Fotografie in neuer Dimension

Susanne Ramm-Weber

Von Susanne Ramm-Weber

Fr, 18. Oktober 2019

Offenburg

Die Städtische Galerie Offenburg zeigt von diesem Freitag an raffinierte Malerei und hinterleuchtete Fotografie von Hiroyuki Masuyama.

OFFENBURG. Die Arbeiten des japanischen Künstlers Hiroyuki Masuyama sorgen für einen Wow-Effekt. An diesem Freitagabend wird in der Städtischen Galerie auf dem Kulturforum um 19 Uhr die Ausstellung seiner Werke eröffnet.

Patricia Potrykus, Mitarbeiterin für Kommunikations- und Öffentlichkeitsarbeit im Ritterhausmuseum, hat sie kuratiert. Die Städtische Galerie war über die langjährige Zusammenarbeit mit der Galerie Rothamel, die in Offenburg bereits gezeigte Künstler wie Axel Anklam oder Moritz Götze im Programm hat, auf den in Düsseldorf lebenden, 51-jährigen Künstler, der Fotograf, Maler und Bildhauer ist, aufmerksam geworden.

Gezeigt wird Fotografie in neuer Dimension, doch ohne Strom geht nichts. Dazu raffinierte Malerei, Acryl auf Epoxydharz und auch ganz klassische Ölmalerei im Tableau-Format, ebenfalls in großer Dimension.

Was sorgt für diesen Wow- Effekt? Zum einen wird der Besucher gleich im ersten Raum von einer schieren Größe und Bildwucht gefangen genommen. Auf Folie im Riesenformat gedruckt und hinterleuchtet taucht er in italienische Bildwelten eines Leonardo da Vinci ein. "Sturm" heißt das Werk von 2013, in dem mächtige Wirbel Dynamik und Lebendigkeit ins Bild bringen. Durchgängig ist Masuyamas Beschäftigung mit Zeit, Raum und Ausdehnung, naturhaft.

In Anlehnung an Skizzen des englischen Romantikers William Turner, der von London nach Venedig reiste, und auf seinen Spuren oder auf jenen von Caspar David Friedrich verfolgt der Künstler deren Bildmotive in heutiger Zeit. So sieht man den Fotografen und seine Familie oben am Hang des berühmten Kreidefelsens auf Rügen stehen, ins Bild eingepasst wie es seinerzeit Caspar David Friedrich arrangierte, auch das Segelboot sitzt an richtiger Stelle im Bild, nur an den Zweigen sieht man die Differenzen zum Vorbild. Mit viel Arbeit am PC, mit Scanner und Photoshop entstehen eigene Bilder, die unser heutiges Leben mit den früheren Bildwelten zusammenbringen, sie verschmelzen, so dass der Wandel der Zeiten sichtbar wird, wenn der Brand des englischen Parlamentes aus dem Jahr 1834 mit aktuellen Fotos überlagert wird, und aus der Reproduktion sowohl durch Überlagerungen, als auch durch farbliches Anpassen ein neues Original entsteht, unter Umständen ein Phantastisches. Denn auf welcher Wiese blühen schon Schlüsselblumen und Königskerzen zur gleichen Zeit? Subtile Bildmontage lässt aus den ursprünglichen Fotografien gute Bilder entstehen, mit einer eigenen, mitunter irritierenden Komposition. Die gemalten Arbeiten, eine Sonne und das Universum, beeindrucken durch eine gewisse Räumlichkeit, ein Vibrieren, das durch die schichtenweise Malart und die Zwischenschichten aus Epoxydharz entsteht, und ebenfalls durch Hinterleuchten intensiviert wird. Es werden Arbeiten aus den letzten zehn Jahren gezeigt. Nicht zuletzt geht es um die Konstanten der Natur, das, was alle Menschen auf der Erde wahrnehmen können. Das Seherlebnis ist grandios.

Städtische Galerie, Amand-Goegg-Str. 2, Offenburg, Tel. 0781-822040, Di. - Fr. 13-17 Uhr, Sa - So 11-17 Uhr, bis 16. Februar 2020. Langer Kunstabend am 24.01.2020, 18 – 22 Uhr: http://www.galerie-offenburg.de