Freiburg-Haslach

Bewohner von Gutleutmatten kritisieren Energie- und Verkehrskonzept – und vermissen Geschäfte

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Sa, 07. Dezember 2019 um 17:00 Uhr

Freiburg

Es sollte Freiburgs neues Vorzeigeprojekt werden: das Quartier Gutleutmatten im Stadtteil Haslach. Doch zum Vorzeigen tauge das Neubaugebiet nicht, urteilen viele Bewohner.

Einiges sei schiefgelaufen, meinten viele Bewohner von Gutleutmatten beim Bürgergespräch, von der Vermarktung über das Energiekonzept bis zur fehlenden Infrastruktur. Das Rathaus stellte sich mit großer Besetzung den Fragen der Bürger – und räumte dabei auch Fehler ein. Aus ihnen wolle die Verwaltung lernen.

Neben Baubürgermeister Martin Haag saßen drei Amtsleiter und ein stellvertretender Amtsleiter auf dem Podium. Die Diskussion verlief sachlich, aber den rund 40 Anwesenden – in der großen Mehrzahl Bewohner von Gutleutmatten, wo inzwischen rund 1000 Menschen leben – war der Unmut anzumerken.

Das Top-Reizthema im Gebiet links und rechts der Eschholzstraße ist das Energiekonzept, das besonders innovativ sein soll, aber inzwischen sogar bundesweit in die (Negativ-)Schlagzeilen geraten ist (die BZ berichtete mehrfach). Auch bei der Versammlung klagten mehrere Bewohner über die Kosten, die höher lägen als in ihren alten Wohnungen.

Sie habe früher in einem Haus aus dem Baujahr 1975 gelebt, berichtete eine Frau. Jetzt, im modernen, gutgedämmten Neubau in Gutleutmatten, habe sie 45 Prozent höhere Heizkosten: "Das kann doch nicht sein." Die Stadtverwaltung blieb jedoch bei ihrem Standpunkt, dass das Energiekonzept nicht überteuert sei. Umweltschutzamtsleiter Klaus von Zahn zitierte aus einer Studie des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) aus dem Jahr 2017, wonach die Kosten für die Kilowattstunde im Bereich von anderen umweltfreundlichen Heizsystemen wie Wärmepumpen oder Blockheizkraftwerken liegen.

Nach Meinung der Bewohner völlig schiefgelaufen ist auch das Verkehrskonzept – dieses sei ein Rückschritt zum Autofrei-Ansatz im Stadtteil Vauban. "Bei uns steht die halbe Garage leer", sagte ein Mann. Über die Stellplatzfrage habe es im Vorfeld viele Diskussionen gegeben, erinnerte sich Markus Schupp vom Lokalverein Haslach, der zu dem Abend eingeladen hatte. Vor allem die Bewohner der benachbarten Gartenstadt hätten für einen klassischen Stellplatzschlüssel votiert, weil sie befürchteten, dass sonst ihre Straßen durch die Gutleutmatten-Bewohner zugeparkt werden.

Im Alltag vermissen die Bewohner von Gutleutmatten vor allem Geschäfte

In zukünftigen Baugebieten wolle die Stadtverwaltung eher auf flexiblere Konzepte und Quartiersgaragen setzen, sagte Haag. Die vielen Stellplätze seien aber nicht nur überflüssig, sondern zudem auch völlig überteuert, meinten die Bewohner. "Wir haben 35 000 Euro gezahlt", sagte ein Mann. Zu Problemen sei es vor allem bei einer gemeinsam genutzten Tiefgarage der Baugruppen gekommen, räumte Bruno Gramich, Leiter des Amts für Liegenschaften und Wohnungswesen, ein: "Das ist auch unserer Meinung nach nicht befriedigend verlaufen, da braucht man nichts schön zu reden."

Im Alltag vermissen die Bewohner von Gutleutmatten vor allem Geschäfte. Nicht einmal einen Bäcker oder ein Café gebe es im Gebiet. Das sei bewusst so geplant worden, sagte Haag, um keine Konkurrenz zum Haslacher Nahversorgungszentrum aufzubauen.

Die Kritik reichte aber auch weit in die Vergangenheit: Die Bewohner erinnerten an das langwierige Vermarktungskonzept. "Es war ein langer Leidensweg, bis wir das Grundstück hatten", sagte eine Frau. Die Stadtverwaltung habe ein "faires und transparentes Verfahren" gewollt, erklärte Haag, gleichzeitig habe es hohe Anforderungen gegeben, auch vom Gemeinderat, zudem hätte es zahlreiche Interessenten für die Grundstücke gegeben. Die Entscheidungen zu treffen, habe viel Zeit in Anspruch genommen, so Haag: "Daraus müssen wir für die Zukunft lernen."

Bei aller Kritik: Eine lobende Stimme gab es in der zweistündigen Versammlung auch. Es sei gut gewesen, so sagte eine Frau, dass die Bewohner in die Planungen der Spielplätze einbezogen worden seien. Das Neubaugebiet ist inzwischen fast fertiggestellt. Die finalen Arbeiten an Straßen und Plätzen sollen im kommenden Jahr erfolgen.