Smartphone und Co.

Freiburger Bürgerstiftung informiert über Medienkonsum von Kindern

Stefan Mertlik

Von Stefan Mertlik

Do, 21. März 2019 um 15:02 Uhr

Freiburg

Klare Regeln für das Smartphone und Co.: Die Freiburger Bürgerstiftung veranstaltet Workshops über den Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen und berichtet, was früher Medienkonsum bewirkt.

Wie schützen wir unsere Kinder vor ungebremstem Medienkonsum? Mit dieser Frage beschäftigte sich ein von der Freiburger Bürgerstiftung organisierter Vortrag in der Katholischen Hochschulgemeinde Edith Stein. "Technik ist nicht böse, es geht um den bewussten Umgang mit ihr", erläuterte Stiftungsrat Timo Steiner in seiner Begrüßungsrede die Motivation hinter der Veranstaltung. Mit Clemens Beisel und Steffen Heil hatte er zwei Experten auf diesem Gebiet eingeladen.

"Was online passiert, hat Einfluss auf das Leben offline." Sozialpädagoge Clemens Beisel
Der Sozialpädagoge Clemens Beisel gibt Workshops für Lehrer, Eltern und Schüler über den gesunden Umgang mit sozialen Medien. "Was online passiert, hat Einfluss auf das Leben offline", warnt er. Eine Trennung zwischen den beiden Welten existiere nicht. Wer etwa bei Instagram viele "Likes" für ein hochgeladenes Foto erhalte, der ziehe daraus Selbstbewusstsein. Sollte es dagegen keine Zustimmung von den Social-Media-Freunden geben, stelle sich im schlimmsten Falle der gegenteilige Effekt ein.

Einige Kinder schicken bis 900 Mitteilungen pro Tag

Beisel geht auch auf die Ablenkungen durch soziale Medien ein: "Wenn ich alle acht Minuten auf mein Handy schaue, ist es klar, dass ich die Aufmerksamkeitsspanne eines Eichhörnchens habe." Er berichtet, dass Schüler aus seinen Workshops täglich zwischen 50 und 100 Nachrichten mit WhatsApp verschicken würden. Er habe aber auch schon Kinder kennengelernt, die auf 900 Mitteilungen pro Tag kämen. Herausgefunden habe er dies gemeinsam mit den Schülern über die Statistikfunktion des Messengers.

"Ein Kind in der fünften Klasse kann sich nicht kontrollieren."Sozialpädagoge Clemens Beisel

"Ein Kind in der fünften Klasse kann sich nicht kontrollieren", fasst Beisel seine Erfahrungen zusammen und fährt scherzhaft fort: "US-Präsident Donald Trump hat die Selbstkontrolle bis heute nicht." Wer sich früher über etwas ärgerte, war gezwungen, eine Nacht darüber zu schlafen. Social Media erlaube es, sofort zu reagieren, betont Beisel.

Auch auf die Gefahren des Online-Video-Portals YouTube wies er hin. Hier können sich Minderjährige ohne Hürden für sie nicht geeignete Clips ansehen. Als Beispiel nennt und zeigt er Mitschnitte von gewalt- und drogenverherrlichenden Musikvideos. Auf die Frage, wann Kinder für das Internet bereit wären, will und kann Beisel keine Antwort geben. Jeder Mensch sei anders. Er empfehle daher, sich mit dem Medienkonsum der Kinder intensiv auseinanderzusetzen und gemeinsam mit ihnen klare Regeln aufzustellen.

Experte warnt vor Folgen der Reizüberflutung

Steffen Heil, Vorstand der Auerbach- Stiftung, gibt einen Einblick in die Arbeit der gemeinnützigen Einrichtung, die 2005 vom Avira-Gründer Tjark Auerbach ins Leben gerufen wurde. Man wolle ein Bewusstsein für den Umgang mit digitalen Medien schaffen. "Verdrängt das Digitale das Soziale?", fragte er in die Runde, um kurz darauf selbst eine Antwort zu geben, "sicher ist, es verändert unser Miteinander."

"Ein Mensch, der ihnen gegenübersitzt, muss immer wichtiger sein als ein Handy." Sozialpädagoge Clemens Beisel

Heil hält die zu frühe Heranführung von Kindern an Smartphones für problematisch. Mit Verweis auf die Blikk-Medienstudie (Blikk steht für Bewältigung, Lernverhalten, Intelligenz, Kompetenz, Kommunikation) warnt er vor negativen Auswirkungen auf die Kindesentwicklung durch eine digital generierte Reizüberflutung. Wichtig sei es, dass Eltern als gutes Vorbild vorangingen. Er nennt konkrete Beispiele, wie den Verzicht von digitalen Medien in Schlafzimmern oder das Beiseitelegen des Smartphones während eines Gesprächs. "Ein Mensch, der ihnen gegenübersitzt, muss immer wichtiger sein als ein Handy", mahnt er die Zuhörer.

Dennoch wolle er ohne erhobenen Zeigefinger informieren. Die Auerbach-Stiftung hat dazu diverse Projekte ins Leben gerufen. So werden etwa in Kitas kostenlose Kinderbücher mit Titeln wie "Papa, wann schläft dein Handy?" verteilt. Außerdem gibt es einen Bastelbogen, mit dessen Hilfe große und kleine Nutzer Smartphone-Betten für die handyfreie Schlafenszeit bauen können.