Tourismus

Pfingstferien oder: Wenn Freiburg gleichzeitig leer und voll ist

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Von Simone Höhl, Fabian Vögtle, Manuel Fritsch & Simone Lutz

Mi, 19. Juni 2019 um 08:17 Uhr

Freiburg

Viele Freiburger fahren über Pfingsten in den Urlaub, dafür kommen die Touristen. Was macht das mit Mundenhof, Bermudadreieick und dem Einzelhandel? Ein Rundgang durch Freiburg im Juni.

Babystörche, Bäder, Berg
Der Mundenhof kann die Besucherzahl nie genau nennen, aber ein guter Indikator sind die Mülleimer. Die quellen noch nicht über wie an Ostern, weil die Freiburger in Ferien sind, sagt Rathaussprecher Toni Klein. "Aber französische Schüler ersetzen sie gleichwertig." An manchen Tagen kommen zehn Busse. "Diese Ferien sind Franzosenferien." Zudem legen Niederländer, Nordrhein-Westfalen und Schwaben auf Urlaubsfahrt Zwischenstopps ein. Alle Besucher rennen zu den Jungtieren, Top-Attraktion sind kleine Störche, die jetzt aus dem Nest linsen. "Und die Menschen gucken zurück."

Die drei Freiburger Freibäder verbuchten vom Ferienstart bis Montag 13 653 Besuche, davon das Strandbad 7600. Fast genauso viele waren an einem einzigen "Knallertag" Anfang Juni im Strandbad, sagt René Derjung, Sprecher der Regio Bäder GmbH. Also sind die Ferien bisher durchwachsen – wie das Wetter. Aber an schönen Tagen ist gut was los, auch an der neuen Rutsche. Was die ganze Saison angeht, ist für die Bäder noch alles drin.

Wetterfest sind die Fahrgäste der Schauinslandbahn: Rund 1600 pro Tag sitzen in die Gondeln, das ist überdurchschnittlich, sagt der stellvertretende Betriebsleiter Manfred Bader. Wanderer und Touristen sind das, Einheimische "und viele Leute aus der Schweiz und auch aus Indien".

Entspanntes Einkehren
In der Espressobar des Uni-Cafés im Bermudadreieck geht es entspannter zu als sonst. "Die Stammgäste sind fast alle in Ferien", sagt Barista Thomas Schweizer. Viel weniger Kunden hat er deshalb aber nicht. Denn gerade Familien aus Frankreich, Österreich oder Italien machen im kleinen Café derzeit Halt; hinzu kommen Touristen aus ganz Deutschland, die zu Kaffee und Kuchen bei ihm einkehren und sich gratis Freiburg-Tipps einholen. "Die Atmosphäre ist ganz anders, ich komme mir schon fast vor wie ein Reiseführer und ein bisschen selbst wie im Urlaub."

Auch in der Waldgaststätte St. Ottilien sind gerade viele Touristen. Mitarbeiter Bernd Köster hat in den letzten Tagen besonders Gäste aus England und Holland bedient. Die meisten kommen zu Fuß und immer mehr mit dem E-Bike. Das Restaurant und der Biergarten seien vor allem an den Wochenenden gut besucht, sagt Köster. Unter der Woche sei es nach den Pfingstfeiertagen wegen des wechselhaften Wetters erst mal etwas ruhiger gewesen, aber jetzt sei ganz gut Betrieb – auch dank Veranstaltungen rund um Fronleichnam.

Im beliebten Feierling-Biergarten herrscht Sommerstimmung. Traditionell sind viele Touristen da, aber auch "die Freiburger, die nicht weg sind, kommen zu uns", sagt der Betriebsleiter Torsten Büttner. Insgesamt sei der Biergarten diese Woche schon gut besucht, abends wird daher auch die Galerie geöffnet.

Durchwachsener Einzelhandel
Die Ferien in Südbaden haben zwei Gesichter, sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Südbaden, Utz Geiselhart. Viele Einheimische sind weg, dafür schätzen Touristen den südbadischen Raum. Dann spiele das Wetter eine entscheidende Rolle. Ist es heiß, seien Ausflüge in die Umgebung angesagt, von schlechtem Wetter profitieren die Städte. So scheint das auch in Freiburg zu sein. "Das Wetter kam uns in der ersten Ferienwoche entgegen", sagt Laura Lay von Schafferer an der Kaiser-Joseph-Straße. Jetzt, da es wärmer ist, kämen nicht so mehr so viele. "Das Bummeln fällt nun eher spärlich aus."

Anders im Wäschegeschäft Fabel am Bertoldsbrunnen. "Im Frühling hatten wir mit dem schlechten Wetter zu kämpfen", sagt Andrea Lászlófy. "Jetzt werden wir entschädigt." Gerade kämen auffällig viele Touristen, die leichte Sommerkleidung suchten. Sie treibt die Sonne erst in den Laden und dann an den See.

Los ist immer was
Weniger los als sonst? Nicht in den Notaufnahmen von Josefskrankenhaus und Uniklinik. Vielleicht auch, weil in der Urlaubszeit viele Hausarztpraxen geschlossen sind – was die Situation in den Notaufnahmen nicht gerade entspannt.