Große Sorgen vor einem weiteren Jahr der Ungewissheit

Nora Bulla

Von Nora Bulla

Mi, 09. Oktober 2019

Gastronomie

Gastronom Richard Ettwein betreibt in Feldberg-Ort ein Hotel mit Restaurant und möchte weiter mit seinen beiden angelernten Mitarbeitern planen können.

FELDBERG. Manche Arbeitgeber, die Flüchtlinge beschäftigen, bangen um ihre Mitarbeiter, wenn sich die politische Situationen in den Herkunftsländern verbessert hat. Denn dann sollen die Geflüchteten zurück – egal ob sie sich in Deutschland integriert und einen Arbeitsplatz haben oder nicht. Ab dem 1. Januar 2020 soll es eine zwölfmonatige Ermessensduldung geben. Danach müssen beschäftigte Flüchtlinge zwölf Monate geduldet werden, bevor sie sicher in Deutschland bleiben dürfen. In diesem einen Jahr könnte jedoch täglich noch der Anruf kommen, dass sie das Land verlassen müssen.

Richard Ettwein, Inhaber des Boutique Hotels Kokoschinski in Feldberg, ist nicht begeistert von dieser Regelung. Im August 2017 übernahm er das leerstehende Hotel am August-Euler-Platz. Fast von Anfang an dabei waren der 26-jährige Star Njie und der 24-jährige Yaya Sarr aus Gambia. Njie kam 2014 nach Kirchzarten, wo er die Schule besuchte und Fortbildungen und Sprachkurse machte. Sarr kam ein Jahr später, 2015, nach Neustadt in die Flüchtlingsunterkunft. Auch er hat Sprachkurse besucht und Weiterbildungen besucht, bevor Hotelier Ettwein die beiden im Dezember 2017 über das Arbeitsamt zu sich in sein Hotel holte. Inzwischen sind sie ein eingespieltes Team. "Es hat einfach immer gepasst. Ich hatte sicher schon 20 Angestellte, Star und Yaya sind die Einzigen, die von Anfang an bei mir sind", betont Ettwein.

Jetzt komme wieder die Angst auf, dass die beiden Gambier das Land verlassen müssen. "Wir haben alle Kriterien erfüllt, die zu erfüllen sind, dass die beiden in Deutschland bleiben dürfen. Außer eben diese zwölf Monate Duldung. Die beiden sind nicht vorbestraft, haben mehr als 18 Monate Vollzeit gearbeitet und Steuern bezahlt. Wir haben extra einen internen Sprachkurs gemacht. Das letzte Kriterium können wir einfach nicht erfüllen.

Wo ist denn bei diesem Duldungsgesetz die Sicherheit?", fragt sich Ettwein. "Wenn ich bei den Ämtern nachfrage, was ich tun kann, heißt es nur: Machen Sie sich keine Sorgen, momentan gibt es keine Flieger nach Gambia."

Diese Aussagen helfen dem besorgten Hotelier aber nicht weiter, niemand gebe brauchbare Informationen. Was er machen könne, sei beim Bundestag eine Petition einzureichen, was er in der nächsten Zeit auch machen werde. Diese Petition hat eine aufschiebende Wirkung , erklärt Ettwein.

"Es ist einfach so, dass ich am Anfang keine anderen Arbeiter gefunden habe und jetzt will ich keine anderen mehr." Sarr und Njie waren anfangs für alles zuständig und halfen aus, wo sie gerade konnten. Irgendwann blieb Sarr dann mehr in der Küche und Njie spezialisierte sich auf die Hotelzimmer. Nach kurzer Zeit bot Ettwein den beiden an, auf den Feldberg zu ziehen. Sie nahmen das Angebot gerne an und wohnen seit nun fast zwei Jahren in einer WG unterhalb des Restaurants. "Auf der einen Seite ist es natürlich praktisch hier zu wohnen, aber der Feldberg bietet für junge Leute in der Freizeit eben nicht viel. Star wollte jetzt den Führerschein machen, aber er weiß ja nicht einmal, ob er in Deutschland bleiben darf." Sarr bekommt in naher Zukunft die Mitarbeiterwohnung zur Verfügung gestellt, die sich ebenfalls unter dem Restaurant befindet. Er wird Vater und für eine kleine Familie sei die WG zu klein. Den beiden Gambiern macht ihr Job viel Spaß und sie wollen auf jeden Fall in Deutschland bleiben. Sie haben die Sprache gelernt, gehen einer Arbeit nach und fühlen sich einfach wohl.

Richard Ettwein hofft sehr darauf, dass seine beiden Angestellten in Deutschland bleiben dürfen und bei ihm weiterarbeiten können. Da das Trio momentan Hotel und Restaurant allein betreiben, "wäre die Abschiebung mit einem kurzzeitige Aus des Gastrobetriebs gleichzusetzen, wenn die beiden gehen müssten."

Seit Oktober lernen Njie und Sarr zwei eritreische Saisonarbeiter für den Winter ein. Denn die beiden wären über die Hochsaison auf dem Feldberg allein nicht ausreichend. Die beiden Gambier kennen sich aus und wissen genau, was alles zu tun ist. "Ich bin einfach wahnsinnig enttäuscht von diesem Gesetz. Es bringt einfach gar nichts. Hotelier Ettwein erhofft sich von der noch einzureichenden Petition jetzt eine weitere Aufschiebung und dann werden wir weiter sehen", sagt Richard Ettwein.