Fridays for Future

Mehr als 20.000 streiken in Freiburg lautstark und bunt fürs Klima

Simone Lutz, Anika Maldacker, Carolin Buchheim, Manuel Fritsch, Simone Höhl, Simon Langemann, Theresa Steudel

Von Simone Lutz, Anika Maldacker, Carolin Buchheim, Manuel Fritsch, Simone Höhl, Simon Langemann & Theresa Steudel

Fr, 20. September 2019 um 18:37 Uhr

Freiburg

Freiburg erlebt am Freitag die größte Protestaktion nach dem Krieg. Ein riesiger Zug zieht durch das Zentrum - bunt, laut und friedlich.

Weil die Demonstration noch größer wurde als erwartet, änderte die Polizei in Absprache mit den Veranstaltern Fridays for Future (FFF) die Demo-Strecke.

Massendemonstration
Schon als die ersten Fahrradkorsos am Platz der Alten Synagoge eintreffen, kann man ahnen: Das wird groß. Auch wenn es immer schwierig ist, Menschenmassen zu schätzen: Die Polizei zählt schlussendlich mehr als 20 000, die Veranstalter gar 30 000 Teilnehmende. Es ist die größte Demonstration, die Freiburg in seiner Nachkriegsgeschichte je gesehen hat.

Klimapolitik
Um halb elf beginnt die Kundgebung auf dem Platz, erstmal spielt die Band Qult. Es gibt auch einige Reden. Darin präsentieren sich die FFF-Aktivisten als ernstzunehmende Akteure, bleiben dabei aber explizit jugendlich. Kritik gibt es daher an der Instagram-Freundin, die entsetzt Bilder vom brennenden Amazonas und kurz darauf Bilder von ihrem Ein-Euro-Burger postet. Jede und jeder, so die Botschaft, solle seine Mitmenschen auf solch einen Widerspruch aufmerksam machen. Hart gehen die Aktivisten mit der Klimapolitik der Regierung ins Gericht. Man könne nicht gleichzeitig das Engagement von FFF loben und im nächsten Atemzug Pläne vorlegen, die den Forderungen der Bewegung in keinem Fall entsprechen. Drei Redebeiträge von Studierenden aus Kenia, Tansania und Burundi kehren die internationale Perspektive der Bewegung hervor. Für Gehörlose stehen Gebärdendolmetscher auf der Bühne.



Rosengrüße
Auf den Rand des Gedenkbrunnens haben die Veranstalter wunderschöne Rosen gelegt. Die Israelitische Gemeinde hatte darum gebeten, den Brunnen nicht abzusperren – "deswegen haben wir einfach heute Morgen Rosen gekauft", sagt Tariel Leiss von FFF.

Demonstrationszug
Um 10.40 Uhr setzt sich der Demonstrationszug in Bewegung. Er ist unglaublich lang: Mehr als 90 Minuten dauert es, bis er von Anfang bis Ende am Augustinermuseum vorbeigezogen ist. Wegen des lang auseinandergestreckten Aufzugs verzichten die Veranstalter auf ein geplantes Die-In und führen die Demo auch nicht über den Rathausplatz. Aber Pater Markus Fischer von der Pfarrei Sankt Martin am Rathausplatz verteilt eine Stärkung für die Demonstrierenden – natürlich mit Gebet. Es dauert mehr als eine halbe Stunde, bis die letzten Demonstrierenden den Platz der Alten Synagoge verlassen haben.

Bunt und laut
Die Demo ist nicht nur lang, sie ist auch bunt und laut. Viele Plakate fordern eine andere Klimapolitik, aber auch "Lieber an der Dreisam liegen als in die Karibik fliegen". Ein junger Mann trägt einen zerfledderten Pappkarton, auf dem steht: "Mein Schild ist so furchtbar wie eure Klimapolitik." Kinder rufen: "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut." Eine junge Frau steigt behände auf die Schultern ihres Freundes und präsentiert der Menge ein Schild: "Riesenproblem!" Und über allem liegt Musik, etwa von der Samba-Gruppe Brasilikum.

Schülerprotest
Alix, Charlotte und Félicien sind französische Schüler der 9. Klasse am Deutsch-Französischen Gymnasium. "Wir sind hier für unsere Zukunft. In Frankreich gab es auch ein paar Demos, aber noch lange nicht so groß wie hier." Weiter hinten diskutiert die Fachschaft Physik mit Anti-5G-Aktivisten. Ausgang unbekannt.

Parolen
Am Anfang des Zuges müssen die Ordner dafür sorgen, dass alle gleichmäßig laufen, und zwar auf der Straße statt auf dem Boulevard am Rotteckring. Ganz vorn läuft Moritz Schmidt, 16, der seit drei Stunden Parolen vorspricht. Er ist zwar heiser, "aber es macht mega Spaß". Gegen halb zwei ist die Demo wieder am Platz. Nach einigen Redebeiträgen löst sich die Kundgebung langsam auf.

Sicherheit
Der Rettungsdienst hat bei der Demo drei Einsätze wegen kleiner Blessuren. Die Feuerwehr hat Einsatzfahrzeuge am Münster platziert, um schnell zu einem etwaigen Brand im Zentrum zu kommen. Der Fall tritt zum Glück nicht ein. Im Tunnel löst die Brandmeldeanlage aus, wohl wegen des Rückstaus auf der B 31.



Tweets
Fridays for Future Freiburg tweetet ein Video, das von oben zeigt, wie Menschen dicht an dicht auf dem Platz der Alten Synagoge isländisch-rhythmisch in die Hände klatschen – das Video geht sofort viral. Bis zum Abend wird es von hunderttausenden von Klimaaktivisten weltweit retweetet.