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Freiburg: Pilotstadt für Verkehrssicherheitskampagne

Michael Sträter

Von Michael Sträter

Mi, 04. Juli 2012 um 18:55 Uhr

Georg Herffs, Verkehrsplaner und Abteilungsleiter Verkehrsplanung im Garten- und Tiefbauamt der Stadt Freiburg, erläutert im BZ-Gespräch die Kampagne "Rücksicht im Straßenverkehr" und warum Freiburg Pilotstadt für diese Aktion ist.

Bereits heute legen die Freiburger mehr als ein Viertel aller innerstädtischen Wege mit dem Zweirad zurück. Im Zuge einer umweltfreundlicheren Verkehrspolitik soll dieser Anteil noch höher, das Fahrrad innerstädtisches Verkehrsmittel Nummer eins werden. Da ist es aber auch wichtig, Verkehrsteilnehmer für die damit einhergehenden Veränderungen zu sensibilisieren. Die Kampagne "Rücksicht im Straßenverkehr" trägt diesem Gedanken Rechnung. Verkehrsplaner Georg Herffs erläuterte im Gespräch mit BZ-Redakteur Michael Sträter, warum Freiburg Pilotstadt für diese Aktion ist.

BZ: Seit rund sechs Wochen wird unter anderem auf Plakaten in der Stadt für mehr Rücksicht im Straßenverkehr geworben. Freiburg ist neben Berlin eine der Pilotstädte für diese Aktion. Warum?
Herffs: Die Ausgangslage ist sehr einfach: Es ist politisch gewollt, dass immer mehr Menschen das Rad nutzen. Andererseits stellen wir fest, dass Radfahrer überproportional häufig in polizeilich registrierte Unfälle mit Personenschäden verwickelt sind, in Baden-Württemberg sind wir da leider Spitzenreiter. Aber das hört sich dramatischer an, als es ist. Natürlich ist jeder Unfall einer zu viel, aber wenn wir die zurückgelegten Wege im Verkehr als Grundlage nehmen, dann ist die Zahl der Unfälle mit Radfahrern nicht größer als die bei Autofahrern oder Fußgängern. Wichtig ist: Rad fahren ist nicht per se gefährlich.

BZ: Woran liegt aber diese Häufung?
Herffs: Diesbezüglich hat die Stadt Freiburg entsprechende Unfallanalysen erstellen lassen. Das Interessante daran: Es ließen sich keine Häufigkeitspunkte in der Stadt ausmachen, wohl aber konnte eine Prioritätenliste für bauliche Maßnahmen erstellt werden, um Schwachpunkte in der Infrastruktur zu beheben.

BZ: Haben Sie ein Beispiel?
Herffs: Etwa die Eschholzstraße. Dort lag der Radweg hinter dem Parkstreifen, Radfahrer wurden von den Autofahrern kaum oder gar nicht gesehen. Und so war etwa das Rechtsabbiegen eines Autofahrers stets eine mögliche Unfallursache. Indem der Radweg nun vor den Parkstreifen verlegt wurde, sind die Radfahrer dem Autofahrer präsent, er kann nun entsprechend vorsichtig fahren.

BZ: Warum braucht es trotz Anpassung der Infrastruktur dann diese Kampagne?
Herffs: Wir haben festgestellt, dass es eine Art Bodensatz von Unfällen gibt, die nicht örtlich zuzuordnen sind. Solche Unfälle geschehen durch Unachtsamkeit, weil Verkehrsregeln nicht beachtet werden oder weil zu wenig Rücksicht genommen wird. Hier kann die Stadt nicht durch bauliche Maßnahmen entgegenwirken, sondern sie muss für ein Miteinander sensibilisieren.

BZ: Wen soll die Kampagne erreichen?
Herffs: Grundlegend muss festgestellt werden, dass nicht der Zeigefinger erhoben und Radfahrer oder Autofahrer in die Rolle des Sündenbocks gedrängt werden.Wir wollen erreichen, dass alle, also auch Fußgänger und Autofahrer, ihr eigenes Verhalten im Straßenverkehr hinterfragen. Jeder ist für sein Verhalten verantwortlich, Rücksichtslosigkeit gefährdet einen selbst als auch andere. Uns kommt es besonders auf den Aspekt der Rücksicht an, die übrigens im Paragrafen eins der Straßenverkehrsordnung ausdrücklich von Verkehrsteilnehmern eingefordert wird.

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