Fragen über Fragen vor der Biathlonsaison

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Mo, 23. November 2020

Biathlon

Die regionalen DSV-Kaderathleten wissen noch nicht, wann und wo sie in diesem Winter den ersten Wettkampf auf Schnee bestreiten werden.

. Ungewissheit ist ein ständiger Begleiter der Biathleten. Die Ungewissheit, ob sie am Schießstand treffen und die kleinen weißen Scheiben fallen. Bis die ersten Serien im Wettkampf abgegeben sind, wissen die Skijäger nicht wirklich, wie es um ihre Treffsicherheit im Ernstfall bestellt ist. Zu der wettkampfspezifischen Ungewissheit kommt für die Kader-Nachwuchsbiathleten aus der Region in diesem Jahr eine weitere hinzu: die Corona-bedingte Ungewissheit. Wann und wo wird der erste Deutschlandpokal (DP) ausgetragen? Geplant war der erste Wettkampf für den 19. Dezember in Ridnaun (Italien), mittlerweile wurde er jedoch gestrichen. Derzeit wird geprüft, ob der Wettkampf nach Ruhpolding verlegt werden kann.

"Mir macht diese Ungewissheit nichts aus", sagt Fabian Kaskel (SC Todtnau), "ich habe keine Motivationsprobleme. Entweder der Wettkampf ist dann oder er ist eben nicht". Trainieren können die Kaderathleten derzeit fast ohne Einschränkungen, im Biathlonsport kommt man sich disziplinbedingt nicht allzu nahe: Die Schießbahnen, die zwischen 2,75 und drei Meter breit sind, sind auf Abstand angelegt und das Lauftraining kann jeder individuell dosieren und absolvieren.

Kaskel ist bundesweit einer der besten Nachwuchsbiathleten des Jahrgangs 2003, im vergangenen Winter nahm er an der Jugend-Weltmeisterschaft teil und deutete im Wettstreit mit größtenteils zwei Jahre älteren Konkurrenten seine Fähigkeiten auch international an. "Die Situation ist nicht einfach, aber ich gehe vom Besten aus und denke, dass die Wettkämpfe stattfinden werden", sagt der gleichaltrige Diogo Martins. Den dreifachen deutschen Jugendmeister vom SC Hinterzarten treffen die Auswirkungen der Corona-Krise besonders hart, denn er befindet sich bereits zum zweiten Mal in Quarantäne. Beide Male hatte er Kontakt zu positiv getesteten Skilangläufern am Skiinternat Furtwangen. "Es ist echt zäh und nervig", sagt Martins, der wie Kaskel der Lehrgangsgruppe IIb (früherer D-/C-Kader) des Deutschen Skiverbands (DSV) angehört. Beide sind befreundet, sie haben jahrelang am Bundesstützpunkt Nordic Center Notschrei zusammen trainiert und bestimmen seit Jahren das nationale Leistungsniveau in ihrer Altersklasse. Für Martins wie Kaskel lautet das Saisonziel: Jugend- und Junioren-Weltmeisterschaft (JWM) in Obertilliach (Österreich). "Bisher wissen wir selbst noch nicht, bei welchen Rennen wir uns für die JWM qualifizieren können", sagt Martins. Der 17-Jährige aus Hinterzarten verfügt über herausragende läuferische Fähigkeiten, bei der Treffsicherheit am Schießstand schleichen sich hin und wieder Fehler ein. "Es läuft echt gut. Wir haben im Training mehr Wert auf das Schießen gelegt", sagt Martins, "wir haben am Anschlag gearbeitet und mit dem Schießtrainer an jedem Detail gefeilt".

"Als junger Mann

in Norwegen zu

sein, das war geil."

Biathlet Elias Asal
Elias Asal (Jahrgang 2002), der in Wieden daheim ist und für den SC Todtnau startet, ist ein kraftstrotzender Naturbursche, der beste Erbeigenschaften aus seiner Skilanglauf-Familie mit in den Biathlonsport bringt. Skaten geht bei ihm immer, gelegentlich schießt er beim Anvisieren der kleinen Scheiben über das Ziel hinaus. Im vergangenen Winter war er bei den olympischen Jugend-Winterspielen in Lausanne (Schweiz) am Start und hat als Vierter des Einzelrennens nur knapp eine Medaille verpasst. "Das war ein Karriere-Highlight. Wenn ich daran denke, kommen immer noch positive Erinnerungen in mir hoch." Asals Saisonziel ist ebenfalls die JWM. Die Nachwuchsbiathleten aus dem Schwarzwald haben in der Skihalle in Oberhof zwar schon auf Kunstschnee trainiert, der sonst alljährlich im November stattfindende Schnee-Vorbereitungslehrgang in Skandinavien fällt dieses Mal jedoch Corona-bedingt aus. "Als junger Mensch in Norwegen zu sein, das war geil", findet Asal, "der Lehrgang war immer ganz cool", sagt Kaskel rückblickend.

Emilie Behringer (SC Todtmoos) hat sich im vergangenen Winter beeindruckend zurückgemeldet, nachdem eine Fußverletzung sie in der Saison zuvor zu einer Wettkampfpause gezwungen hatte. Die 19-Jährige gewann drei Rennen und die Deutschlandpokal-Gesamtwertung in der Altersklasse J 18/19, mit der deutschen Jugendstaffel sicherte sie sich die Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft. "Die WM-Teilnahme war ein Motivationsschub", sagt die SKIF-Absolventin, die momentane Situation sei zwar ein bisschen schwierig, "weil man nicht weiß, wann und wo das erste Rennen ist, aber die Situation ist ja für alle gleich und wir helfen uns da gegenseitig". Im Frühjahr macht sie Abitur, sie wird sich bei einer Behörde bewerben und würde gerne künftig in der Gruppe von Stützpunktcoach Roman Böttcher "unter Profibedingungen hier weitertrainieren". Behringer startet in diesem Winter bei den Juniorinnen, die erneute Qualifikation für die JWM steht auf ihrer Agenda ganz oben.

Im Oktober wurden im Schwarzwald drei Deutschlandpokal-Biathlonrennen ausgetragen: zwei am Nordic Center und ein Skiroller-Bergwettkampf in Geschwend, einem Stadtteil von Todtnau. Im Winter ist kein weiterer Deutschlandpokal oder Deutscher Schülercup (DSC) am Notschrei geplant. Verärgert darüber ist Wettkampfleiter Andreas Gnädinger (SC Todtnau) nicht – eher erleichtert: "Das im Herbst war eine Harakiri-Aktion. Man hat die Verantwortung für 60 bis 70 Helfer sowie die Athleten und der Super-GAU wäre, wenn sich bei der Veranstaltung einer ansteckt. Ich wollte es nicht noch einmal verantworten müssen."

Zur Lehrgangsgruppe IIb des Deutschen Skiverbands gehören von den Schwarzwälder Nachwuchsbiathleten zudem Sophia Weiß (SC Todtnau/Jahrgang 2003), Fabian Dietrich (SC Gütenbach/2002) und Mathis Färber (SC Schönwald/2003). Den Namen der zweimaligen deutschen Jugendmeisterin Carina Gutmann (SC Todtnau/2003) sucht man vergebens, obwohl sie leistungsmäßig ähnlich wie Sophia Weiß unterwegs ist: In der Deutschlandpokal-Gesamtwertung des vergangenen Winters war Gutmann Zweite und Weiß Vierte. Bei der deutschen Jugendmeisterschaft war Weiß mit der Vizemeisterschaft im Sprint erfolgreicher als Gutmann (7.). Christin Maier (SC Urach/1996) ist im Förderkader.