Bauschen & Biegen

Bettina Wilpert liest am heutigen Donnerstag in Freiburg aus ihrem Romandebüt "Nichts, was uns passiert"

Sarah Metzger

Von Sarah Metzger

Do, 18. Juli 2019 um 12:39 Uhr

Freiburg

Bettina Wilperts Debütroman "Nichts, was uns passiert" widmet sich einer der großen Debatten unserer Zeit. Am Donnerstag liest sie im Rahmen der Freiburger Lesereihe "bauschen und biegen".

Eine Studentin sagt, sie sei von einem Kommilitonen vergewaltigt worden. Der aber sagt, es sei einvernehmlicher Geschlechtsverkehr gewesen. So einfach die Prämisse zum Debütroman von Bettina Wilpert klingt, so komplex sind die Folgen für Protagonisten, Freundeskreis und Gesellschaft. Aus ihrem preisgekrönten Buch wird die Leipziger Autorin am Donnerstag im Rahmen der Lesereihe "bauschen und biegen" vortragen.

Eine Lesereihe, die Raum für Debatten geben will

Begonnen hat die Lesereihe im März mit einer Lesung von Hengameh Yaghoobifarah und Fatma Aydemir im damals noch bestehenden White Rabbit zu Diskriminierung, Rassismus und einem problematischen Heimatbegriff. Dass auch dieses Mal wieder ein kontroverses Thema auf dem Programm steht, ist Teil des Konzepts: "Wir sind ganz bewusst politisch, weil wir glauben, dass Literatur in diesen Debatten neue Perspektiven schaffen kann, und gerade durch das Fiktionale neue Denkanstöße bietet", erklärt Clara Kopfermann. Die 30-Jährige kuratierte mit Frederik Skorzinski drei Jahre die Lesereihe "Zwischenmiete", bevor beide mit Fabienne Fecht "bauschen und biegen" ins Leben riefen: "Wir wollten eine unabhängige Lesereihe als Konstante schaffen."

Der Titel der Lesereihe ist an eine Lyrikzeile des deutschen Schriftstellers Farhad Showghi angelehnt und beschreibt, was an den Abenden passiert – Themen werden aufgebauscht, Texte in Richtung einer gesellschaftlichen Debatte gebogen und Literatur hin zum öffentlichen Raum. "Wir versuchen mit unserer Lesereihe ein niederschwelliges Angebot für alle zu schaffen", so Kopfermann. Man wolle Lesungen stärker als Medium des sozialen Diskurses etablieren.

Im Unterschied zu anderen Lesereihen sucht "bauschen und biegen" seine Texte in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur und bringt deren Autorinnen und Autoren ins Gespräch mit Experten aus der Praxis. Am Donnerstag werden dies die Freiburger Anwältin für Sexualstrafrecht Claudia Meng, sowie Anna-Sophia Clemens vom Awareness-Team des mit der Lesereihe assoziierten Vereins "samt & sonders" sein.

Thematisch werden sie sich damit beschäftigen, wie ein gesellschaftlicher Umgang mit Grauzonen der sexuellen Gewalt aussehen kann, sagt Kopfermann. Dieses Thema werde in "Nichts, was uns passiert" besonders thematisiert: Als etwas, das uns direkt betreffe, und das im persönlichen Umfeld stattfinden könne.
Termin

Bettina Wilpert: "Nichts, was uns passiert", Lesung und Diskussion , Donnerstag, 18. Juli, 20 Uhr, Außenbereich der Mensa Institutsviertel, Stefan-Meier-Straße 28