Zwischen Lebensfreude und Melancholie

Hans-Peter Schmidt

Von Hans-Peter Schmidt

Mo, 14. Oktober 2019

Freiamt

Die Klezmer-Gruppe Mischpoke in der Freiämter Kochschule.

FREIAMT. Drei Frauen und ein Mann, die sich als Band Mischpoke nennen, waren aus Hamburg nach Freiamt gekommen, um in der gemütlich-familiären Alten Kochschule ihre Klezmer-Musik zu präsentieren. Der Raum war voll besetzt.

Die Klezmer Musik hat ihre Wurzeln wahrscheinlich schon in biblischen Zeiten in der Gegend zwischen Euphrat und Tigris. Zur Zeit führt dort die Türkei Krieg gegen die Kurden. Die Sprache der Klezmer Musik ist Jiddisch. Manche Wörter sind deutschen sehr ähnlich, sodass man die Sprache teilweise auch ohne Jiddisch-Kenntnisse verstehen kann. Der Name der Band, "Mischpoke" stammt aus dem Jiddischen und bedeutet so viel wie Familie, Gesellschaft, Sippschaft. Im Deutschen hat der Ausdruck manchmal auch eine leicht abfällige Bedeutung für die ungeliebte Verwandtschaft.

Die vier Mitglieder dieser Mischpoke jedoch hatten eine Botschaft mitgebracht, die bei ihren Zuhörern auf offene Ohren traf. Magdalena Abrams, Klarinette, Bassklarinette & Gesang, Cornelia Gottesleben, Violine, Maria Rothfuchs, Kontrabass, Frank Naruga, Gitarren, sind allesamt vorzüglich ausgebildete Musiker. Sie boten in Freiamt, wie schon in großen Konzertsälen ein Konzert erster Güte. Schnell merkte man, dass Klezmer hauptsächlich da gespielt wird, wo es was zu feiern gibt. Hochzeiten zum Beispiel sind beste Gelegenheiten, bei denen überall auf der Welt Klezmermusik gespielt und dazu getanzt wird. Es gibt aber auch melancholische Momente, manche Lieder handeln von Abschied und Einsamkeit, andere erinnern daran, worauf es wirklich ankommt: Gesundheit und Lebensfreude braucht man, Geld und Besitztümer sind eher nicht so wichtig. Vor allem Magdalena Abrams Stimme sorgte für einen gefühlvollen Ton. Verwandt ist Klezmer mit Musik aus Rumänien, von Sinti und Roma, auch ein serbisches Lied war im Programm. Elemente dieser Musik werden immer wieder eingestreut, auch jazzige und klassische Sequenzen sorgten immer wieder für Überraschungsmomente. Die Begeisterung der Band übertrug sich im Nu auf das Publikum und wuchs im Laufe der Zeit.

Viele Sequenzen wurden mit einer unglaublich hohen Geschwindigkeit gespielt, Klarinette und Violine überholten sich gegenseitig und im Wechsel im strengen Galopp, während der Kontrabass und die Gitarren einen soliden Rhythmus aufrechterhielten. Auch sie wurden mit viel Abwechslung und Spielfreude eingesetzt. Mit jedem Schritt und Ton wurde die Botschaft der Musik spürbar.

In der Pause gab es Zwiebelkuchen, neuen Süßen und frische Luft. Auch das ist etwas Besonderes in der Freiämter Alten Kochschule. Die kleine Bühne hat eine ausgezeichnete Akustik und es gibt einen engen Kontakt zwischen Musikern und Publikum. Die Musiker bedankten sich am Ende für die Begeisterung, mit der das Publikum die Lieder und Songs aufgenommen hat. Es gab zwei Zugaben, und viele hätten gerne noch mehr gehört. Im Publikum saß erstmals bei einem Mischpoke-Konzert der Jiddisch-Berater seiner Tochter und der Band, der langjährige Emmendinger Augenarzt Gottesleben. Seine Tochter hatte ihn vor Jahren zum Klezmer-Festival nach Weimar mitgenommen und er war so begeistert, dass er Jiddisch lernte. Man kann das Konzert auch als Aufruf verstehen, sich überall auf der Welt für den Frieden einzusetzen und den Juden in Deutschland mit Respekt und Anerkennung gegenüber zu treten.