Freiburg

Gemeinderat stellt 2020 Zehnjahresplan für Stadtwald auf

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Mo, 21. Oktober 2019 um 15:48 Uhr

Freiburg

Freiburg muss seinen Forst fit für den Klimawandel machen. Wie, legt der Gemeinderat 2020 mit einem Zehnjahresplan fest. Freiburgs Wald ist inzwischen Heimstätte für 23 Waldkindergärten.

Wie soll sich Freiburgs Wald in Zeiten des Klimawandels entwickeln? Nächstes Jahr muss die Stadt einen neuen Zehnjahresplan aufstellen. Für diese Aufgabe hat das Forstamt bei einer Waldbegehung jetzt die neuen Stadträtinnen und Stadträte unter den Teilnehmern gebrieft. Noch nie war das Interesse größer an der traditionsreichen Tour durch den Stadtwald. Der ist Freiburgs grüne Lunge, Spardose und Erholungsgebiet – und Kinderstube: Inzwischen gibt es 23 Waldkindergärten.

"Wir waren dieses Jahr von Schäden gebeutelt." Forstamtsleiterin Nicole Schmalfuß

Rund 80 Teilnehmer hatten sich angemeldet – ein Rekord – und gekommen waren allein 19 Stadträte, dazu weitere Gäste wie Alt-Ortsvorsteher und die neue Forstpräsidentin Anja Peck, Feuerwehrchef Ralf-Jörg Hohloch und Freiburgs oberste Tourismusförderin Hanna Böhme. Das war für Forstamtsleiterin Nicole Schmalfuß ein Zeichen dafür, dass sich Freiburg um seinen Wald sorgt: "Wir waren dieses Jahr von Schäden gebeutelt." Der trockene Sommer 2018 hatte zu toten Tannen, Borkenkäferalarm und vielen Fällaktionen geführt. "Der Wald steht vor großen Herausforderungen, und wir werden nicht ganz schadensfrei ums sie herumkommen", sagte Oberbürgermeister Martin Horn.

Stadt hat 2001 ein Leitbild für die Waldkonvention festgelegt

Förster Dieter Thoma zeigte unterhalb des Rosskopfsattels eine Fläche, die er nach Orkan Lothar 1999 und weiteren Stürmen mit verschiedensten Baumarten wieder aufforstete – auch mit Fichte. "Ein Fehler", sagte er am Freitagnachmittag, aber vor 15 Jahren war der Klimawandel noch kein Thema. "Wir rechnen damit, dass solche Schadensereignisse zunehmen", sagte Berno Menzinger, der Vizechef des Forstamts.

Das arbeitet mit der Wissenschaft zusammen, um den Wald gut zu mischen und klimafest zu machen. "Stichwort: Forsteinrichtung", sagte Menzinger und erläuterte den Zehnjahresplan, den die Stadt 2020 wieder aufstellt und der dann auf Jahrespläne für jedes einzelne Revier heruntergebrochen wird. Festgelegt wird zum Beispiel, wie viel zwischen Mooswald und Schauinslandgipfel gefällt und was vermehrt wachsen soll. Das Leitbild dazu hat die Stadt Freiburg im Jahr 2001 in einer Waldkonvention festgeschrieben. Die ökologischen, ökonomischen und sozialen Ziele sind gleichrangig. Die Waldwirtschaft erfolgt naturnah, und in besonders wertvollen Bereichen muss die Stadtkasse zurückstecken.
Stadtwald in Zahlen

Freiburg ist eine der forstreichsten Kommunen Deutschlands. Der Stadtwald umfasst 5200 Hektar – etwa die Hälfte der Gemarkung. Laut Ratsbeschluss werden 35.000 Festmeter pro Jahr gefällt, 55.000 wachsen nach. Der Verkauf des Holzes bringt jährlich zwei Millionen Euro. Von 2001 bis 2010 ist die Waldfläche um 10 Hektar geschrumpft (0,2 Prozent), die aktuelle Inventur läuft. 10 Prozent überlässt das Forstamt als Totholz- und Bannwald der Natur (Landesschnitt: 2 Prozent).

Gefällt wird natürlich im Stadtwald (siehe Info) – und damit ein Beitrag zum städtischen Haushalt und zum Bau von Häusern geleistet, sagte Nicole Schmalfuß. Dabei könne die Stadt bestimmen, wie das geschehe: "Nämlich nach ökologischen Standards und nachhaltig." Wie die gefährliche Arbeit genau vor sich geht, zeigten und erklärten Forstwirtschaftsmeister Denis Wursthorn und seine Kollegen bei der Fällung eines dürren, etwa 40 Meter hohen Baumes an einer Lichtung im Ottilienwald.

Eine soziale Funktion fällt dem Forst nicht nur durch Jogger, Wanderer und Mountainbiker zu, sondern immer mehr auch durch Kinder: 23 Waldkindergärten gibt es im städtischen Wald, erklärte Wolfgang Rapp am Bauwagen seiner Waldkita Hollerbusch im Sternwald. Der erste eröffnete in den 90er Jahren, der jüngste am Freitag: eine neue Gruppe in Hochdorf. "Freiburg ist ’ne Hochburg", sagte Rapp. Rathaus und Forstamt unterstützen das, haben aber zunehmend Schwierigkeiten, Standorte zu finden.