Klarstellung

Einfachwohnungen auf Premiumbauland in Freiburg sollen nicht nur für Flüchtlinge sein

Jelka Luisa Beule

Von Jelka Luisa Beule

Fr, 15. Februar 2019 um 12:43 Uhr

Freiburg

Die Aufregung war groß, jetzt stellt die Stadtverwaltung klar, dass die "Einfachwohnungen" in Ebnet, St. Georgen und Munzingen nicht nur für Flüchtlinge sein sollen – und ihr Bau erst noch geprüft wird.

Nach der großen Aufregung in den Stadtteilen St. Georgen, Ebnet und Munzingen wegen der geplanten "Einfachwohnungen" hat das Rathaus gestern in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz weitere Details bekannt gegeben. Es entstünden keine Übergangswohnheime, betonten die Bürgermeister Ulrich von Kirchbach und Stefan Breiter, sondern "ganz normale Wohnungen": Für Flüchtlinge, aber auch für andere Bevölkerungsgruppen. Geplant sind insgesamt 95 bis 110 Wohnungen in Gebäuden mit maximal drei Etagen.

Derzeit leben zwei Drittel der geflüchteten Menschen in Freiburg in Gemeinschaftsunterkünften – dort können und sollen sie nicht bleiben. Deshalb will das Rathaus eine noch bis Ende des Jahres geltende Sonderregelung des Bundes nutzen, die Bauvorhaben am Siedlungsrand vereinfacht. Obwohl im Gesetzestext ausdrücklich von der Unterbringung von "Flüchtlingen oder Asylbegehrenden" die Rede ist, will die Stadtverwaltung in den Häusern bis zu 50 Prozent Sozialwohnungen für andere Bevölkerungsgruppen unterbringen, da günstiger Wohnraum in Freiburg generell rar ist – und damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Die Durchmischung sei zudem für die Flüchtlingsintegration wichtig, betonte Katja Niethammer, Leiterin des Amtes für Migration und Integration. Rechtlich sehe das Rathaus keine Bedenken, die Sonderregelung aufzuweiten, erklärte Sozialbürgermeister von Kirchbach.

Gebaut werden soll am Fuße des Schönbergs in St. Georgen (15 bis 20 Wohnungen), in Ebnet südlich der Steinhalde (40 bis 45 Wohnungen) und in Munzingen am westlichen Ortsausgang (40 bis 45 Wohnungen). Die Flächen gehören der Stiftungsverwaltung, der Kirche und verkaufswilligen privaten Eigentümern und seien deshalb relativ leicht verfügbar, erklärte Bruno Gramich, Leiter des Amts für Liegenschaften und Wohnungswesen.

Die Planungen hatten in den drei Stadtteilen zu einem Aufschrei geführt – die Flächen liegen in exponierten Wohnlagen und zum Teil am Rand von Naturschutzgebieten (die BZ berichtete). Kritik gab es in den vergangenen Tagen auch an der Informationspolitik, sowohl vom Ortschaftsrat in Munzingen als auch von der CDU-Gemeinderatsfraktion.

Verwaltung sieht keine größeren Hindernisse

Die Stadträte habe die Verwaltung allerdings bereits im November 2018 informiert, sagte von Kirchbach, Veranstaltungen für die Bürger seien geplant (Ebnet: 18. März; Munzingen: 25. März; St. Georgen: 1. April; jeweils 19 Uhr, die Orte werden noch bekannt gegeben).

Finanzbürgermeister Breiter betonte, dass es sich bei den Einfachunterkünften "um ganz tolle Häuser mit ansprechender Architektur" handle. Die Stadtverwaltung widersprach auch Gerüchten, dass die Bauten bereits nach kurzer Zeit wieder abgerissen würden. "Das sind nachhaltige, qualitativ hochwertige Gebäude", sagte Magdalena Szablewka, Geschäftsführerin der Freiburger Stadtbau. Das städtische Tochterunternehmen will die Häuser in serieller oder modularer Bauweise mit vorgefertigten Elementen errichten. Das verringere die Kosten um 10 bis 20 Prozent, schätzte Szablewka, außerdem betrage die Bauzeit nur acht bis zehn Wochen.

Ob die drei Flächen tatsächlich bebaut werden können, muss noch geprüft werden – in St. Georgen und Ebnet ist der Naturschutz der Knackpunkt. Die Verwaltung gehe jedoch davon aus, dass es keine größeren Hindernisse gebe, sagte Umweltschutzamtsleiter Klaus von Zahn. Bürgermeister Breiter betonte zudem, dass die Befürchtungen aus St. Georgen, die Einfachwohnungen könnten den Weg frei machen für eine weitere Bebauung der Schönbergwiesen, unbegründet seien.