige. In Euxhenio Cami (FK Dynamo Tirana) stößt ein Defensiv-, in Pascal Pietsch (Hamm United) ein Offensivspieler ins Erletal. Neben dem nach Denzlingen geschiedenen Lawson haben Marcel Vetter und Julian Retzbach Endingen verlassen. "Zudem wollen wir vier A-Jugendliche in der Rückrunde immer wieder mitnehmen", kündigt der Trainer an, der selbst bereits für die kommende Saison zugesagt hat: "Hier passiert was, es gab keinen Grund, nicht weiterzumachen."

Ähnliches hätte auch Daniel Kreisl gerne verkündet. Der Trainer des FC Waldkirch hat jüngst vermeldet, dass er im Sommer als Coach des Tabellenvierzehnten aufhört. "Ich hätte gerne weitergemacht, beruflich aber stehen bei mir im Sommer Weiterbildungen an", erläutert der 46-Jährige. Seit drei Wochen hat er seine Mannen wieder beisammen. Es gibt viel zu tun. Der Abstand zum rettenden zwölften Platz beträgt derzeit sieben Punkte. "Wenn wir nicht zuversichtlich wären, hätten wir nicht weitergemacht", sagt der Gymnasiallehrer. Nachjustiert haben sie trotzdem. Miguel Rosales Angulo (VfR Hausen), Jonas Belke (DJK Heuweiler), Josef und Omar Kassasir und Mehmet Demirci (alle unbekannt) haben ihr Engagement in der Orgelstadt beendet. Demgegenüber stehen fünf Neuzugänge: Simon Walter (FV Illertissen), Maximilian Scheer (FC Kollnau), Alexander Hottong (eigene Jugend), Oliver von Landenberg (FC Bad Krozingen) und Ioannis Zavounis (AC Milan Waldkirch).

Eine besondere Schwierigkeit der Hinrunde wollen sie zusätzlich ablegen. "Über unsere Probleme bei der Beherrschung nach Frustaktionen haben wir deutlich und intensiv gesprochen", betont Kreisl. Insgesamt drei Rote sowie vier Gelb-Rote Karten verschlechterten im Herbst die ohnehin angespannte Kadersituation. Die Strafen sind mittlerweile abgesessen. Besonders auf den Start – wenn es nacheinander gegen Lörrach-Brombach (12.), Mörsch (10.), Oppenau (16.) und kurz darauf Denzlingen geht – wird es ankommen. "Gelingt uns der, bin ich sehr zuversichtlich", sagt Kreisl. Galgenhumor wie im Glottertal? Fehlanzeige. Keine der beiden Versionen hat es in den Gefühlshaushalt der Waldkircher geschafft.