Tagespflegestätten

Bürokratische Hindernisse erschweren flexible Kinderbetreuung

Elisa Engler

Von Elisa Engler

Di, 26. März 2019 um 11:29 Uhr

Freiburg

Tagespflegeplätze in Freiburg sind knapp. Die Nachfrage ist höher als die Aussicht auf Vermittlung. Bei einem Tag der offenen Tür haben Einrichtungen der Kindertagespflege über ihre Arbeit informiert.

Einrichtungen der Kindertagespflege haben am vergangenen Samstag ihre Türen geöffnet, um Eltern und Kindern einen Einblick in die flexible Kinderbetreuung zu gewähren, um angehende Tagesmütter und -väter zu informieren, aber auch, um von ihren Sorgen zu berichten.

Farbenfroh sind die Räumlichkeiten der Kindertagespflegestätte der Stadtgartenknirpse in der Erasmusstraße. Auf der Wandtapete am Eingang sind farbige Handabdrücke der Kinder zu sehen, die hier in der Betreuungsgruppe der Stadtgartenknirpse in Teilzeit zuhause sind oder es waren. Ein herzlicher Gruß von denjenigen, welche die direkten Empfänger der Dienstleistung einer Kindertagespflegestelle sind, die aber zum Glück wenig mitbekommen von den bürokratischen Hindernissen, die Tagespflegepersonen auf sich nehmen müssen, um die Betreuung überhaupt zu gewährleisten.

Mehr Nachfrage als Platz in Kindertagespflegestätten

So angenehm lebhaft wie die Gestaltung der Räume hier ist, so herzlich fällt der Empfang aus – auch wenn die meisten Interessenten, die sich heute, am Tag der offenen Tür in dieser Kindertagespflegestätte, einen zukünftigen Platz für ihren Nachwuchs erhoffen, ernüchtert entlassen werden müssen. Denn die Nachfrage für einen Tagespflegeplatz in Freiburg ist weit höher als die Aussicht auf Vermittlung.

Hildegard Mayer, Mutter von zwei Kindern und Tagesmutter bei den Stadtgartenknirpsen versteht die Enttäuschung der Abgelehnten. "Sie sind willkommen, sich zu informieren, aber die Chance auf einen freien Platz geht leider gegen Null", erklärt sie offen. Obwohl Kindertagespflege der institutionellen Kinderbetreuung gesetzlich gleichgestellt ist, betreiben die Stadtgartenknirpse keine Werbung. Diplompädagogin Cornelia Hösl-Kulike fasst zusammen: "Wenn man keine Plätze anbieten kann, dann darf man auch keine Wurst ins Fenster hängen."

Die Vergütung für Tagesmütter und -väter soll steigen

Dass die Plätze knapp sind, hat mehrere Ursachen: Mangel an geeigneten Räumlichkeiten wegen diverser baurechtlicher Vorschriften oder die geringe Bezahlung der Tagesmütter oder -väter, sind nur zwei Beispiele. Um eine vernünftige Existenzgrundlage für Tagespflegestellen zu schaffen, hat die Fachberatung Kindertagespflege des Tagesmüttervereins Freiburg Forderungen gestellt: Einen Mietzuschuss für Tagespflege in anderen geeigneten Räumen; die Bereitschaft, derartige Räume in die Planung neuer Wohngebiete mit einzubeziehen; bezahlter Bildungsurlaub für Tagespflegepersonen sowie – bis 2021 – ein Anheben der Vergütung von 6,50 auf 7,50 Euro pro Kind und Stunde.

Auch die strengen Regelungen zur Krankheitsvertretung erschweren die Arbeit: Wird bei einem Team von pädagogischer Fachkraft und Tagesmutter die Fachkraft krank und es findet sich keine weitere Fachkraft als Vertretung, dürfen zwei Tagesmütter nur sieben anstelle von den sonst gemeldeten neun Kindern gemeinsam betreuen. "Da kann man nur hoffen, dass auch gleichzeitig ein Kind krank ist," scherzt Cornelia Hösl-Kulike, und jeder der Anwesenden versteht die Ironie.

Am 1. April findet ein Infotag zur Qualifizierung zur Pflegeperson statt, damit künftig noch mehr kunterbunte Kinderhandabdrücke die Wände der Kindertagespflege-Einrichtungen zieren können.
Qualifizierungskurs

Der Qualifizierungskurs für Tagesmütter und Tagesväter, Beginn 1. April, Talstraße 29. Interessenten haben (nach Anmeldung) die Möglichkeit, sich von 19.30 Uhr bis 21.45 Uhr unverbindlich über das Berufsbild zu informieren. Weitere Infos und Anmeldung: www.kinder-freiburg.de