Leute und Listen

Guido Boehlkau, Bürger für Freiburg: "Aufhören, mit dem Füllhorn Geld auszuschütten"

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Fr, 17. Mai 2019 um 08:48 Uhr

Freiburg

Am 26. Mai wird ein neuer Gemeinderat gewählt. In Freiburg treten 18 Listen an. Welche Positionen vertreten sie? Heute: Guido Boehlkau, Spitzenkandidat der Liste "Bürger für Freiburg".

BZ: Baubranche goes Gemeinderat. Muss sich die Bauverwaltung warm anziehen?
Boehlkau: Gute Frage. Ich möchte helfen, die Dinge nach vorne zu bringen, deswegen bin ich angetreten. Dazu gehört auch, manches zu beschleunigen und zu entzerren.

"Wir stehen für bürgerschaftliches Engagement verbunden mit wirtschaftlicher Kompetenz."

BZ: Wofür steht Ihre Liste?
Boehlkau: Unsere Werte beruhen auf Respekt und Toleranz, Achtung unserer Mitmenschen, deren Meinung und deren Eigentum. Wir stehen für bürgerschaftliches Engagement verbunden mit wirtschaftlicher Kompetenz. Wir setzen uns zusammen aus erfolgreichen Unternehmern, Angestellten und Bürgern, die ihrer Stadt etwas zurückgeben möchten.
Guido Boehlkau, 54, Projektentwickler und Kaufmann, lebt seit mehr als 50 Jahren in Freiburg.

BZ: Was muss sich dringend ändern?
Boehlkau: Wir sind der Meinung, dass die Politik aufhören muss, ihre Bürger zu bevormunden, sie zu belehren. Gemeinderat und Verwaltung müssen die Bürger
überzeugen und mitnehmen.

"Wenn Freiburg nicht ein noch teureres Pflaster werden soll, muss die Stadt wachsen."

BZ: Soll Freiburg weiter wachsen oder sollte nach dem Bau des neuen Stadtteils Dietenbach Schluss sein?
Boehlkau: Die Frage ist: Wie gehen wir mit der Attraktivität dieser Stadt um? Wenn Freiburg nicht ein noch teureres Pflaster werden soll, muss die Stadt wachsen! Dabei ist die Schaffung von Wohnraum für die Mittelschicht von besonderer Bedeutung, denn sie ist das Rückgrat unserer Gesellschaft.

BZ: Stadtverwaltung und Gemeinderat haben 70 Millionen Euro neue Schulden beschlossen. Wie kriegt man die Finanzen wieder in den Griff?
Boehlkau: Indem man aufhört, mit dem Füllhorn Geld auszuschütten. In die Substanz und in die Zukunft investieren ist angesagt. Spare bei Zeiten, dann hast du in der Not.

BZ: Ihre Traumveranstaltung für das Stadtjubiläum?
Boehlkau: Eine 900 Meter lange Tafel vom Fahnenbergplatz bis zur Kronenbrücke, bevölkert von Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Freiburg, befüllt mit selbst zubereiteten Speisen und Getränken.

BZ: Bitte vervollständigen Sie: Ich finde den kommunalen Ordnungsdienst...
Boehlkau: ...klasse! Er ist wie die Polizei nicht unser Gegner, sondern unser Freund und Helfer.

BZ: Die Umsetzung politischer Entscheidungen scheitert immer öfter am Widerstand von Bürgern. Wie wollen Sie hier vermitteln?
Boehlkau: Erläutern, erklären, Entscheidungen transparent vermitteln. Bürgerbeteiligung ist ein demokratisches Mittel und in bestimmten Fällen hat sie dann auch das letzte Wort. Oftmals wird die Bürgerbeteiligung jedoch für Einzelinteressen missbraucht. Hier ist es wichtig, dass der Gemeinderat das Gemeinwohl im Blick hat.

BZ: Mit welchen anderen Listen könnten Sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen?
Boehlkau: Das kommt auf den Einzelfall an. Gemeinderatsarbeit ist Sacharbeit, Ideologie hat da wenig verloren.

"Die Straßenumbenennung war völlig unnötig."

BZ: Welcher Gemeinderatsbeschluss der vergangenen zehn Jahre war Top, welcher war der größte Flop?
Boehlkau: Top: Der mit einer großen Mehrheit im Gemeinderat verabschiedete Beschluss, einen neuen Stadtteil zu bauen. Flop: Die Straßenumbenennung war völlig unnötig.
Leute und Listen

Am 26. Mai wird ein neuer Gemeinderat gewählt. In Freiburg treten 18 Listen an. Welche Positionen vertreten sie? Wir haben die jeweiligen Spitzenkandidatinnen und -kandidaten um Antworten für einen Fragebogen gebeten. Alle bisher erschienenen Folgen gibt es unter: Kommunalwahl 2019 in Freiburg: Leute und Listen.

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