Material für Kartendienste

Kameraautos von Apple erfassen Südbaden – ohne Gegenwind

Jens Kitzler

Von Jens Kitzler

Mo, 16. September 2019 um 14:13 Uhr

Freiburg

Der Sonntag Wie einst Google schickt derzeit der IT-Riese Apple Spezialfahrzeuge durch Südbaden, um 3D-Fotos von Straßen und Häusern zu erstellen. Anders als damals sorgt das für keine große Aufregung.

Googles "Street View" nehmen viele Menschen gerne in Anspruch. So lässt sich durch die Rundumsicht aus Fußgängerperspektive schön feststellen, ob ein Hotel tatsächlich ruhig liegt oder ob der Makler die Umgebung der zu mietenden Wohnung doch etwas zu beschönigend fotografiert hat. Tauchten die Google-Autos mit ihren Kameratürmen aber vor den Heimen der Deutschen auf, um dort die Straßen-Szenerie aufzunehmen und ins Netz zu stellen, sahen die Anwohner das weniger gerne. Einwände von Datenschützern und Hausbesitzern sorgten dafür, dass Google vor zehn Jahren nur 20 deutsche Städte in "Street View" online stellte und Deutschland seitdem links liegen lässt. Für Freiburg beispielsweise funktioniert "Street View" nicht.

Seit Ende Juli nun fotografiert auch der IT-Riese Apple deutsche Gemeinden. Zum einen, um das eigene Navigationsangebot Apple Maps zu verbessern. Zum anderen, um mittelfristig mit "Look Around" ein Konkurrenzangebot zu Googles "Street View" herauszubringen. Wann dieses für Deutschland freigeschaltet werden könnte, steht allerdings noch in den Sternen.

Auch Südbaden fährt der Konzern mit seinen Autos ab. Stimmen die Daten einer auf Apple-Servern findbaren Tabelle, sind die Landkreise Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen bis zu diesem Wochenende bereits fertig abgefilmt worden, tatsächlich wurden in den Kreisen in den letzten Tagen auch Apple-Fahrzeuge, jeweils mit spanischen Kennzeichen, gesehen. In Lörrach beginnen die Fahrten demnach dieses Wochenende und dauern bis zum 19. September an. Ob die Zeitpläne eingehalten werden, ist nicht sicher – in Freiburg wurden Apple-Fahrzeuge bereits Ende vergangener Woche gesichtet, obwohl die Straßen der Stadt laut Zeitplan erst ab 23. September befahren werden sollen.

Die Menschen gehen mit dem Thema gelassener um als vor zehn Jahren

Aufregung rund um die Apple-Pläne gibt es öffentlich bislang kaum – anders als vor zehn Jahren. Damals wurde erbost diskutiert und Einspruch erhoben, oft gar unterstützt durch die Gemeinden. Im Markgräflerland beispielsweise legten diverse Kommunen damals Formulare aus, um Widerspruchserklärungen von Bürgern zu sammeln und an Google zu schicken.

Das ist Geschichte. Nein, man habe keinerlei Reaktionen aus der Bevölkerung registriert, heißt es beim Landratsamt des Kreises Emmendingen, dessen Ortschaften die Apple-Fahrzeuge in den vergangenen Tagen abfotografiert haben. Auch im dortigen Rathaus hat man nichts vernommen. Das kann daran liegen, dass ein Start des Apple-Dienstes in Deutschland noch gar nicht absehbar ist und das Material dann deutlich weniger weit verbreitet sein wird als bei Google – nur Nutzer von Apple-Geräten kommen in den Genuss. Vor allem aber dürfte die Bevölkerung mittlerweile ein Stück gelassener mit solchen Themen umgehen als noch vor zehn Jahren.

In Freiburg wurden Meldungen von Auto-Sichtungen in den vergangenen Tagen fröhlich in den sozialen Medien geteilt, aber kaum kommentiert. Gab es Beschwerden beim Ordnungsamt der Stadt? Nein, keine, heißt es dort auf Anfrage.

"Wenn Google, Apple und Co. Fahrzeuge mit Kameras auf dem Dach durch die Straßen fahren lassen, benötigen sie dafür keine Erlaubnis der Gemeinde." Martina Schickle
Tun könnten Kommunen ohnehin kaum etwas. "Wenn Google, Apple und Co. Fahrzeuge mit Kameras auf dem Dach durch die Straßen fahren lassen, benötigen sie dafür keine Erlaubnis der Gemeinde", erklärt Martina Schickle, Sprecherin im Freiburger Rathaus. "Die Fahrten stellen einen normalen Verkehrsvorgang dar und die Fahrzeuge bewegen sich wie andere Autos; straßenrechtliche Belange von Bürgerinnen und Bürgern werden nicht eingeschränkt."

Apple will Gesichter und Nummernschilder unkenntlich machen

"Wir verpflichten uns, deine Privatsphäre zu schützen, während wir diese Daten erfassen", schreibt Apple auf seiner Webseite. "Zum Beispiel werden wir Gesichter und Autokennzeichen auf den Bildern vor der Veröffentlichung unkenntlich machen." Zudem könne man beantragen, sein eigenes Haus unkenntlich zu machen.
Für einen Kontakt hält Apple die Mailadresse mapsimagecollection@apple.com bereit, bei Einwänden sollten Bürger möglichst genau mitteilen, wann und wo für kritisch gehaltene Aufnahmen gemacht wurden.