Buntes Freiburg

Beim "Summer Graffiti Jam" wurde ordentlich Farbe in den Alltag gebracht

Caroline Bingenheimer

Von Caroline Bingenheimer

So, 21. Juli 2019 um 20:05 Uhr

Freiburg

Die Dreisamwand bei der Schwabentorbrück und umliegende Flächen sind am Wochenende neu gestaltet worden. Es war bereits der dritte "Summer Graffiti Jam" in Freiburg.

"Graffiti zu übermalen, bringt nichts – dadurch werden nicht einmal die Symptome bekämpft. Gesellschaftliche Missstände werden durch graue Wände nicht behoben, da muss man woanders ansetzen", sagte Eduard Kasper am Samstag. Der 38-Jährige war einer von 30 Künstlern, die beim dritten "Summer Graffiti Jam" mitmachten.

Unter dem Motto "Safety Colors" wollten sie zeigen, dass Graffiti nicht mit Angst und Unbehagen, sondern mit Lebendigkeit, Kunst und Kommunikation in Verbindung gebracht werden sollten.

14 legale Graffitistellen in Freiburg

Viele Passanten, die am Samstagnachmittag an der Grenze der Stadtteile Innenstadt, Oberau und Wiehre über die Schwabentorbrücke fuhren oder die Unterführung zur Hildastraße durchquerten, blieben neugierig stehen und betrachteten die Sprayer. "Insgesamt gibt es in Freiburg 14 ausgewiesene Graffitistellen, einige hier direkt am Dreisam-Radweg. Dort darf jeder ganz legal sprayen, in der Unterführung ist das nicht gestattet, aber das Tiefbauamt hat sie für uns heute freigegeben", erklärte Darwin Zulkifli. Er ist Vorsitzender des Vereins "Kulturaggregat", der den Graffiti Jam organisierte. In der Veranstaltung stecke viel Herzblut, so Zulkifli.

Das 20-köpfige Team des Aggregats habe im Vorfeld alle Wände schwarz grundiert und Künstler aus der näheren Umgebung, aber auch aus Berlin, Stuttgart und Bulgarien eingeladen. Viele Leute fühlten sich unsicher und bedroht, wenn sie durch eine Unterführung liefen, an deren Wände Graffiti seien, berichtete der Vorsitzende. "Diesem Gefühl wollen wir entgegenwirken. Beim Sprayen geht es darum, den öffentlich Raum zurückzuerobern. Wenn ich in der Stadt an einer riesigen Werbeplakatwand vorbeilaufe, muss ich die Werbung darauf auch anschauen, obwohl ich das oft gar nicht will", so Darwin Zulkifli.

"Ich bezweifle, dass durch viele einheitlich graue oder weiße Flächen Sicherheit in einer Stadt entsteht." Eduard Kasper
Andrea Körber war eine der Passantinnen, die zufällig vorbeiradelte. Mit ihrer Tochter hielt sie an, hörte der Hip-Hop Livemusik zu und begutachtete die Werke: "Ich finde diese Blockparty super. Freiburg braucht auch solche nicht-kommerziellen Veranstaltungen. Das ist mal was anderes als das Weinfest oder der Megasamstag." Was sie nerve, seien Tags (kurze Buchstabenfolgen), mit denen die Kunstwerke oft übersprüht würden.

"Mit Grau kommt die Sicherheit" steht neben der Karikatur von Eduard Kasper. Die graue Eminenz, in Form eines Skelettes, reitet auf einem grauen Chamäleon. Kasper ist einer der wenigen, der Charaktere gesprayt hat, der Großteil der Künstler hat Buchstaben auf die Wände gesetzt. "Graffiti ist für mich Farbe im öffentlichen Raum – auch Comics oder Karikaturen. Ich bezweifle die Aussage, dass durch viele einheitlich graue oder weiße Flächen Sicherheit in einer Stadt entsteht", so Kasper, der hauptberuflich als Künstler arbeitet. Ähnlich sieht das der 20-jährige Lahrer Dennis Karotsch: "Viele Leute sind einfach kleinkariert und festgefahren, sie sehen die Kunst in den Buchstaben nicht."

Parallel zur Open-Air-Veranstaltung stellten einige Künstler ihre Werke auch in den Räumen des Kulturaggregats in der Hildastraße 5 aus. Die Ausstellung läuft bis Dienstag, 20. August. "Wie lange die Graffiti an der Dreisamwand noch zu sehen sind, ist schwer zu sagen. Schließlich ist das ein öffentlicher Raum, den jeder gestalten darf. Wem die Werke gefallen, der soll sich gerne beim Kulturaggregat melden. Wir sind immer auf der Suche nach freien Wänden, um die Stadt etwas schöner zu machen", betonte Darwin Zulkifli.