Trauriger Trend

Beim Stadtteilfest in Landwasser beteiligen sich immer weniger Ehrenamtliche

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Di, 23. Juli 2019 um 14:24 Uhr

Freiburg

Alle zwei Jahre findet das Stadtteilfest in Landwasser statt. Die Vereine finden immer weniger Helfer, die mitmachen wollen. Und es kommen immer weniger Gäste.

Vieles war wie immer beim Stadtteilfest in Landwasser, das am vergangenen Wochenende wie jedes zweite Jahr zweieinhalb Tage lang stattfand. Doch zwei Trends enttäuschten die Engagierten rund um den Bürgerverein, die Sportgemeinschaft Landwasser und die Narrenzunft Mooswaldwiibli: Sie finden immer weniger Helferinnen und Helfer – nur 15 bis 20 von allen drei Vereinen haben sich gemeldet, sagt Dieter Dormeier, der Vorsitzende vom Bürgerverein. Und es kommen weniger Gäste – diesmal vielleicht auch wegen vieler anderer Feste zeitgleich.

Am Sonntagnachmittag ist es ziemlich ruhig bei den Tischen und Bänken zwischen Einkaufszentrum und Haus der Begegnung. Doch für Hadija, Marie, Sarah (alle 6), Franziska (7) und acht andere Mädchen von der Kindertanzgruppe der Sportgemeinschaft Landwasser ist alles aufregend: Sie haben ihren ersten größeren Auftritt. Alle tragen schwarze Oberteile und braune Röcke und haben geschminkte Gesichter, mit denen sie wie kleine Löwinnen aussehen. Denn ihre Trainerin Eva-Maria Wolf liebt den Film "Der König der Löwen" und hat ihre Mädchen deshalb eine passende Szene einstudieren lassen. Der Auftritt ist gleichzeitig ein Abschied – Eva-Maria Wolf, die vor acht Jahren beim Geräteturnen der Sportgemeinschaft einstieg und zuletzt Trainerin in mehreren Bereichen war, studiert ab Herbst Sonderpädagogik in Heidelberg. "Beim nächsten Sommerfest komme ich aber zu Besuch", verspricht sie ihren Tänzerinnen.

Vor allem ältere Stadtteilbewohner besuchen das Fest

Später treten noch Rock’n’Roll-Tänzer vom Verein TTC Rotweiß auf, ansonsten gibt’s Essen und Getränke, das meiste stammt von Caterern. Nur den Stand mit Crepes und Waffeln und den Kuchenverkauf drinnen im Zentrum der evangelischen Zachäusgemeinde stemmen die Ehrenamtlichen selber – mehr sei mit den begrenzten Helfern nicht möglich, bedauert Dieter Dormeier. Die meisten langjährigen Fest-Unterstützer seien inzwischen in die Jahre gekommen. Zwar habe es am Samstag extra ein Musik-Programm gegeben, das gezielt Jüngere ansprach, doch am meisten los gewesen sei während des gesamten Wochenendes beim ökumenischen Gottesdienst am Sonntagvormittag, zu dem die vielen Älteren im Stadtteil gekommen seien.

"Wir treffen hier immer alte Bekannte – aber es werden immer weniger." Rosa Tretow aus Landwasser
Einige Ältere sind auch nachmittags da, so wie Rosa und Peter Tretow, die auch beim Fassanstich mit Finanzbürgermeister Stefan Breiter am Freitagabend dabei waren: "Wir treffen hier immer alte Bekannte – aber es werden immer weniger", erzählt Rosa Tretow. Sie und ihr Mann leben seit 50 Jahren in Landwasser, dieses Stadtteilfest ist für sie etwas Besonderes: "Vielleicht ist es das letzte, weil das Einkaufszentrum abgerissen wird."

Allerdings könne es eventuell sogar während der Umbauzeit weitergehen, weil der Platz vielleicht nicht beansprucht werde, sagt Dieter Dormeier. Genau wie er ist auch Dagmar Schompeter-Monz, die beim Bürgerverein und den "Mooswaldwiibli" engagiert ist, das ganze Fest-Wochenende über im Einsatz: Sie sorgt für den Teig für die Crepes und Waffeln und verkauft sie auch. Von 15 Kilo Mehl hat sie 14 bereits verbraucht. Sie ist froh, dass zumindest einige Tische besetzt sind: "Bei gähnender Leere sinkt die Motivation."