Professorale Wacht am Rhein

Wulf Rüskamp

Von Wulf Rüskamp

Sa, 17. Oktober 2015

Freiburg

Mario Seiler beschreibt, wie sich die Universität Freiburg den Nazis anbiederte. Für seine Doktorarbeit erhält er den Ralf-Dahrendorf-Preis /.

Von heute aus betrachtet gilt die Albert-Ludwigs-Universität als feste Größe in der deutschen Hochschullandschaft. Existenzsorgen plagen gegenwärtig weder den Rektor noch die Dekane. Dass die Freiburger Universität einfach geschlossen werden könnte – undenkbar. Vor hundert Jahren war das anders, und diese Furcht kehrte verschärft zurück, als vor 70 Jahren der Zweite Weltkrieg zu Ende war. Doch damals kappte die französische Militärregierung rasch alle Spekulationen: Am 17. September 1945 wurde die Universität feierlich wieder eröffnet. Seither zweifelt niemand mehr an deren Fortbestand.

Dagegen war die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, mit der sich Mario Seiler in seiner Doktorarbeit beschäftigt, von großer Unsicherheit geprägt. Mit Hochschulpolitik hatte das wenig zu tun, entscheidend war die strategische Lage der Stadt Freiburg: Bis 1914 hatte sie sich im Rückraum des Reichsland Elsass bestens entwickelt, ihr landstädtisches Gepräge abgelegt und war auf dem Weg zur Großstadt. Mit Kriegsbeginn jedoch wurde sie zur Soldaten-, bald zur Frontstadt. 1919 verlegte der Versailler Vertrag die deutsch-französische Grenze definitiv vor die Tore Freiburgs – wirtschaftlich eine große Herausforderung: War hier eine Universität noch zu halten? 1939 war Freiburg erneut Frontstadt, die Universität kurzzeitig geschlossen. Doch schon im Jahr darauf, nach dem "Blitzkrieg" gegen Frankreich, schien das ...

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