Verbrauchermesse

In Freiburg hat seit Samstag die 66. Baden Messe geöffnet

Jens Kitzler

Von Jens Kitzler

So, 15. September 2019

Freiburg

Der Sonntag Mit einem vielseitigen und bunten wie mitunter auch etwas schrulligen Angebot kämpfen Verbrauchermessen schon seit einer Weile gegen Internet und Zeitgeist – ein Besuch bei der gestern eröffneten Baden Messe in Freiburg, wo man jetzt zurück zu einer festen Basis finden will.

Mit einem vielseitigen und bunten wie mitunter auch etwas schrulligen Angebot kämpfen Verbrauchermessen schon seit einer Weile gegen Internet und Zeitgeist – ein Besuch bei der gestern eröffneten Baden Messe in Freiburg, wo man jetzt zurück zu einer festen Basis finden will.

Eine Neuheit zündet auf der gestern eröffneten Baden Messe gleich am Anfang: Die Idee, für die erste Stunde keinen Eintritt zu verlangen, sorgt für deutlich schneller gefüllte Hallen als zuletzt, in der Bilanz machten sich die fehlenden Einnahmen der Stunde dagegen nicht auffällig bemerkbar, heißt es bei der Betreibergesellschaft Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe.

Wer auf den Messeboulevard vorstößt, der bekommt auf den ersten Metern den für solche Messen typischen, scheinbar willkürlichen Mix serviert. Ein Zelt mit Rasenmähern, dann Elektro-Autos, ein Stand des Pay-TV-Senders Sky , daneben Grabschmuck und Garten-Zierrat, Bürsten und Backzubehör, ein Bratwurst-Stand, Fahrräder und E-Zigaretten. Das macht die Messe zu einem sonst so kaum erlebbaren, bunten Sammelsurium – aber in Zeiten gezielter Suche in Internet, Outlets und Baumärkten auch ein bisschen zu einem Anachronismus. Im vergangenen Jahr waren die Besucherzahlen kräftig gesunken, statt 70 000 erwarteter waren nur 60 000 Interessierte in die Messehallen gekommen – ein Trend, der sich seit Jahren bei Messen dieser Art zeigt.

Über 25 Grad? Eisgutschein

Beim Treffen nahe der neu installierten Modeschau-Bühne erklärt Messechef Daniel Strowitzki, was man sich im zurückliegenden Jahr überlegt hat, um "auf eine stabile Basis" zu kommen. Ein Punkt: räumliche Konzentration statt Weitläufigkeit. Die vier Zelthallen vor den Messegebäuden sind Geschichte. "In Zeiten des Klimawandels war das bei 30 Grad ohnehin nicht mehr praktikabel", sagt Strowitzki. Jetzt werden die Besucherströme über den Boulevard in die Messehallen geleitet und sonst – abgesehen vom Kinderspielbereich – nirgendwo anders mehr hin. Dem Klimawandel begegnet die Messeleitung mit einem anderen Mittel: Überschreitet das Thermometer die 25 Grad Marke, soll jeder Besucher an der Kasse einen Gutschein für ein Eis bekommen.

Schließlich soll die Messe profilschärfer auf die Alters-Zielgruppe 45plus zugeschnitten sein und die ist, davon scheint die Messeleitung auszugehen, zu einem großen Teil am Gesund bleiben und an Fitness interessiert. In Halle 2 schlägt sich das entsprechend nieder, dort residieren zahlreiche Anbieter aus dem Gesundheitssektor, beisppielsweise die AOK und das Zentrum für Strahlentherapie, dort können Interessierte diverse Bewegungsgeräte ausprobieren, beim Begehen der begehbaren Mundhöhle dazulernen und in der "Plaque Neon Show" feststellen, ob ihre eigenen für sauber gehaltenen Zähne das tatsächlich auch sind. Eine Nische ist für Vorträge aus dem Gesundheitssektor vorgesehen, der gestrige Messetag begann mit "Häufige Frakturen des älteren Patienten".

Alle Änderungen seien mit den Ausstellern abgesprochen, erklärt Messechef Strowitzki. "Und die tragen das ganz positiv mit." Doch auch wenn jetzt sogar Bloggerinnen wie "Fräulein Ordnung" Teile des Rahmenprogramms bestreiten, ist so manches auch beim Alten geblieben. Der Bereich "Wohnen" in Halle 1 bedient die ganze Familie und zeigt nebenbei deutlich, dass das Zentrum des deutschen Wohnzimmers immer noch die mächtige Sitzgruppe bildet. Mit Süßigkeiten versorgt man sich weiterhin beim nicht wegdenkbaren "Bonbon-Onkel". Und natürlich bedienen weiterhin viele der 325 Aussteller das Thema Haushalt mit zahllosen Geräten – und Vorführungen. Natürlich, ergänzt Daniel Strowitzki, die gebe es noch, die Verkaufsshows rund um Gurkenhobel und Co. "Man will ja unbewusst Käufe anregen" Etwas kaufen, was man zu bedürfen nie gedacht hätte – auch das gehört zur klassischen Messe-Atmosphäre.
Die Baden Messe auf dem Messegelände in Freiburg ist noch bis zum 22. September von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt: 7,50 Euro, ermäßigt 6 Euro, die Eintrittskarte gilt auch für Bus und Straßenbahn, Parkgebühr 3 Euro