Freiburg

Der ehemalige Monrose-Star Bahar Kizil macht jetzt Straßenmusik

Otto Schnekenburger

Von Otto Schnekenburger

Mo, 08. Juli 2019 um 07:32 Uhr

Freiburg

Der Sonntag 13 Jahre liegt der Hype nun schon zurück. 2006 wurde die Freiburgerin Bahar Kizil in die Casting-Band Monrose berufen. Dieses Kapitel ist längst geschlossen, Musik aber macht sie immer noch.

Straßenmusik, begleitet nur von einem Gitarristen. Was gespendet wird, bekommen Kinderhospize. Mehr als 10 Jahre nach ihren großen Erfolgen in der Castingband Monrose präsentiert sich die Freiburger Sängerin Bahar Kizil auf einer Deutschland-Tour, die sie auch nach Freiburg führt, von einer neuen Seite.

Nach vier Studioalben war das Kapitel Monrose beendet

Ein Blick zurück: Von 5 000 Mädchen, die gerne in der Nachfolgeband der No Angels gesungen hätten, wurden am Ende des Jahres 2006 drei für Monrose ausgewählt, Bahar Kizil war unter ihnen. Gleich mit der ersten Single "Shame" knackte die Band damals einen Verkaufsrekord: Im Bereich der legalen Musikdownloads gab es bis dahin keinen Titel, der in der ersten Woche nach seinem Erscheinen öfter heruntergeladen wurde. Monrose blieb neben den No Angels eine Castingband, die auch nach ihrem Debüt große Charterfolge verbuchen konnte, nach insgesamt vier Studioalben löste sich die Band 2011 dennoch auf.

Auch abseits von Monrose war immer wieder einmal von Bahar Kizil zu hören. Im sich an das 2. Buch Mose anlehnenden Pop-Oratorium "Die zehn Gebote" sang und verkörperte sie in der ausverkauften Dortmunder Westfalenhalle sowie in weiteren Großstädten die Hauptrolle von Moses’ Ehefrau Zipporah. Viel Aufmerksamkeit wurde ihr zuteil, als sie bei der TV-Tanz-Show "Dance Dance Dance" im Duett mit der ehemaligen No-Angels-Sängerin Sandy Mölling den zweiten Platz belegte.

"Ich habe bislang zu wenig nach links und rechts geschaut, ich habe zu oft gemacht, was andere von mir wollten." Bahar Kizil
Musikalisch sieht sich die mittlerweile 30-Jährige 2019 mehr denn je auf der Suche, das verdeutlichte auch die Trennung von ihrem Management vor einem Jahr. "Ich habe bislang zu wenig nach links und rechts geschaut, ich habe zu oft gemacht, was andere von mir wollten", sagt Kizil. Ein krasses Beispiel hierfür war das 2014 erschienene Soloalbum "Bullets of Love", das sie nie auf einem Livekonzert vorstellte. Herumgeschubst und zugleich in wichtigen Momenten im Stich gelassen fühlte Bahar Kizil sich von vielen Leuten, die sie bei dieser Produktion umgaben. Auch auf die Monrose-Zeit blickt sie mit gemischten Gefühlen zurück. Klar war es auch eine schöne und wichtige Zeit. "Aber wir waren nur am Funktionieren, wir sind quasi in der Band erwachsen geworden, mussten hinterher erst einmal durchatmen." Bahar Kizil zieht Max Herre als Gegenbeispiel heran. "Der sitzt ein Jahr an einem Album, und wenn er dann noch Sachen entdeckt, die ihm nicht gefallen, wird immer noch mal nachgebessert. Wir dagegen haben 14 Songs in 14 Tagen eingespielt."

Selbst zu Bandkollegin Mandy Capristo, mit der sich eine enge Freundschaft entwickelte, hatte Bahar Kizil so nach Bandende lange keinen Kontakt mehr. Das ist mittlerweile wieder anders geworden. Aber ein Monrose-Comeback ist für sie "ziemlich ausgeschlossen".

Vielseitig aufgestellt will Bahar Kizil künftig sein. Zu Beginn des Jahres spielte sie im Projekt "Traumfrequenz" mit einem Produzenten und dem Rapper Jonathan Jäkel ein paar Stücke ein. Deutsche Popmusik, mit Sprechgesang von Jäkel und dem melodischen Refrain von Bahar Kizil. "C’est ma vie", ihre aktuelle, selbst geschriebene Single, klingt sehr urban, hat aber auch einen orientalischen Einschlag. In der Zukunft will Kizil, deren Eltern aus der Türkei stammen, auch türkische Lieder singen. "Dazu ist eine ganz andere Art des Singens notwendig, mit mehr Volumen. Aber gerade das reizt mich auch."

Die neuen Songs werden auch bei den Auftritten auf der Straße zu hören sein. Außerdem alte Monrose-Hits wie "Shame" oder "Hot Summer". Und Coverversionen, etwa von Stevie Wonders " I Wish", von "Where Is the Love?" von den Black Eyed Peas oder von "Old Town Road" von Country-Sänger und Rapper Lil Nas X.

Über Berlin, Leipzig, Nürnberg und München führt der Weg lange Jahre nach dem letzten großen Freiburg-Konzert in die Freiburger Fußgängerzone. Schon seit Monrose-Zeiten ist Bahar Kizil Patin des Bundesverbands Kinderhospiz, das hat sie nach Bandende beibehalten. Ein Sponsor ermöglicht nun, dass sämtliche Erlöse der 13 Konzerte umfassenden Sommertournee Kinderhospizen zugutekommen werden.
Bahar Kizil, Charity Roadshow "PTA in Love – Summer Tour 2019", Freitag, 12. Juli, 12.30 bis 13.30 Uhr, Ecke Bertoldstraße/Niemensstraße, Freiburg. Das Konzert kostet keinen Eintritt, es werden Spenden für Kinderhospize gesammelt.