Stadtentwicklung

Für das Baugebiet Kleinescholz im Stühlinger sollen 185 Kleingärten weichen

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Mi, 26. Juni 2019 um 13:45 Uhr

Stühlinger

Bis zu 1000 Wohnungen sollen im Gebiet Kleineschholz in Freiburg entstehen. Dafür müssen Kleingärten plattgemacht werden. Umweltschützer halten dieses Vorgehen für absurd.

Für das Baugebiet Kleinescholz rund ums Rathaus im Stadtteil Stühlinger sollen 185 Kleingärten weichen. 69 davon liegen im "Lehener Wanner" südlich der Sundgauallee – und damit in einem Areal, das Freifläche bleibt, auch wenn bis zu 1000 Wohnungen gebaut sind. Dass die Gärten dennoch "plattgemacht" werden sollen, halten sechs Umweltschutzorganisationen und -initiativen für absurd. Sie wollen das Lehener Wanner erhalten – mit verändertem Konzept.

Das Baugebiet Kleinescholz steht in den Startlöchern: Seit Anfang des Jahres entschieden ist, dass das Areal nach der Idee des Büros Dietrich/Untertrifaller Architekten aus Bregenz bebaut wird, folgen nun die formalen Planungsschritte. Anfang Juli soll der Gemeinderat das Bebauungsplanverfahren auf den Weg bringen, am Mittwoch wird im Bauausschuss beraten.

Umweltschützer befürchten die Zerstörung gewachsener Grünstrukturen

Zuvor haben sich nun sechs Umweltschutzgruppierungen zu Wort gemeldet: BUND, Nabu, Ecotrinova, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Kind & Umwelt Gesundheitsförderung und Gartenleben Freiburg. Sie hätten nichts gegen die Bebauung, betonen sie. Nur: Es sei nicht einzusehen, dass die Kleingartenflächen im Lehener Wanner ebenfalls den Baggern weichen sollen. Denn dieses Areal zwischen Sundgauallee und Rathausneubau, das im Herzen des Baugebiets liegt, ist auch im Entwurf von Dietrich/Untertrifaller Architekten als Freifläche vorgesehen. Das Konzept sieht im Lehener Wanner jedoch keine klassischen Schrebergartenstrukturen mehr vor, sondern eine öffentliche Grünfläche, auf der zwar auch in Teilen gegärtnert werden soll, aber in neuen Formen wie Urban Gardening.

Im Klartext bedeute dies, so befürchten die sechs Umweltschutzorganisationen, dass die gewachsenen Grünstrukturen samt alten Bäumen zerstört werden. Sie haben sich die Mühe gemacht, alle Bäume im Areal zu zählen, die mehr als zwei Meter Stammhöhe haben. Es seien gut 200, berichtete Barbara Wimmel von Kind & Umwelt Gesundheitsförderung gestern bei einem Pressegespräch.

Wieviele Bäume weichen müssen, steht noch nicht fest

Zwar sei aktuell aufgrund des frühen Planungsstands noch gar nicht klar, wie viele dieser Bäume konkret weichen müssten. Aber es gehe den sechs Initiativen darum, Stadtverwaltung und Gemeinderat davon zu überzeugen, das Kleingartenareal im Lehener Wanner gar nicht anzutasten, so Wimmel. Zumal es einen Gemeinderatsbeschluss von 2016 gebe, dass im Baugebiet Kleineschholz möglichst viele Schrebergärten erhalten bleiben sollen.

Beim Lehener Wanner handle sich "um ein ausgeprägtes Biotop auf kleinem Raum", das nicht zu vergleichen sei mit einer "kurz geschorenen Wiese, auf der es nicht summen und brummen kann", sagte Monika Rubsamen von Gartenleben.

Die gewachsenen Grünstrukturen seien nicht einfach durch neu gepflanzte kleine Bäume und Sträucher zu ersetzen, sie böten wichtige Lebensräume für Tiere, betonte auch Gisela Maas von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Auch für das Mikroklima sei die alte Baumsubstanz wichtig, sagten die Initiativen – und nannten als Beispiel auch den Radweg entlang der Sundgauallee, den sie ebenfalls erhalten möchten.

Damit das Gebiet Lehener Wanner zukünftig nicht hauptsächlich durch die Schrebergartenbesitzer genutzt werden kann, sondern von möglichst vielen Menschen, schlagen die Initiativen "Themengärten" vor, die für alle Bürger zugänglich wären. Ein solches Projekt gibt es im Lehener Wanner bereits seit 2017 mit dem Lesegarten.