Fußball
Beim FC Basel brodelt es in dieser Saison an mehreren Stellen
Keine sechs Monate nach dem Gewinn der Schweizer Fußball-Meisterschaft herrscht beim FC Basel rotblaue Unruhe. Eine Ergebniskrise prägt die vergangenen Wochen – wie will der FCB da rauskommen?
Sa, 29. Nov 2025, 10:00 Uhr
FC Basel
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Ludovic Magnin ist keiner, der ein Blatt vor den Mund nimmt. Und so wundert es kaum, dass der Trainer des FC Basel vergangenes Wochenende harte Worte wählte, nachdem sein Team gegen den Tabellenvorletzten, die Grasshoppers Zürich, nicht mehr als ein 1:1 erspielte. "Es muss mehr kommen von einer Mannschaft, die den Titel verteidigen will", schimpfte der Ex-Profi, der einst als Spieler mit Werder Bremen (2004) und dem VfB Stuttgart (2007) die deutsche Meisterschaft feierte.
Seit diesem Sommer trainiert der 46-jährige Schweizer den FC Basel. Er übernahm den Club auf dem Höhepunkt. Nach einer langen Durststrecke von fast einem Jahrzehnt war es den Rotblauen im Frühjahr unter Trainer Fabio Celestini wieder gelungen, den Titel ins Joggeli zu holen – so nennen die Anhänger liebevoll ihr Heimstadion.
Doch schon da, so heißt es von verschiedenen Seiten, brodelte es. Celestini, Präsident David Degen (42), Sportchef Daniel Stucki (44) und Starkicker Xherdan Shaqiri (34) sollen nicht immer einer Meinung gewesen sein. Meistertrainer Celestini trat auf eigenen Wunsch zurück. Was ihm dann viele übel nahmen: Er wechselte ins Kriegsland Russland – und trainiert nun ZSKA Moskau. Die Reaktionen auf den Wechsel in Putins Reich waren harsch. Die Boulevardzeitung Blick nannte die Entscheidung Celetinis, nach Moskau zu gehen, einen "kompletten moralischen Absturz."
Magnin kam mit Vorschusslorbeeren
Der FC Basel verpflichtete daraufhin Magnin. In der Schweiz ist er ein Berühmtheit, fuhr als Spieler zu zwei Europa- und einer Weltmeisterschaft, als Trainer war er seit 2018 beim FC Zürich, dem SCR Altach (Österreich) und dem FC Lausanne-Sport tätig.
Magnin kam mit reichlich Vorschusslorbeeren: "Ludos Qualitäten sind unbestritten", gab FCB-Sportdirektor Daniel Stucki bei der Verpflichtung bekannt. "Er kennt den Schweizer Fußball in- und auswendig und bringt gleichzeitig auch schon internationale Erfahrung mit. Er weiß genau, was es braucht, um mit einem Team Titel zu gewinnen und er bringt mit seiner unterstützenden, manchmal sehr emotionalen Art und Weise ein Element an die Seitenlinie, welches wir schätzen und einer Mannschaft guttut."
Größer kann ein Lob kaum ausfallen. Doch die Honeymoon-Phase ist mittlerweile Geschichte. Denn von einer gelungenen Saison traut sich im St. Jakob-Park zurzeit keiner zu sprechen: Platz vier bei sieben Erfolgen aus 14 Spielen, acht Punkte Abstand auf Tabellenführer FC Thun. Der letzte Sieg ist vier Spiele her.
Streit um die Heimspielstätte
Zudem schwelt im Hintergrund noch ein Zwist um die Heimspielstätte. Im Streit mit der Stadiongenossenschaft hält der FCB seit mehr als einem Jahr Mietzahlungen in Millionenhöhe zurück. Zuletzt kam immerhin wohl Bewegung in die Sache: Infolge einer Mediation habe man sich geeinigt, Verträge seien aber noch zu unterzeichnen. Doch in Basel ist man nun guter Dinge, dass es bei der Sanierung und Modernisierung des Joggelis vorangehen könnte.
Der Trainer selbst ist am wenigsten mit der aktuellen Situation zufrieden. "Die erste Halbzeit war schlecht", sagte er nach dem letzten Spiel, dem 1:1 bei den Grasshoppers aus Zürich. "Und auch wenn wir trotzdem noch vier Großchancen auf ein weiteres Tor hatten: So, wie diese erste Halbzeit war, geht es in Ordnung, dass das Spiel mit einem Remis endet", so Magnin nach dem Unentschieden gegen den Tabellenvorletzten. Zudem gestand der: "Die Kritik ist berechtigt. Die Unruhe ist berechtigt." Zumal er betonte: "Die Konkurrenz schläft nicht, die Konkurrenz punktet – und wir punkten zu wenig konstant."
Die Offensiv-Neuzugänge werden bereits als gescheiterte Transfers abgetan
Besonders offensiv haperte es zuletzt. Nur 23 Treffer erzielte die Vorsaison-Tormaschine der Liga bisher. Die beiden Neuzugänge, der bisherige Null-Tore-Stürmer Moritz Broschinski (25) und Mittelfeldmann Koba Koindredi (24), werden hinter verschlossener Tür schon als gescheiterte Transfers abgetan.
Öffentlich stärkte Präsident Degen jüngst bei einer Mitgliederversammlung dem Trainer den Rücken. Insofern scheinen sie bei den Vereins noch am selben Strang zu ziehen. Doch ob die Wiederholung des Gewinns der Meisterschaft gelingt, erscheint sehr fraglich.
