Zischup-Interview

Frauenhaus-Mitarbeiterin: "Es fängt schon bei Beleidigungen oder Bedrohungen an"

Juna Fuchs, Liv Scharlinger und Sara Weishaar, Klasse 8.1, Evangelisches Montessori-Schulhaus

Von Juna Fuchs, Liv Scharlinger und Sara Weishaar, Klasse 8.1, Evangelisches Montessori-Schulhaus (Freiburg)

Mo, 20. Dezember 2021 um 14:47 Uhr

Schülertexte

Drei Zischup-Reporterinnen haben mit einer Mitarbeiterin des Freiburger Frauenhauses über die verschiedenen Formen häuslicher Gewalt gesprochen – auch gegen Männer.

Wir sind Juna Fuchs, Liv Scharlinger und Sara Weishaar und wir besuchen die Klasse 8.1 des Evangelischen Montessori-Schulhauses in Freiburg. Für das Zischup-Projekt haben wir eine Mitarbeiterin aus dem Frauenhaus in Freiburg telefonisch interviewt. Sie hat sich gewünscht, dass ihr Name anonym bleibt. Insgesamt haben wir 30 Minuten lang telefoniert und sie hat uns alle unsere Fragen zum Thema häusliche Gewalt beantwortet.

Zischup: Was versteht man unter häuslicher Gewalt?
Frauenhaus: Unter häuslicher Gewalt verstehen wir Gewalt in einer häuslichen Gemeinschaft, zum Beispiel zwischen Ehepartnern, Mann und Frau, homosexuellen Partnern, Expartnern, Eltern und Kindern und anderen Familienmitgliedern.

Zischup: Wann fängt häusliche Gewalt an?
Frauenhaus: Es fängt schon bei Beleidigungen oder Bedrohungen an, wie zum Beispiel "Du bist nichts wert" oder "Du wirst es nie zu etwas bringen". Die Beleidigungen und Bedrohungen können so weit gehen, bis es zur körperlichen Gewalt kommt. Es kann auch sein, dass der Partner soziale Kontakte verbietet. Oder es geht bis zum Stalking, also dass der Partner einen überall bewacht, oder dass der Partner nur wenig oder auch gar kein Geld zur freien Verfügung überlässt. Es geht bis zu sexueller Gewalt.


Zischup: Gibt es auch Männer, die misshandelt oder vergewaltigt werden?
Frauenhaus: Ja, die gibt es auf jeden Fall. Es gibt sie aber nur in kleiner Anzahl. Im Fall von häuslicher Gewalt geht die Gewalt meistens vom Mann zur Frau, es geht aber auch andersrum. Oder auch, dass beide Partner sich gegenseitig verletzen.

Zischup: Welche Strafe droht bei häuslicher Gewalt?
Frauenhaus: Das ist sehr unterschiedlich. Oft sind die Frauen erstmal froh, wenn sie aus der Situation raus sind, weil sie die Lage oft nicht mehr aushalten können. Es kommt natürlich auch auf die Beweislage an. Bei psychischer Gewalt steht immer Aussage gegen Aussage. Bei körperlicher Gewalt muss die Frau die Vorfälle möglichst beweisen können, dann kann man schauen, welche Strafe droht.

Zischup: Was ist eine seelische Misshandlung?
Frauenhaus: Eine seelische Misshandlung ist zum Beispiel eine Beleidigung oder Bedrohung, zum Beispiel dass einem das Handy weggenommen oder kontrolliert wird, oder auch dass soziale Kontakte oder Medien verboten werden.

Zischup: Welches Alter haben die meisten Frauen im Frauenhaus?
Frauenhaus: Es ist unterschiedlich, aber die meisten sind in der Altersgruppe zwischen 25 und 50 Jahren. Die Frauen dürfen ab 18 Jahren in das Frauenhaus kommen. Bei den Tätern ist die Altersgruppe auch so zwischen 25 und 50 Jahren, aber das ist natürlich unterschiedlich.

Zischup: Welche Nationalität haben die meisten Frauen im Frauenhaus?
Frauenhaus: Es ist ganz bunt durchmischt. Deutsch ist natürlich sehr stark vertreten, aber auch viele Frauen aus den arabisch sprechenden Ländern. Es ist quasi alles dabei.

Zischup: Gibt es auch Frauen, die mit Kindern da sind?
Frauenhaus: Da gibt es ganz viele. Wir sind ein Frauen- und Kinderschutzhaus, das heißt, dass die Kinder auch unter häuslicher Gewalt leiden. Aber nicht alle Kinder sind direkt von seelischer oder körperlicher Gewalt durch den Vater oder andere Familienmitglieder betroffen.


Zischup: Gibt es auch Männerhäuser?
Frauenhaus: Ja, es gibt auch Männerhäuser, aber nicht sehr viele. Es gibt auch nicht sehr viele Plätze dort, weil nicht viele Männer davon betroffen sind.

Zischup: Hat sich die häusliche Gewalt in der Corona-Zeit vermehrt?
Frauenhaus: Wir in Freiburg haben keinen Anstieg gemerkt. Aber generell ist es sehr unterschiedlich. Ein, zwei Wochen kommen sehr viele Anfragen und dann wieder nicht. In Offenburg hat das Frauenhaus berichtet, dass sie einen Anstieg hatten. Wir sind der Meinung, dass es in der Corona-Zeit viel mehr Möglichkeiten gibt für häusliche Gewalt, weil man zu Hause sitzt und dann eher Konflikte entstehen. Außerdem wird das dann nicht so schnell entdeckt, weil zum Beispiel die Kinder in der Kita nicht erzählen können, dass der Papa die Mama schlägt, weil der Kindergarten ja geschlossen hatte.

Zischup: Wie stößt man auf solche Internetseiten wie ihre?
Frauenhaus: Auf unsere Seite wird man aufmerksam, wenn man sich mit dem Thema auseinandersetzt und zum Beispiel "Frauenhaus Freiburg" googelt. Oder bei Ärzten und Beratungsstellen – dort liegen auch oft Flyer von uns.