Projekt

Das EKZ Landwasser wird zum temporären Raum für Kunst und Begegnungen

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Di, 12. November 2019 um 16:41 Uhr

Landwasser

Am Samstag ist das vierteilige Projekt "Kunst Land Wasser" gestartet, das auch ein Appell an die Planer des neuen Zentrums ist. Wir waren bei der ersten Performance.

Holzstäbe, Seile, Bretter: Jürgen Oschwald und Emi Miyoschi hantieren im Einkaufszentrum vor dem Quartiersbüro herum. Was ist noch Aufbau, was schon Kunstaktion? Dass die Grenzen fließend sind, gehört dazu. Ephram Wegner am Mischpult nimmt Geräusche auf, spielt sie später wieder ab. Die Performance mit Szenen vom Stück "In my room" (Deutsch: "In meinem Zimmer") war am Samstag der Auftakt des Kooperationsprojekts "Kunst Land Wasser", das vom Amt für Soziales und Senioren und vom Kulturamt finanziert wird.

"Landwasser liegt im Dornröschenschlaf." Thomas Zehe
Dauerhaft stillstehen? Darauf hat Helmut Birkemeyer keine Lust. Jürgen Oschwald hat mit einem Stab einen Korb an ihn gelehnt, doch irgendwann löst sich Helmut Birkemeyer vom Stab. Solche Szenen gibt es öfter. Manfred Dolde bekommt von Jürgen Oschwald einen orangefarbenen Klebestreifen angeheftet und wird in die Aktionen einbezogen: Er trägt einen Holzstab, steigt über ein Seil.

Für ihn ist das alles nichts Neues – er hat Jürgen Oschwald und Emi Miyoschi im Sommer schon in Merdingen gesehen. Als er durch einen Flyer erfuhr, dass sie in Landwasser auftreten, ist er von Niederrimsingen angefahren, um dabei zu sein: "Das ist ein schönes zweckfreies Spiel", findet er. Jürgen Oschwald und Emi Miyoschi sind ständig in Bewegung und in Kontakt mit den aufgebauten Gegenständen: Als Emi Miyoschi ein Brett auf dem Rücken trägt, stellt Jürgen Oschwald eine Schüssel und eine Mütze drauf. Sie steht mit ausgestreckten Armen auf einem Bein, er bindet ihren anderen Fuß am Brett fest, dann beugt sie sich nach unten und liegt am Boden. Die meisten Zuschauerinnen und Zuschauer sind älter, einige haben Einkaufstaschen in der Hand. "Ich kann’s noch nicht einschätzen", sagt eine Frau. Aber dass in Landwasser etwas los ist, findet sie grundsätzlich gut.

Genau das ist das Ziel der Organisatoren: "Landwasser liegt im Dornröschenschlaf", findet Thomas Zehe, Vorsitzender des Vereins "Kubus3" , der mit zum Projektteam gehört. Vor eineinhalb Jahren kam Frank Hebda, Quartiersarbeiter in Landwasser, auf ihn zu. Der Kontakt ergab sich dadurch, dass "Kubus3" Projekte mit den neben dem "Haus der Begegnung" gelegenen Albert-Schweitzer-Schulen macht. Außerdem wohnt Thomas Zehe in Landwasser. Mit den anderen Projektteam-Mitgliedern entwickelten sie die Idee für vier Kunstaktionen zum Auftakt des Einkaufszentrums-Abrisses.

Genau wie kürzlich die Graffiti-Aktion sollen sie Austausch schaffen, Erinnerungen ans alte EKZ bewahren, Offenheit für Veränderungen stärken und außerhalb von Landwasser Interesse wecken. Gleichzeitig seien die Aktionen ein Signal, dass im neuen Einkaufszentrum deutlich mehr Raum für Begegnung geplant werden sollte, als bisher angedacht sei. Das betont auch der bildende Künstler Jürgen Oschwald, der mit Emi Miyoschi alle Szenen spontan improvisiert hat. "Einkaufen ist nicht alles", appelliert er an die Planer des neuen Zentrums, nötig wären auch Quartierscafés und Räume für Kunst: "Es geht meist nur um Kohle – aber es wäre gut, die Chance für eine bessere Nutzung zu nutzen." Beim neuen Stadtteil Dietenbach werde das angedacht, Landwasser dürfe nicht vergessen werden.

Damit trifft er die Wünsche von Peter Lüthi und Gisela Trüller, die in Landwasser wohnen: "Ich hoffe auf Raum für Begegnungen und kleine Läden statt riesiger Einkaufsklötze. Wir brauchen es persönlicher, weg vom Massenkonsum", sagt Peter Lüthi.
"Kunst Land Wasser"

Samstag, 16. November 2019, 22 Uhr: Performance "Lebt Odradek? Ein Aufspüren" im "Haus der Begegnung", Habichtweg 48.

Donnerstag, 28. November 2019, 19 Uhr: Vernetzungstreffen im Haus der Begegnung für alle Interessierten.

Samstag, 7. Dezember 2019: Kunstaktion "Die Wand" im Einkaufszentrum, Auwaldstraße 90, mit Alfonso Liapardi mit Büchern (alle können Bücher mitbringen, die sie nicht mehr brauchen). Kein Eintritt.